Der Schlüsselblumen-Würfelfalter gilt als stark bedroht.

Data Insektensterben
Schmetterling, flieg

Der Schlüsselblumen-Würfelfalter gilt als stark bedroht.

20 Feb 2019

Auf den Wiesen und Feldern fliegen sie umher – einige in ihrer vollen Farbenpracht, andere verschwinden unauffällig im Blumenmeer. Schmetterlinge sind schön anzusehen. Doch von Jahr zu Jahr verschwinden immer mehr der flatternden Wesen. Das ist nicht nur schade, sondern hat fatale Folgen für das Ökosystem.

Unbemerkt vor der eigenen Haustür sterben sie langsam aus. Ganz still und ohne, dass wir es bemerken. Das Insektensterben in Europa schreitet immer weiter voran. Am meisten betroffen sind davon Schmetterlinge, Käfer und Hautflügler wie Wespen und Ameisen. Während wir uns an den Frühling in unserer Kindheit mit den vielen verschiedenfarbigen Schmetterlingen erinnern, suchen wir heute vergeblich danach. „Zwischen 1990 und 2011 brach die Population von 17 in der EU verbreiteten Schmetterlingsarten um rund die Hälfte ein", heißt es in einem Bericht von der Europäischen Umweltagentur im Jahr 2013.

Der Schmetterling hat eine ganz besondere Stellung in unserem Ökosystem. Er hat eine Art Indikatorfunktion für die Biodiversität und die Gesundheit des kompletten Ökosystems. Ist ein Rückgang der Schmetterlingsarten zu beobachten, können Wissenschaftler darauf schließen, dass auch andere Insektenarten vom Aussterben bedroht sind. In ganz Europa wird es für die Schmetterlinge immer schwieriger einen geeigneten Lebensraum zu finden. Die Habitatqualität nimmt immer weiter ab, was daran liegt, dass die Landwirtschaft in einem hohen industriellen Maßstab betrieben wird und Felder bebaut werden. Die Schmetterlinge schaffen es nicht über die zerstörten Landschaften hinwegzufliegen um sich neue Lebensräume zu suchen. 

In Europa gibt es ca. 484 Arten von Schmetterlingen, in Deutschland sind ca. 185 verschiedene Arten vertreten. In fast allen EU-Ländern sind in den vergangenen 20 Jahren Schmetterlinge ausgestorben und immer mehr Arten sind bedroht.

Schmetterlinge haben, was vielen nicht klar ist, einen großen Nutzen für die Natur. Da sie zur Gruppe der Insekten gehören, sind sie deshalb mitverantwortlich für ein funktionierendes Ökosystem. Nicht nur Bienen und Käfer, sondern auch Schmetterlinge sind für die Blütenbestäubung verantwortlich. Sie saugen den Nektar aus den Blüten der Pflanzen und tragen so den Blütenstaub von einer Blume zur nächsten. Das sorgt dafür, dass immer wieder neue Pflanzen nachwachsen.

Fatale Folgen

Ungefähr 80% der Pflanzen in der Natur sind auf die Bestäubung von Insekten und damit auch Schmetterlingen angewiesen. Sterben die bedrohten Schmetterlingsarten aus und nimmt die Zahl der bedrohten Arten weiter zu, hat das fatale Folgen für unser Ökosystem. Denn weniger Schmetterlinge und Insekten bedeutet auch, dass weniger Blumen und Pflanzen bestäubt werden, was dazu führt, dass die biologische Vielfalt abnimmt und nach und nach mehr Organismen sterben. Der Kreislauf des Ökosystems würde dadurch unterbrochen werden, was sich auch auf den Menschen auswirken würde und wir nur noch wenige Jahre zu leben hätten. Albert Einstein sagte einmal, „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen“. Das kann man, laut Dr. Reinart Feldmann vom Projekt „Tagfalter-Monitoring Deutschland“, auch auf die Schmetterlinge und weiterführend auf alle Insekten übertragen. Das Ökosystem ist also abhängig von allen dazugehörigen Lebewesen.

Wird in den nächsten Jahren nichts gegen das Insektensterben unternommen, gibt es in absehbarer Zeit keine Schmetterlinge mehr. Zu den Hauptgründen für das Schmetterlingssterben gehört die Verwendung von Düngemittel und Chemikalien in der Landwirtschaft und allgemein die Ausbreitung der industriellen Landwirtschaft, wodurch Lebensraum zerstört wird. Zwar gibt es kein repräsentatives Datenmaterial, welches den Rückgang der Schmetterlinge von Jahr zu Jahr zeigt, jedoch gibt es immer wieder einzelne Studienergebnisse in den Bundesländern Deutschlands, die ernst zu nehmen sind. Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2017 zeigt, dass sich in den letzten 25 Jahren die Zahl der Schmetterlinge halbiert hat und jede fünfte Art ganz ausgestorben ist. Des weiteren stellt der International Union for Conservation of Nature (IUCN) immer häufiger die Bedrohung von Schmetterlingsarten fest.

In 9 Punkten zur Arterhaltung

Naturschützern und Wissenschaftlern ist schon lange klar: so kann es nicht weitergehen. In Forschungen und Studien hat ein Team aus Wissenschenschaftlern Maßnahmen aufgeschrieben, die getroffen werden müssen, um das Schmetterlings- bzw. Insektensterben aufhalten zu können. Dabei bauen die einzelnen Maßnahmen aufeinander auf und bedingen sich gegenseitig. Ziel ist es, mit diesem Plan die Politik aufzuklären und Bürger zum Handeln aufzufordern.

Der 9-Punkte-Plan der am 18. Oktober 2018 in Stuttgart von WissenschaftlerInnen veröffentlicht wurde:

1. Einschränkung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft
2. Extensivierung der Landwirtschaft
3. Erhöhung der Artenvielfalt des Grünlands
4. Pflege von Naturschutzgebieten
5. Mehr Natur im öffentlichen Raum
6. Gegen Lichtverschmutzung angehen
7. Forschungs‐ und Bildungsoffensive
8. Förderung von Wildbestäubern
9. Öffentlichkeitsarbeit

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) e.V. Regionaverband Südlicher Oberrhein

Der Plan steht und nun muss seitens der Regierung etwas getan werden. Auch der einzelne Bürger kann dem Insektensterben entgegenwirken, indem er zum Beispiel Blumen im Garten pflanzt oder Organisationen unterstützt, die sich für die Arterhaltung einsetzen. Handeln für die Insekten, für das Ökosystem und uns. Damit es auch unsere Nachkommen in den Wiesen im Frühling noch brummen und summen hören und die Farbenvielfalt der Schmetterlinge zu Gesicht bekommen.