Verstecken kommt für Hanna nicht in Frage. | Bild: Hanna Bohnekamp

edit.Challenge Hautkrankheit
Pille ade - Job passé?

Verstecken kommt für Hanna nicht in Frage. | Bild: Hanna Bohnekamp

11 Dec 2019

Internationale Laufstege, Fotoshootings mit bekannten Fotografen, dazu eine makellose Haut: Das war das Leben der ehemaligen Germany's Next Topmodel- Finalistin Hanna Bohnekamp. Heute hat sie durch das Absetzen der Pille starke Akne. Kann sie mit dem Modeln überhaupt noch ihren Lebensunterhalt bestreiten?

 

Lena Kempa


seit

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Marleen Hesse

Medienwirtschaft
seit Sommersemester 2018

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 „Unreine Haut ist ein No-Go. Wenige Leberflecke lassen sich noch in Photoshop beheben, aber ansonsten geht das schon technisch bei Fotoshootings nicht. Wenn 20 Motive retuschiert werden müssen, kostet das mehr als die Fotografenarbeit. Bei Film kann man noch weniger retuschieren. Außerdem gibt es zu viele andere Models, die der Kunde nehmen könnte“, so eine Stuttgarter Model-Agentur.

Trotz des großen Gegenwinds aus der Branche, sehen Hannas Erfahrungen teilweise anders aus.

Antibabypille oder doch Schönheitspräparat?

In unserer Gesellschaft wird die Pille fast als selbstverständlich angesehen, denn zahlreiche Frauen nehmen sie täglich ein. Doch dass dieses so kleine und harmlos anmutende Medikament mit seiner hormonellen Wirkung nicht einfach als „Beautyhelferchen“ konsumiert werden sollte, sondern einen enormen Einfluss auf den gesamten Körper hat, darf nicht unterschätzt werden.

Denn die Pille, die von den meisten Frauen eingenommen wird, ist eine Kombination aus Östrogen- und Gestagen-Hormonen. Der Östrogenanteil sorgt dafür, dass weniger körpereigenes Testosteron aufgebaut wird und somit auch weniger Hautprobleme wie zum Beispiel Akne auftreten. „Deswegen nehmen einige Frauen auch die Pille, obwohl sie eigentlich gar nicht verhüten müssten“, so die Expertin Frau Dr. Beate Scharfenstein. Jede Verhütungsmethode hat Einfluss auf den Körper und birgt Vor- und Nachteile. Eine professionelle Verhütungs-Beratung, zum Beispiel bei ProFamilia, kann bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Nice to know - die Pille

Östrogen und Gestagen wirken an verschiedenen Stellen und greifen in den hormonellen Kreislauf ein. Dadurch wird der Eisprung gehemmt, es baut sich weniger Schleimhaut in der Gebärmutter auf und im Bereich des Muttermundes wird der Schleimpfropf etwas fester und lässt Samenzellen schlechter durch.
 

Nachteile

  • Erhöhtes Thromboserisiko, damit auch erhöhtes Risiko für Embolie
  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräne
  • Mögliche Auswirkungen auf die Psyche (depressive Stimmungen) 

Vorteile

  • Sehr sichere Verhütung
  • Leichte Monatsblutung
  • Positiver Einfluss auf die Haut

Von Brustschmerzen zu Akne

Hanna musste sich erst einmal an ihr neues Spiegelbild gewöhnen. Gar nicht so leicht, wenn das Hautbild mit 26 Jahren auf einmal aussieht wie das von so manchem pubertierenden Teenager. Als Hanna 14 Jahre alt war, begann sie mit der täglichen Einnahme der Pille - der erste Freund und auch ihre eher unreine Haut waren die Gründe dafür. Und für ganze zwölf Jahre war das kleine Medikament ihr morgendlicher Begleiter. Die rund 3000 Tabletten und die darin enthaltenen Hormone veränderten natürlich etwas in ihrem Körper, vor allem die unreine Haut entwickelte sich zum Positiven.  Jedoch hatte Hanna während der Pilleneinnahme sehr oft mit Brustschmerzen zu kämpfen. Dies kann bei jungen Frauen während der Pubertät gelegentlich vorkommen, sollte allerdings nicht die Regel sein. Wenn man nämlich mehr Tage mit Brustschmerzen hat, als schmerzfreie Tage, dann sollten die Alarmglocken klingeln. „Mit 25 habe ich so gedacht, hm meine Pubertät müsste eigentlich mal vorbei sein.“ Durch diese Erkenntnis und das Auseinandersetzen mit dem Medikament an sich, wurde Hanna bewusst, dass diese Tablette ihrem Körper mehr schadet, als dass sie ihr gut tut und setze sie schließlich ab. Damit nahm sie auch in Kauf, sie rechnete sogar damit, dass ihr Hautbild wieder schlechter werden wird.

Ihre Haut wurde tatsächlich schlechter - so schlimm wie nie zuvor. Sie bekam starke Akne.

Es fängt im Kopf an

Nur ihrer positiven Einstellung hat Hanna es wohl zu verdanken, dass sie so bemerkenswert stark mit ihrem Hautproblem umgeht. Mit dem Absetzen hat sich auch ihr gesamtes Lebensgefühl verändert. Es war eine Art Last, die ihr davor nie so wirklich bewusst war und nun von Hanna abfiel. Sie merkte plötzlich wieder wie es war, selbst zu funktionieren. Ihr Hautbild wandelte sich zum Negativen, aber ihre Brustschmerzen waren weg, ihre Stimmung wurde besser, sie sah die Dinge entspannter. Dabei wusste Hanna zuvor gar nicht, dass sie überhaupt unter Stimmungsschwankungen gelitten hat.

Diese innerliche Stärke war auch ihr Schutzschild für die Blicke von außen. Mit der eigenen Familie und dem Freundeskreis kann man noch eher über solche Veränderungen reden, aber die Gesellschaft macht sich ihr eigenes Bild.

Auf der Straße von fremden Menschen angestarrt zu werden, war eine weitere Begleiterscheinung des Absetzens. Flucht und Verstecken, das Haus nicht mehr zu verlassen, das scheinen die natürlichen Reaktionen zu sein. Doch Hanna überwand diesen Instinkt schnell und sie nimmt diese Blicke jetzt überhaupt nicht mehr wahr, denn ihr geht es ohne die Hormone besser.

„Das war ein Prozess und der ist mir zum Glück gelungen. Aber auch nur durch bewusste Entscheidungen, weil ich gemerkt habe, wie sehr ich mich habe einsperren lassen.“ – Hanna Bohnekamp

„Das bin nicht ich!“

Für Hanna war ihr neues Leben erst einmal eine große Herausforderung. Doch sie lässt sich nicht über ihre Haut definieren, denn das ist nicht sie, sondern eben nur ihr äußerliches Erscheinungsbild. Auch wenn sie nun deutlich weniger als Model gebucht wird und deshalb ihren Lebensunterhalt damit alleine nicht mehr bestreiten kann, bereut sie das Absetzen der Pille keineswegs.

Das Stichwort „Diversität“ ist in unserer Gesellschaft mittlerweile schon weit verbreitet. Es gibt schon lange nicht mehr nur ein typisches Schönheitsideal. Auch in der Modewelt sieht man Models mit unterschiedlichen Körperformen oder Hautmakeln. Aber Akne ist nach wie vor unerwünscht. „Weil das bitte was ist, was du in den Griff kriegen sollst. Diese Krankheit ist heilbar und deswegen mach was dagegen“, so Mitarbeiter in der Model-Branche zu Hanna.

Was aber wenn ihre Akne nie mehr weggeht?

Hanna versucht den Zustand ihres Hautbildes zu verbessern. Sie ist in kosmetischer Behandlung und versucht ihrer Haut einfach die Zeit und den Raum zu geben, um sich selbst wieder zu regulieren. Denn zu einem Arzt zu gehen und womöglich erneut auf Hormone zurückgreifen zu müssen, wenn auch in Form einer Salbe, das kommt für sie nicht in Frage.

Und zurück zur Pille? 

Das Absetzen der Pille hat einiges in Hannas Leben verändert, größtenteils zum Positiven. Aber auch die Schattenseite, das „Ausrasten“ ihrer Haut, nutzt Hanna, um anderen Mut zu machen. Als Model kann sie nun nicht mehr so arbeiten wie früher, doch besonders im Austausch mit ihrer Instagram-Community versucht Hanna andere zu inspirieren, was ihr hervorragend gelingt.