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Ein Blick über die Schultern der Stadtzeichner. | Bild: Fabienne Keck

Archiv Urban Sketching
Jede Skizze ein Stück Stuttgart

Ein Blick über die Schultern der Stadtzeichner. | Bild: Fabienne Keck

11 Dec 2017

Einmal das Skizzenbuch gezückt, schon ist der Moment auf Papier festgehalten. Ob in der U-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit, im Café oder an der nächsten Straßenecke – Motive findet der Urban Sketcher immer und überall. Was dabei entsteht? Skizzen so bunt und vielfältig wie unsere Stadt selbst. 

Fabienne Keck

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2017
Public RelationsSocial MediaMusik

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Strich für Strich den Alltag auf Papier festhalten. Den Charme und Charakter des Augenblicks einfangen. Urban Sketching ist zum Trend geworden. Auch in Stuttgart trifft sich monatlich eine Künstlergruppe um Sehenswürdigkeiten wie Gebäude, Statuen oder Plätze zu zeichnen. Ob Profi, Hobbyzeichner oder Laie – bei den Stuttgarter Urban Sketcher (STUSK) kann jeder mitmachen. Eines haben dennoch alle gemeinsam: die Leidenschaft für Kunst und den Spaß am Zeichnen.

An jedem ersten Sonntag des Monats treffen sich die Stadtzeichner zu ihren sogenannten Sketchcrawls und ziehen los, um geeignete Motive zu finden. Knapp 25 Künstler waren beim letzten Treffen anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der globalen Sketcher-Bewegung dabei. Im Vordergrund steht beim Stadtzeichnen die Gemeinschaft. Die Künstler helfen und unterstützen sich gegenseitig, tauschen Tipps und Tricks aus und unterhalten sich über die neuesten Farben und Techniken. Drei Stunden und ein paar Zeichnungen später setzen sich die Urban Sketchers in einem naheliegenden Café zusammen. Sie reichen ihre Skizzenbücher herum, unterhalten sich über die Zeichnungen und lassen den Sketchcrawl gemütlich ausklingen.

„Nicht nur bei Sketcher-Treffen, sondern auch im Alltag versuchen wir überall und jederzeit zu zeichnen“, erzählt Urban Sketcher Uwe Barkmann. „Ich versuche immer und überall ein kleines Skizzenbuch dabei zu haben.“ Wenn sich eine Situation ergibt, wird diese festgehalten. Es gibt Urban Sketcher, die ihre spontanen Skizzen auch auf Servietten, Einkaufstüten oder Zeitungen festhalten. Genau diese Spontanität macht das Stadtzeichnen so besonders.

Aber nicht alle Zeichnungen der Stadt sind zwangsläufig Urban Sketching. Der Bewegung liegt ein Manifest zugrunde, an welches sich der Sketcher halten muss.

Klick dich durch das Manifest der Urban Sketcher!  
1. Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung.
2. Wir unterstützen einander und zeichnen zusammen. 
3. Wir zeichnen vor Ort, drinnen oder draußen, nach direkter Beobachtung.
4. Wir bezeugen unsere Umwelt wahrhaftig. 
5. Unsere Zeichnungen sind eine Aufzeichnung der Zeit und des Ortes. 
6. Wir benutzen alle Arten von Medien.
7. Wir veröffentlichen unsere Zeichnungen online. 
8. Unsere Zeichnungen erzählen die Geschichte unserer Umgebung.

 

Den Blick für die Welt schärfen

Ist erstmal ein gutes Motiv gefunden, wird alles andere sofort ausgeblendet. Man konzentriert sich nur noch auf das, was man aufs Papier bringen will. „Man sieht anders – und mir geht’s so, dass ich schon alles irgendwie analysiere, wie ich's umsetzen könnte“, sagt Uwe. Dabei halten die Urban Sketcher nicht nur bekannte Orte der Stadt fest, sondern zeichnen auch Motive, an denen man im Alltag einfach vorbeilaufen würde. So finden auch Supermärkte, Straßenschilder oder verlassene Gassen in die Skizzenbücher der Urban Sketcher. Man schärft seinen Blick für die Welt und findet eine Art, künstlerisch die Stadt zu entdecken. 

„Zeichnen fängt mit Sehen an“ – Uwe Barkmann

Durch das intensive Zeichnen, erklärt Uwe, schaue er bewusster hin und nehme mehr wahr als Bekannte, die nur in ihr Smartphone schauen und die Außenwelt ausblenden. So habe er gelernt, sich auf etwas einzulassen und geduldig dranzubleiben. „Zeichnen fängt mit Sehen an und ich denke, dass Zeichnen eine gute Schule des Sehens ist“, sagt Uwe.

Back to the roots

Smartphone zücken, Kamera-App öffnen und auf den Auslösen-Button drücken. Bei Snapchat oder Instagram jeden wissen lassen, wo man gerade ist und was man tut. Wenn die Internetverbindung gerade nicht mitmacht, dauert das schon ziemlich lang. Dieser schnelllebigen, digitalen Welt von heute will Urban Sketching ein Stück weit entgegenwirken. Es erscheint heutzutage fast altertümlich, sich mit Stift und Papier hinzusetzen und alles andere für einen kurzen Augenblick zu vergessen. Genau deshalb begann Uwe mit dem Urban Sketching. Als Ausgleich zu seinem stressigen Job, kann der Künstler aus seinem Alltag ausbrechen. „Ich empfinde es als herrlich entspannend, wenn ich irgendwo sitze und versuche mit wenigen Strichen irgendwas auf's Papier zu bringen“, erzählt der Bankkaufmann. In solchen Situationen passiere es auch häufig, dass er mit Leuten ins Gespräch komme, meint Uwe weiter. Er beschreibt das als „lustigen Nebeneffekt“, den man beim Fotografieren nicht unbedingt habe. Die Stadt pulsiert – die Urban Sketcher haben es auf Papier.

Das Skizzenbuch als ständiger Begleiter. | Zeichnung: Uwe Barkmann
Mit einem Aufkleber oder Stempel vor Ort wirkt die Skizze noch authentischer. | Zeichnung: Margarita Wagner
Treffpunkt Kiosk. | Zeichnung: Anna-Maria Gerlach
Mit wenigen Strichen viel erfassen. Alltag mit der Stadtbahn. | Zeichnung: Anna-Maria Gerlach
Automobilikonen auf Papier. | Zeichnung: Anna-Maria Gerlach
Abflug Stuttgart. Mit Stift und Papier am Flughafen. | Zeichnung: Anna-Maria Gerlach
Die Kunst skizziert. | Zeichnung: Anna-Maria Gerlach

Du hast Lust, deine Stadt zu zeichnen?

Das brauchst du zum Sketchen:

  • Skizzenbuch oder Zeichenblock
  • Bleistift, Kugelschreiber, Fineliner, Füller
  • Zum Kolorieren: Aquarellstifte, Aquarellfarben im praktischen Taschenformat                          Tipp vom Profi: Wasserpinsel mit integriertem Wassertank sind super für unterwegs!
  • Klapphocker für längere Sketches 

Die Urban Sketchers Stuttgart: