Jede Sekunde verschwinden etwa 700 Kilogramm Plastik im Meer. | Bild: Pixabay

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Kein Plastik Meer

Jede Sekunde verschwinden etwa 700 Kilogramm Plastik im Meer. | Bild: Pixabay

24 May 2018

Kunststoff: Facettenreich, langlebig. Aber in seiner Zusammensetzung kommt er auf unserem Planeten eigentlich nicht vor. Trotzdem ist Plastik überall, macht sich im globalen Stoffkreislauf bemerkbar und schadet den Menschen und der Natur nachhaltig.

Scheinbar unendliche Weiten. Der Horizont verschwimmt mit den sichtbaren Grenzen des Meeres. Alles wirkt friedlich und unberührt, im Einklang mit sich selbst. Doch es täuscht. Da ist etwas, das die Balance des Meeres stört. Wenn ich mich genauer umsehe, finde ich es überall: Plastik.

Eigentlich nichts Außergewöhnliches, denn es gibt kaum einen Bereich in unserem Leben, in dem dieser Kunststoff nicht zur Anwendung kommt. Allein Europa ist für ein Viertel des weltweiten Kunststoffverbrauchs verantwortlich. Frans Timmermans, Vizepräsident der Europäischen Kommission, gibt diesbezüglich zu bedenken:

„Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische.“ – Frans Timmermans, Vizepräsident der Europäischen Kommission, ec.europa.eu

Viele dieser Produkte werden nur ein einziges Mal verwendet, bevor sie im Müll landen – so auch Milliarden von Plastiktüten. Wiederverwertet wird anschließend nur ein Bruchteil dieser Alltagshelfer. Die Recyclingrate in Europa ist folglich niedrig. Ein Großteil landet im Meer, so auch die Plastiktüten, die vor mir angeschwemmt werden.

Der Plastikkreislauf | Bild: Jil Bender

Inga Ritter, ehrenamtliche Pressesprecherin von Greenpeace Stuttgart, kritisiert genau dieses „Einweg-Verhalten“. Sie fordert die Politiker auf, strenger gegen die Gefahr „Plastik“ vorzugehen und klare Verbote auszusprechen.

Europa und die Plastiktüten

Die Europäische Union hat die Gefahr der Einwegtüte erkannt und geht seit drei Jahren gegen die Plastikverschwendung vor. Gemäß der EU-Richtlinien können die Mitgliedstaaten die Beutel besteuern oder national verbieten. Somit wird vonseiten der EU weniger auf Verbote als vielmehr auf eine freiwillige Lösung und Selbstverpflichtung der Länder gesetzt. Trotzdem zeigt die Regelung Wirkung. So wurde der Verbrauch der Einwegplastiktüten in Deutschland im Jahr 2016 bereits um ein Drittel verringert. Damit ist allerdings nur ein kleiner Schritt getan, meint Inga Ritter. Angesetzt werden müsse nicht nur beim Verbrauch, sondern auch bei der Herstellung und der Wiederverwertung.

Nicht nur für den Menschen eine Gefahr

Das große Problem sieht sie vor allem in der Langlebigkeit des Plastiks. Das chemische Material zerbröselt zwar, bleibt aber in Form von Mikropartikeln übrig. Diese wirken wie ein Schwamm und nehmen zahlreiche Giftstoffe auf. Werden die Mikropartikel von Meerestieren gefressen, gliedern sie sich auf Ewigkeit in den Stoffkreislauf ein. Schlussendlich landen sie dann auf unserem Teller.

Kritisch zu sehen ist allerdings nicht nur die Gesundheitsgefährdung der Menschen, sondern auch die der Tiere. Plastik wird von Meerestieren zunehmend mit Nahrung verwechselt. Da sie den Kunststoff nicht verdauen können, verhungern sie mit vollem Magen. Jedes Jahr verlieren auf diese Weise 100.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel ihr Leben.

Inga Ritter fordert aus diesem Grund auch jeden Einzelnen auf, etwas für die Umwelt zu tun.

Ein kleiner Verzicht mit großer Wirkung

Aber was kann ich gegen die Plastiktüten tun, die hier am Strand von Italien, 1.000 Killometer entfernt von Stuttgart, angespült werden ?

Auf diese Frage suchte auch Jens-Peter Wedlich eine Antwort und nahm sich ihrer Lösung an. Der Inhaber und Gründer eines Einkaufsladen mit verpackungsfreien Produkten wurde nachdenklich, nachdem er im Golf von Pestana Plastik zwischen Walen und Delfinen schwimmen sah. 

Im Mai 2016 gründete er dann den Unverpackt-Laden „Schüttgut“ im Stuttgarter Westen. Hinter dem Ganzen steht die Philosophie der Wertschätzung gegenüber der Natur und den Tieren. Den Kunden wird ermöglicht im Sinne von „Zero-Waste“, also verpackungsfrei, einzukaufen. Die sorgfältig ausgewählten Podukte können in beliebigen Mengen in selbst mitgebrachte Behältnisse abgefüllt werden. Auf diese Weise werden große Mengen an Plastikverpackungsabfällen gespaart. 

Schüttgut bietet alle Produkte verpackungsfrei oder in wiederverwertbaren Behältnissen an. | Bild: Jil Bender
Neben Lebensmitteln sind hier auch allerlei Haushaltsprodukte zu finden. | Bild: Jil Bender
Selbst Shampoo kann ohne Plastikverpackung gekauft werden. | Bild: Jil Bender
Das Angebot reicht von Nudeln über Reis bis hin zu zahlreichen Samenarten. | Bild: Jil Bender
Jens-Peter Wedlich legt den Fokus in seinem Laden auf Wertschätzung. | Bild: Jil Bender
Frederike Bischoff, regelmäßige Kundin bei Schüttgut, vermeidet Plastik, um keine Rückstände in der Natur zu hinterlassen. | Bild: Jil Bender

Gemeinsam gegen die Verschwendung

Schüttgut bietet demnach eine einfache Möglichkeit, den eigenen Plastikkonsum einzuschränken. Natürlich unterscheiden sich die Lebensmittel preislich stark von herkömmlich verpackten Supermarktprodukten. Für das Studentenbudget ist diese Alterrnative auf Dauer also eher problematisch. Aber es gibt noch einige andere Möglichkeiten, um gegen die Plastikverschwendung im Alltag vorzugehen.

5 Dinge, die DU verändern kannst:

1. Loses Obst im Supermarkt wählen

2. Mehrweg- oder Stoffbeutel statt Einwegplastiktüten verwenden

3. Recycelte Produkte kaufen

4. Auf Strohhalme und Plastikgeschirr verzichten

5. Leitungswasser statt abgefülltes Wasser trinken

Mein Blick wird zurück an die sichtbaren Grenzen des Meers gezogen. Die mittlerweile untergehende Sonne glitzert auf dem scheinbar unberührten Ozean. Wieder wirkt alles perfekt, wieder wirkt das Meer wie in Balance. Wieder täuscht es mich.