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Aberglaube
Arme schwarze Katze

MEINUNG
Schwarze Katze von links - Ein schlechtes Omen? | Bild: Jule Müller

Aberglaube Arme schwarze Katze

Schwarze Katze von links - Ein schlechtes Omen? | Bild: Jule Müller
 

19 Jan 2021

Aber glaub doch was du willst: Ob übernatürliche Kräfte oder unvernünftige Hirngespinste – Jeder Mensch hat eine Meinung zum Thema Aberglaube. Diese Kolumne beschäftigt sich mit bekannten abergläubischen Überzeugungen und wie sie entstanden sind.

Jule Müller

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Wintersemester 2019
Gesundheit & SportSex & IdentitätKunst & Kultur

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Bei meinen Recherchen zum Thema Aberglaube bin ich oft darauf gestoßen, dass viele Menschen Angst vor schwarzen Katzen haben. Klar, ich habe schon mal im Entferntesten davon gehört, aber ich frage mich, was für ein irrwitziges Märchen diesmal dahinterstecken könnte. 

Die einzige schwarze Katze, die ich bisher kennengelernt habe, war die von meiner Tante. Als junges Mädchen wollte ich unbedingt, dass sie mich mag und habe sie in mein Zimmer eingesperrt, damit sie mit in meinem Bett schläft. Ob sie das wollte oder nicht. Weil das ja wohl noch nicht genug Tierquälerei war, habe ich sie dann auch noch gezwungen, sich auf meinen Schoß zu setzen und sie gegen die Fellrichtung gestreichelt. Sie hat sich natürlich mit all ihren Mitteln dagegen gewehrt, sie konnte mich nicht ausstehen. Aber meine Güte, ich war noch jung, ich hatte keine Ahnung und wollte doch nur eine tierische Freundin. Was ich mich heute frage: Wenn schwarze Katzen Unglück bringen, hängen dann vielleicht alle Missgeschicke, die mir jemals widerfahren sind, mit der Katze meiner Tante zusammen? Hat sie aus der Katzen-Hölle auf mich herabgeschaut, geschnurrt und sich genüsslich die Lippen geleckt, als ich letztens mit meinem Fuß in ein Schlagloch gestolpert bin und mir einen Bänderriss zugezogen habe? Ist die kleine, unschuldige Minka in Wirklichkeit mein persönlicher schwarzer Racheengel? 

Das negative Bild von schwarzen Katzen stammt wohl aus dem Mittelalter. Zunächst wurden Katzen noch für ihre Fähigkeiten bei der Mäusejagd anerkannt. Ihr öffentliches Bild änderte sich jedoch schnell ins Negative, als die Zeit der Hexerei kam. Dann wurden besonders die schwarzen Katzen für Hilfsgeister der Hexen gehalten. „Teufelsgetier“ nannte man die eigentlich doch recht süßen Geschöpfe dann plötzlich. Die Menschen fingen also an, die schwarzen Katzen zu meiden, denn als Besitzer einer solchen wurde man schnell einfach mal so als Hexe angeprangert. Warum haben die Menschen damals aber schwarze Katzen verurteilt? Warum keine braun getigerten zum Beispiel? Ich meine, so eine Katze die aussieht wie ein Tiger oder ein Luchs ist ja wohl um einiges angsteinflößender. Die Erklärung ist ganz einfach: schwarz ist eine düstere Farbe, eine dämonische Farbe. Heute ist es ein unheilvolles Omen, wenn einem eine schwarze Katze von links über den Weg läuft. Denn die linke Seite gilt laut der Bibel als die „Seite des Bösen“. Schwarze Katze von links bedeutet also doppeltes Unglück.

Aber habt keine Angst. Wenn ihr es mal nicht verhindern könnt und euch eine schwarze Katze von links kreuzt, gibt es zwei Möglichkeiten, wie ihr das Pech gerade noch rechtzeitig abwenden könnt. Entweder ihr rotzt schnell noch auf einen Stein oder ihr werft drei Steine über die Katzenspur. Bitte achtet aber darauf, dass ihr die Katze dabei nicht trefft. 

Ich kann also mit recht großer Sicherheit sagen, dass meine alltäglichen Missgeschicke keine Racheakte von der schwarzen Katze meiner Tante sind. Denn von links ist sie mir garantiert noch nie über den Weg gelaufen. Oder aus irgendeiner Richtung, was das anbelangt. Sie hat generell immer einen großen Bogen um mich gemacht. Verdenken kann ich es ihr nicht. 

 

Hier geht es zu einem weiteren Teil der Kolumne "Aber glaub doch was du willst".