Kultur&Gesellschaft

Tradition&Tierleid
Memminger Fischertag – noch zeitgemäß?

Jährlich sterben viele Fische, für die bayrische Tradition des Memminger Fischertages. | Bild: Lukas Kilper

Tradition&Tierleid Memminger Fischertag – noch zeitgemäß?

Jährlich sterben viele Fische, für die bayrische Tradition des Memminger Fischertages. | Bild: Lukas Kilper
 

01 Dec 2022

Freude und Leid sind am Fischerfest nah beieinander. Während die Tradition für die einen eine große Bedeutung hat, wollen andere sie verändern. Doch warum ist der Memminger Fischertag so umstritten?

Chiara Breuninger

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2022

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Lukas Kilper

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Acht Uhr morgens ­­­­– der Startschuss hallt durch die Menschenmenge, die sich am Memminger Stadtbach versammelt hat. Kurz darauf springen Männer mit Käschern in den Bach. Unter lauten Anfeuerungsrufen wird eine Forelle nach der anderen aus der Memminger Ach gefischt. Jeder Fischer möchte die größte und schwerste Forelle des Tages fangen. Das Ziel: Die Krönung zum Fischerkönig. Seit dem Jahr 1495 werden regelmäßig Forellen aus dem Bach gefischt. Knapp 400 Jahre später entwickelte sich die Säuberung des Baches zu einem jährlich stattfindenden Volksfest.

Vom nützlichen Zweck zur Unterhaltung

Im Mittelalter waren an der Ach, Gerbereien und Schlachthöfe angesiedelt. Wie früher üblich wurden Abfälle, Ausscheidungen und diverse andere Reste in den Bach geleert. Die Gesellen der ansässigen Unternehmen durften ab dem 16. Jahrhundert regelmäßig in die Ach steigen und ihn ausfischen. Somit konnte das Wasser abgelassen, der Grund gereinigt und die Brücke der Stadt saniert werden. Viele weitere Jahre wurde die Ach so von Abfällen befreit. Inzwischen bedarf es dieser Reinigung nicht mehr, doch trotzdem wird das Ausfischen jährlich wiederholt. Im Sommer lädt der Verein des Memminger Fischertags zu einem großen Festwochenende ein. Dort feiern, fischen und essen die vielen tausenden Besucher*innen.

Kritik am Memminger Fischertag

Die Tierschutzorganisation PETA kritisiert schon seit vielen Jahren den Memminger Fischertag. „Für uns als Tierrechtsorganisation ist der Memminger Fischertag auf jeden Fall eine riesengroße Tierquälerei“, kritisiert Biologin Tanja Breining. Die Biologin ist seit einigen Jahren Expertin für Wassertiere bei PETA. Am Fischertag würden die Tiere großen Stress empfinden, während sie gefangen, in Eimern aufbewahrt und schlussendlich in den Tötungszelten getötet werden. PETA selbst verklagte die Stadt Memmingen 2021 aufgrund der Verletzung des Tierschutzgesetzes. Trotz Klage haben die Behörden bisher nichts verändert. Laut Tanja Breining „Gehört der Memminger Fischertag genauso in die Geschichtsbücher verbannt wie der Stierkampf“. Denn auch bei der spanischen Stierkampf Tradition kommt es zu Verletzungen der Tiere und auch die Stiere leiden dort unter dem großen Stress.

„Für uns als Tierschutzorganisation ist der Memminger Fischertag auf jeden Fall eine riesengroße Tierquälerei“ – Biologin Tanja Breining von PETA

Erste Veränderungen wurden durchgesetzt

Ursprünglich durften am Memminger Fischertag nur Männer teilnehmen. Seit 2022 haben nun auch Frauen die Möglichkeit. Nach der Klage einer Memminger Bürgerin, entschied das Memminger Landgericht zugunsten der Frauen und setzten eine Teilnahmeerlaubnis durch. Das ist eine erste große Veränderung an der altertümlichen Tradition.

Welche Veränderungen PETA noch bemerkt, ob der Memminger Fischertag heute noch existieren kann und was für Alternativen es gibt, erfahrt ihr in der neuen Podcastfolge von „Frag’ mal edit.?“ auf Soundcloud.

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Zwischen Tradition und Tierleid – Sind solche Traditionen noch zeitgemäß?" Zu diesem Dossier gehört auch der Artikel Hochzeitstauben – zwischen Liebe und Leid.