Kim hat bereits Erfahrungen mit den negativen Seiten von Social Media gemacht. | Bild: Eva Thiel

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Kim hat bereits Erfahrungen mit den negativen Seiten von Social Media gemacht. | Bild: Eva Thiel

12 Dec 2019

Wöchentlich 35 Stunden arbeiten und nichts damit verdienen. So geht es Youtuberin und Bloggerin Kim, alias BUMOKA. Sie spricht auf ihren Kanälen vor allem über das Thema Nachhaltigkeit und ist laut eigener Aussage „unanstrengende Veganerin“. Doch was motiviert die 20-jährige Studentin, am Ball zu bleiben? 

Du machst das jetzt schon seit zwei Jahren? Hast du schon mal überlegt aufzugeben? 
Komplett aufzugeben nicht. Aber ich habe überlegt, eine Pause zu machen, in der ich nicht auf Social Media aktiv bin, keine Videos produziere und nicht blogge, um einfach mal runterzukommen und vielleicht ein bisschen Abstand zu gewinnen. Ich war vor einem halben Jahr in einem negativen Rad gefangen. Ich habe mich zu sehr mit anderen verglichen und mich nur noch gefragt, wie ich meinen Kanal schneller voranbringen kann. In dieser Zeit habe ich mich viel mit Freunden und Familie, gerade meiner Mutter, unterhalten. Die haben mir nochmal klargemacht, dass ich erst 20 Jahre alt bin und den Stress rausnehmen kann. Das hat mir geholfen, die Kurve zu kriegen. Mittlerweile ist meine Leidenschaft mein Antrieb. Das ist für mich wie eine kleine Sucht.

Trotzdem bekommen andere Menschen Geld für die gleiche Arbeit. Macht dich das nicht wütend?
Nein, wütend nicht. Ich habe schon von Anfang an beobachtet, dass in der Branche leider viel Neid und viele schlechte Vibes herrschen. Daher habe ich mir vorgenommen, dass ich da nicht mit reinrutschen und lieber das Gute sehen will. Ich bin überhaupt nicht neidisch, dass andere damit Geld verdienen. Ich freue mich für sie und sehe sie als Vorbild und Antrieb. 

Kim ist 20 Jahre alt und wohnt in Frankfurt, studiert Onlinejournalismus an der Hochschule Darmstadt und hat seit 2018 einen Youtube Kanal. Angefangen hat alles mit ihrem Blog, den sie nach dem Abitur 2017 gestartet hat. Auf ihren Kanälen beschäftigt sie sich hauptsächlich mit dem Thema Nachhaltigkeit und legt den Fokus auf Fashion. Außerdem arbeitet sie als Content Managerin in der Kreativagentur „esistfreitag". 

Ab 1000 Klicks verdient man laut anderen Youtubern ein bis zwei Euro mit einem Video, nicht mal. Gerade hast du etwa 300 bis 1000 Klicks auf ein Video. Ist es dir egal wie lang es dauert, bis du damit Geld verdienst?
Ich studiere jetzt noch bis Frühjahr 2021 und das sehe ich als meine Pufferzeit an, in der ich den jetzigen Zustand nicht verändern möchte. Danach habe ich einen Abschluss als Online Journalistin und werde mich dann von da aus weiter orientieren. 

Könntest du dir also vorstellen, dass BUMOKA mal dein Vollzeitjob wird?
Eigentlich schon, ja. Meine Eltern sind beide Unternehmer und ich kenne das dadurch schon von klein auf. Ich bin sehr interessiert daran, mein eigenes Unternehmen zu führen und mein eigener Chef zu sein. Zu meiner Persönlichkeit passt das auch ganz gut. Ich bin zwar ein Teamplayer, kann gut mit anderen Menschen zusammenarbeiten, aber auf Dauer das unterste Glied einer Hierarchie zu sein, das wäre nichts für mich.

§ Bürokratie für Influencer: 

Um überhaupt legal Geld mit Social Media zu verdienen, muss man in Deutschland ein Gewerbe anmelden oder zumindest einen Gewerbeschein haben. Bekommt man dann Produkte von Marken zugeschickt, muss man sie, laut Einkommenssteuergesetz, als Einnahme verbuchen und auf diese Steuern zahlen. Gerade für kleine Influencer, die noch kein Geld verdienen, ist das ein Problem. Sie verdienen noch nichts, müssen aber Steuern zahlen. Das gilt übrigens auch für Dinge, die man ungefragt zugeschickt bekommt und nicht zurücksendet. Kim finanziert ihr Studium durch die Arbeit in der Kreativagentur und wird zusätzlich von ihren Eltern unterstützt.

Würdest du lieber einen Beitrag machen, der dir gefällt oder der viele Klicks generiert?
Ich achte überhaupt nicht auf Klicks. Das beste Beispiel ist YouTube. Da mache ich nur Videos, auf die ich Lust habe. Ich habe mal ein Frage-Antwort-Video über meinen Studiengang gemacht. Hier war es mir nicht wichtig, wie viele Leute das Video sehen, ich hatte einfach Lust, das Video zu machen. Am Ende ist genau dieses eins meiner meist geklickten Videos geworden. Ich glaube, das zeigt ganz gut, dass ich nicht auf Likes oder Klicks achte – zumindest noch nicht. Vielleicht ändert sich das später, wenn meine Existenz davon abhängt. Gerade will ich da aber auch noch frei sein, damit ich nicht wieder in dieses negative Rad reinkomme. 

Den Namen BUMOKA hat sie schon mit elf Jahren als Synonym für ein Nintendo Spiel benutzt. | Bild: Kim Ruppert
Kim organisiert regelmäßig einen Second Hand Markt in Frankfurt. | Bild: Kim Ruppert
Organisation ist bei ihrem Workload das Wichtigste. | Bild: Kim Ruppert

Content zum Thema Nachhaltigkeit liegt voll im Trend. Auf einmal sieht man zum Beispiel große Technik- und Comedy-Youtuber, die auf den Zug aufspringen. Findest du das gut?
Natürlich ist das super, wenn das Thema Nachhaltigkeit salonfähiger wird und sich weiter verbreitet. Aber bei großen Youtubern, die wirklich viel Geld verdienen, sehe ich das etwas kritisch. Denn bei ihnen geht es oft leider nur um Profit. Da kann man mittlerweile schon von Greenwashing sprechen. Das heißt,  sie haben sich vorher auf ihrem Account nie großartig mit Nachhaltigkeit beschäftigt, stellen dann fest, dass man damit heutzutage potentiell viele Klicks bekommt und nutzen das für sich. Das ist der falsche Weg. Sie nehmen dem Thema die Ernsthaftigkeit.

Und wie setzt man sich da durch? 
Ich glaube, dass einem die eigene Community irgendwann anmerkt, wenn man nicht authentisch ist. Mühe und Liebe in die Projekte zu stecken ist super wichtig, um die eigene Authentizität zu wahren. Weil das bei großen Influencern manchmal verloren geht, greifen die Unternehmen nach und nach auf kleinere Content Creator zurück, auf die sie sich dann aber auch verlassen können.

Was möchtest du mit deinen Beiträgen bewirken?
Mir selbst ist sehr stark bewusst, wie schief das alles für uns Menschen gehen kann, wenn wir den Klimawandel nicht langsam ernst nehmen. Aber ich will meine Reichweite nicht nutzen, um Panik zu machen. Stattdessen möchte ich lieber zeigen, wie cool, stylisch und lecker ein nachhaltiger bewusster Lifestyle sein kann. Ohne zu behaupten, perfekt zu sein, möchte ich meine Community mitreißen und begeistern, für unseren Planeten zu kämpfen.