K-Pop 4 Minuten

Kultur verkaufen für Klicks – Das ist BTS!

Eine Collage, die verschiedene BTS Alben von früher und heute zeigt.
Weniger Persönlichkeit, mehr Marktstrategie. Ist es jetzt Ziel BTS-Alben austauschbar zu machen? | Quelle: Justine Schäfer
21. Mai 2026

Über drei Jahre Pause. Nahezu kein Lebenszeichen und jetzt die Erlösung. BTS ist back! Das hört sich doch super an, könnte man meinen. Aber entgegengesetzt zum Rekord-Song lief hier nicht alles so smooth wie „Butter“. 

„Disappointing“, „Worst album“, „K-Pop is flopping“ – okay, Dramaqueen? In die Kommentarsektionen von Social Media zu stolpern, war nicht meine beste Idee. Mit dem Gedanken, Gleichgesinnte zu finden, lag ich da schon mal falsch. Zugegeben kann ich mit diesen Meinungsfetzen nicht übereinstimmen. Aber ich möchte wissen, was andere K-Pop-Fans zum neuen BTS-Album „Arirang“ denken. Um gute Musik geht es auf Social Media größtenteils nicht. Eher um Kritik und den Verlust dessen, was K-Pop nicht mehr zu sein scheint – etwas Besonderes. Ich atme einmal tief durch. Diese ganzen Kommentare zu verarbeiten ist schwer, wenn in meinem Kopf die ganze Zeit „They don’t know ‘bout us, they don’t know ‘bout us“ trällert.

Aber woher kommt diese kritische Einstellung? Es scheint so, als würden BTS und ihre Musik nur noch als Produkt gesehen werden, das auf jedem Weg vermarktet werden muss. Die Besonderheit von BTS, unverkennbare Musik auf Koreanisch zu schreiben, ist verloren gegangen. Jetzt sind sie globale Megastars, die verkennbare Musik auf Englisch im Co-Writer-Modus schreiben lassen. Doch ist das jetzt wirklich etwas Neues? Hat man sich nicht schon vor Jahren am Radioeinheitsbrei – mit „Dynamite“, „Butter“ und „My Universe“ – beteiligt? Genau damit haben sie die Tür zum globalen Markt geöffnet.

Vom K-Pop-Act zum Weltphänomen

BTS hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Musikgruppen weltweit entwickelt. 

  • 2017 Kampagne gegen Gewalt mit UNICEF
  • 2018,-20,-21 Ansprache vor der UN
  • 2021 Diplomatenpass vom koreanischen Präsidenten bekommen
  • 2022 Rede im Weißen Haus gegen antiasiatischen Hass
  • 2022 Aufnahme in Guinness World Record Hall of Fame mit 23 Rekorden 
  • über 900 Auszeichnungen in der Musikbranche

Das sind nur einige Erfolge, die die koreanische Boygroup verzeichnen kann.

Für mich ist es ein Rätsel, warum es ein Verlust sein sollte, wenn Musik Grenzen überschreitet. In meinen Augen serviert Kommerzialisierung genau das. Natürlich heißt das, man orientiert sich am Markt und am Profit – und wahrscheinlich nicht daran, was die Künstler wollen. Finde ich das gut? „Nein.“ Finde ich das schlecht? „Nein.“ Klar, es ist immer schöner, wenn jeder das machen kann, was er möchte, aber in der Realität funktioniert das nicht. Das heißt aber auch nicht, dass BTS sich in der Geldgier verloren hat, nur weil mehr Musik auf Englisch ist. Es stellt sich eher die Frage: „Was wäre der richtige Weg, mit so einer großen Reichweite umzugehen?“ Dass man möglichst viele Menschen ansprechen möchte, ist ja verständlich.

Und angesprochen haben sie definitiv viele. Nicht umsonst heißt es: „BTS paved the way.“ Das haben nicht nur Fans, sondern auch andere K-Pop-Artists verankert. Eine internationale Fanbase, Welttourneen und Streamingerfolge sind keine Ausnahme mehr, sondern oft das Standardpaket. Vor allem Gruppen, die auch außerhalb der K-Pop-Norm agieren – wie Stray Kids, mit oft sehr unkonventioneller und lauter Musik oder CORTIS und Katseye, die gar aus dem klassischen K-Pop-Image rausfallen – profitieren sehr stark von diesem Wandel. Warum also sollten alle diese Möglichkeit der Veränderung nutzen, nur BTS selbst nicht?

Eventuell hat BTS auch mal die FESTSTELLTASTE LOSGELASSEN und sich ausprobiert? Ich glaube, nur Intelligenzallergiker würden mir widersprechen, wenn ich sage: „Veränderung ist enorm wichtig für jeden.“ Wer da anderer Meinung ist, denkt wahrscheinlich auch noch: „Frauen gehören in die Küche.“ BTS sind nicht mehr die Teenager mit bunten Haaren, zu engen Hosen und Bandanas. Trotzdem haben sie immer noch einen unverkennbaren Wiedererkennungswert. Meine Meinung.

Es scheint als müsste man englisch singen, wenn man Kohle machen will. Die bekanntesten BTS-Hits haben einen großen Englisch-Anteil. | Quelle: Kworb.net, basierend auf Spotify-Daten; Stand: 08.05.2026; Grafik: Justine Schäfer, erstellt mit Flourish

Haben Fans dann überhaupt die Berechtigung, die Kommerzialisierung zu kritisieren? Definitiv. Ich finde den Leistungsdruck, der psychische Belastungen mit sich bringen kann und die kritischen Arbeitsbedingungen auch furchtbar. Aber zugleich sind wir auch diejenigen, die dieses System finanzieren. Die ganzen Promo-Aktionen, Live-Events, Album-Versionen, Merchandise und Tourneen. All das gibt es, weil wir es kaufen und somit befeuern. 

Ich liebe das neue Album und sehe einige Dinge nicht so kritisch. Also schließe ich lieber die ganzen Hirnabtreiber-Apps und schaue auf das, was wirklich wichtig ist! Meine Sparkassen-App, die mir 300 Euro abgebucht hat für BTS-Tickets – und das ist tatsächlich kein Witz. „Danke Kommerzialisierung.“

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