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Politik&Aktion Shitstorm
Wenn die Flut der Kommentare den Arbeitsalltag überströmt

22 Dec 2020

Eine nicht durchdachte Aussage, ein schnell veröffentlichter Beitrag, ein sarkastischer Text, oder auch einfach der falsche Zeitpunkt, können innerhalb kürzester Zeit zu einem Shitstorm führen. Welche Konsequenzen folgen daraus für Mitarbeiter*innen in Kommunikationsabteilungen?

Steven Hermanutz


seit 2017
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Die Pandemie löst verheerende Böen von Kommentaren in den sozialen Netzwerken aus. Ein rascher Blick in die Kanäle einer Behörde oder von Politiker*innen reicht aus, um zu erkennen, dass viele Menschen verunsichert, wütend oder auf der Suche nach Antworten sind. Viele Nutzer*innen versuchen daher ihr Anliegen über die sozialen Netzwerke zu äußern. Mehrheitlich fallen diese Äußerungen durch ihre negativen Inhalten auf. Fremde Personen, die sich privat nicht kennen, sammeln sich in den digitalen Plattformen und bestärken sich gegenseitig in ihrem Standpunkt.

 

Ein Shitstorm kann jeden treffen – jederzeit

Nicht nur außergewöhnliche Situationen wie eine Pandemie können zu einem Shitstorm führen. Oftmals reicht es aus, wenn eine nicht ausreichend durchdachte Aussage fällt, ein kritischer Inhalt veröffentlicht wird, ein Wort oder ein Text mit einer negativen Bedeutung behaftet ist, oder einfach ein ungünstiger Zeitpunkt zur Veröffentlichung von Inhalten gewählt wurde.

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Die unterschiedlichen Auslöser haben gemeinsam, dass die eintreffenden Kommentare von realen Personen empfangen, aufgenommen und bearbeitet werden müssen. Hinter den betroffenen Kanälen steht gerade in großen Unternehmen oder Einrichtungen eine betreuende Kommunikationsabteilung. Die Empfänger*innen des Shitstorms sind deshalb meist nicht die eigentlichen Verursachenden des Problems, sondern eine Abteilung, die als Mittler dient.

Wenn das Fass überläuft

 

Umfrage zu den größten Ängsten der Mitarbeiter von Pressestellen im Jahr 2014 | Bild: https://de.statista.com

Im Gespräch mit einer Social-Media-Managerin, die durch einen Shitstorm betroffen war, zeigte sich, welche Auswirkungen die Welle der Empörung auf den Arbeitsalltag, aber auch auf das persönliche Stimmungsbild hat.

Besonders belastend ist die Eigendynamik, welche durch die hohe Anzahl der Kommentare entsteht, auf die nicht geantwortet werden kann. Dieser Umstand wiederum verursacht auf der Seite der Kommentierenden zusätzlichen Frust, den sie erneut digital äußern. Auch durch öffentlich geführte Diskussionen wird dieses Arbeitspensum erhöht.

„Durch die hohe Zahl an Kommentaren, besteht das Gefühl, dass man nie ans Ende kommt. Das einzige Thema über den Arbeitsalltag ist der Shitstorm.“  – Interview mit einer betroffenen Social-Media-Managerin

In vielen Fällen muss das Kommunikationsteam selbst abwarten, bis eine entsprechende Information vorliegt oder Textvorlagen mit den Entscheidungsträger*innen oder den Fachabteilungen abgestimmt sind.

„Man steckt in der Mittlerposition. Man hat die Entscheidung nicht selbst getroffen und ist oftmals kein Experte in dem Bereich, den man kommuniziert.“ – Interview mit einer betroffenen Social-Media-Managerin

Die permanente Konfrontation mit Wut, Enttäuschung, aber auch Hass, wirkt sich auf das die eigene Stimmung und Gefühlslage aus. Auch wenn die Mitarbeiter*innen die Aussagen in einigen Punkten nachvollziehen können, sind sie in der Verpflichtung im Sinne des Unternehmens zu antworten. Dieselbe Vorgehensweise gilt natürlich auch, wenn die Betroffenen etwas absolut verwerflich finden.

Abgesehen von der persönlichen Meinung schlägt sich das negative Umfeld, das der Shitstorm mit sich treibt, auf den emotionalen Zustand aus. Das ständige Lesen und Beantworten von Kommentaren, die darauf abzielen eine negative Botschaft zu verbreiten, zerrt an den eigenen Kräften. Wenn der Shitstorm nicht zeitlich absehbar ist und die Intensität nicht abnimmt, bildet sich eine unüberwindbare mentale Barriere.

„Es fällt oft nicht leicht, die Punkte nicht auf sich selbst zu beziehen, wenn man den ganzen Tag Nachrichten erhält, die alles andere als nett formuliert sind.“ – Interview mit einer betroffenen Social-Media-Managerin

Das Arbeiten mit einer digitalen Community, welche eigentlich Spaß und Freude am Arbeitsplatz bringt, wird zur persönlichen Herausforderung, mit nachhaltigen Konsequenzen.

Die Grenzen zwischen dem beruflichen und privaten Alltag verschwimmen, denn negative Emotionen lassen sich nicht mit dem Ausstempeln ablegen. Außerdem kennen soziale Netzwerke keine Öffnungszeiten. Sie sind rund um die Uhr verfügbar. Und so endet der Tag mit dem Gedanken an den nächsten Morgen im Tornado der Kommentare. Der Sturm baut sich immer weiter auf und scheint kein abschätzbares Ende zu nehmen.

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