Eine Alternative zu Taxi und öffentlichen Verkehrsmitteln? | Bild: CleverShuttle

Innovation&Geld Ridepooling
Unbesorgt die letzte Bahn verpassen

Eine Alternative zu Taxi und öffentlichen Verkehrsmitteln? | Bild: CleverShuttle

30 Jan 2019

Stell dir vor, es war eine lange Nacht. Die U-Bahn fährt nicht mehr, also bestellst du dir ein Taxi. Ein Rudel aus Partylöwen mit demselben Schicksal hat dieselbe Idee, jeder besetzt ein einzelnes Fahrzeug. CleverShuttle will das ändern.

Seit Mai 2018 gibt es den Ride-Pooling-Fahrdienst in Stuttgart, der von sich selbst behauptet, „das grünste Shuttle der Welt“ zu bieten. Die Grundidee von CleverShuttle ist Ride-Pooling, was so viel bedeutet wie: Warum allein fahren, wenn ein Fahrzeug für dieselbe Strecke auch geteilt werden kann? Was Plattformen wie Blablacar seit Jahren für die Langstrecke sind, will das Unternehmen, dessen Mehrheitseigner die Deutsche Bahn ist, nun im Nahverkehr bewerkstelligen. Getreu dem Motto „Geteilter Preis ist halber Preis“ soll das nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch deutlich günstiger sein als ein Taxi und zwar unabhängig davon, ob die Fahrt tatsächlich geteilt wird.

Aus meinem Selbstversuch kann ich das bestätigen. CleverShuttle gibt zwar lediglich an, dass sich der Fahrpreis aus einem Grundpreis und einem kilometerabhängigen Faktor zusammensetzt, aus den tatsächlichen Fahrpreisen ergibt sich jedoch ungefähr ein Grundpreis von drei Euro und eine Kilometerpauschale von 70 Cent für eine Person. Das ist zwar nicht so günstig wie der öffentliche Nahverkehr, das Taxi ist aber mit einem Grundpreis von ebenfalls drei Euro, und einer dreimal so hohen Kilometerpauschale von mindestens 2,40 Euro deutlich teurer. Laut Aussage eines Fahrers werden momentan rund ein Drittel aller Fahrten geteilt. Das kann kritisch gesehen werden, denn das mag vielleicht durch den Antrieb umweltfreundlicher sein als ein herkömmliches Taxi, Verkehrsprobleme werden so aber nicht gelöst. Andererseits könnte das auch an der mangelnden Bekanntheit solcher Angebote liegen.

Warum Mitfahrangebote nutzen?

Privatfahrzeuge in Deutschland | Bild: Jan Merklinger | Quelle: Bundesverkehrsministerium, Umweltbundesamt

Die Buchung erfolgt per App

Wenn es zu einer geteilten Fahrt kommt, verspricht CleverShuttle im Normalfall nur einen Zwischenstopp und maximal 50 Prozent Umweg, sodass eine ursprünglich zehnminütige Fahrt maximal eine Viertelstunde dauert. Die Buchung des Fahrtdienstes erfolgt über die eigene App. Vor der Buchung gibt der Nutzer Start, Ziel und die Anzahl der Mitfahrer an, ein Algorithmus teilt den Preis für die Fahrt mit und schlägt anschließend einen Fahrer mit voraussichtlicher Warte- und Ankunftszeit vor. Bezahlt werden kann in Bar oder ebenfalls per App, auch Trinkgeld kann so vergeben werden. Während meines Selbstversuches musste ich einmal fünf, auf der Rückfahrt 15 Minuten auf die Fahrt warten. Die Fahrer waren freundlich und sind sehr angenehm gefahren, was zum Teil auch am Bonussystem liegen dürfte, mit dem die Fahrer unter anderem bei einer sicheren Fahrweise bis zu 1,50 Euro pro Stunde extra bekommen.

Auch die Stadt bietet einen ähnlichen Service an

Aktuell besteht die Flotte des Fahrdienstes in Stuttgart, der auch in München, Berlin, Hamburg, Dresden und Leipzig unterwegs ist, aus zehn Fahrzeugen vom Typ Toyota Mirai. Nicht bestückt mit herkömmlichen Benzin- oder Dieselmotoren, sondern Brennstoffzellenfahrzeuge, die Energie aus einer chemischen Reaktion zwischen Wasser- und Sauerstoff gewinnen. Das einzige, was diese Autos ausstoßen, ist Wasser. Getankt wird der Wasserstoff an öffentlichen Tankstellen, die es beispielsweise am Flughafen und in Fellbach gibt.

Die Stadt bietet seit Juni 2018 mit „SSB Flex“ einen ähnlichen Service an, der in der Innenstadt von Donnerstag bis Samstag von 21 bis zwei Uhr unterwegs ist. SSB Flex setzt ebenfalls auf Ride-Pooling und verspricht, sogar noch günstiger zu sein als CleverShuttle. Die ungefähr 2,4 Kilometer lange Strecke vom Degerlocher Bahnhof zur Waldau kostet laut der Website beispielsweise regulär etwa drei Euro, mit einem gültigen Fahrausweis wie dem Studi-Ticket sogar nur zwei Euro. Allerdings setzt das Angebot in Kooperation mit moovel, einem Daimler-Tochterunternehmen, nur teilweise auf Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuge. Zu den Ridepooling-Anbietern teilt die Stadt per E-Mail mit, dass die Auswirkungen auf den Verkehr beobachtet werden und Angebote mit Ride-Pooling vor allem in Randzonen und zu Randzeiten eine wichtige und wirksame Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sein könnten. Jedoch werde nicht nur die Erprobung neuer Angebote unterstützt, sondern auch beispielsweise E-Taxis mit bis zu 17.000 Euro pro Fahrzeug gefördert.

Während CleverShuttle zur Zeit von Montag bis Donnerstag täglich nur zwischen 18 und ein Uhr unterwegs ist, Freitags und Samstags sogar bis vier Uhr, sind ab April auch Tagfahrten geplant. Spätestens dann dürfte sich der Dienst, insbesondere aufgrund des Preises, zu einer ernsthaften umweltfreundlichen Taxi-Alternative entwickeln.