INTERVIEW 5 Minuten

„Ich wollte keinen normalen Job haben."

Portrait von Fotograf Ronny Zimmermann
Bevor Ronny begann, hauptberuflich zu fotografieren, arbeitete er im Krankenhaus. | Quelle: Ronny Zimmermann
02. März 2026

Seit rund zwei Jahren fotografiert Ronny Zimmermann hauptberuflich. Das war nicht immer so. Im Gespräch erzählt er, was ihn zur Fotografie gebracht hat, was ihn antreibt und warum er seinen Job als Gesundheits- und Krankenpfleger an den Nagel gehängt hat.

Ronny, wolltest du schon immer Fotograf werden?

Meine Leidenschaft für die Fotografie kam früh. Ich wollte eigentlich immer in die Medienrichtung gehen und eine Ausbildung zum Mediengestalter machen. Seit ich neun Jahre alt bin, spiele ich Handball, und dabei sind auch meine ersten Fotos entstanden. Letzten Endes kam alles über den Sport.

Welche Herausforderungen hattest du auf deinem Weg?

In der Realschule habe ich damals noch nicht kapiert, dass es einmal wichtig sein kann, sich anzustrengen. Ich war einfach zu faul und zu dumm. Im Nachhinein verstehe ich das nicht. Auch im technisch orientierten Berufskolleg waren meine Noten zu schlecht und ich habe es nicht ins zweite Jahr geschafft. Also habe ich mich nach einer anderen Ausbildung umgeschaut. Ich dachte mir, ich muss irgendetwas machen und Geld verdienen. Über den damals noch verpflichtenden Zivildienst bin ich dann in die soziale Richtung gerutscht. 

Wie ging es dann weiter?

Ich habe eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger gemacht.

Also ging es erst einmal in eine komplett andere Richtung?

Mit Menschen zu arbeiten, hat mir schon immer viel Spaß gemacht. In meiner Zivildienstzeit durfte ich mit Schwerbehinderten zusammenarbeiten. Das brachte mich dazu, die Ausbildung zu absolvieren und einige Jahre auch im Krankenhaus zu arbeiten. Ich habe in dieser Zeit in verschiedenen Abteilungen gearbeitet. Bis zu meinem Ende im Krankenhaus habe ich in der Notaufnahme gearbeitet. Da wollte ich immer hin.

Musstest du dadurch deine Leidenschaft für die Fotografie aufgeben?

Ich habe schon damals in der Ausbildung zu meiner Schulleitung gesagt: „So, ich würde gerne ein bisschen arbeiten nebenher in der Fotografie.“ Ich habe jahrelang davor schon fotografiert, und mir kam der Gedanke, dass ich irgendwann auch mal damit anfangen muss, ein bisschen Geld mit dem Fotografieren zu verdienen. Mein Equipment war zu dieser Zeit schon recht teuer.

Mit welchen Jobs fing deine fotografische Laufbahn an?

Mein erstes Geld mit der Fotografie habe ich beim SWR verdient. Bei „DASDING vor Ort“ wurde zu der Zeit jemand gesucht. Mein Vater hatte dort einen Kontakt und ich habe gesagt: „Hey, frag sie mal. Ich habe Bock, Konzerte zu fotografieren.“ Und ab da, im Jahr 2013, war ich eigentlich jede Woche auf Achse, ob im Krankenhaus oder in der Fotografie.

„In der Fotografie kriege ich leichter eine positive Rückmeldung.“

Ronny Zimmermann

Wenn du deine beiden Berufe vergleichst: Siehst du Überschneidungen?

Überschneidungen? Bei den Arbeitszeiten (lacht).

Nur bei den Arbeitszeiten?

Nein, natürlich nicht nur da. Ich bin immer noch der soziale Mensch. Ich bin immer noch der, der vielleicht auch ein Stückchen weitergeht. Und auch im Krankenhaus war das für mich immer klar. Ich denke weiter. Ich wollte mit dem Arzt viel mehr reden, auch wenn er nicht mit mir reden möchte. Weil ich näher am Patienten war. Als Fotograf mache ich auch ganz, ganz oft Sachen, wofür ich gar nicht direkt gebucht wurde. Mich hat mal jemand auf einer Hochzeit gefragt: „Was machst du lieber? Im Krankenhaus arbeiten oder Hochzeiten fotografieren?“ Da sage ich: „Klar fotografiere ich lieber Hochzeiten.“ Ein Mensch geht bei einer Hochzeit auf ein positives Event, bei dem es darum geht, glücklich zu sein. Im Krankenhaus ist man nicht gesund. Man macht sich Sorgen um seine Gesundheit. Angehörige machen sich natürlich auch Sorgen und fordern Dinge, die man teilweise nicht erfüllen kann.

Und wie ist das beim Fotografieren?

Auf einer Hochzeit beispielsweise forderst du dich selbst. Du kriegst ja das Vertrauen davor schon, indem du gebucht wirst. Und da muss man eines ganz klar sagen: In der Fotografie kriege ich leichter eine positive Rückmeldung. Weil: Wer gibt eine positive Rückmeldung, wenn jemand krank ist? Vielleicht ein kleines Danke. Die Wertschätzung von einem kleinen Danke muss man eigentlich im Krankenhaus viel höher setzen als eine Dankes-Mail von einem Kunden.

Der Fotograf Ronny Zimmermann bei der Arbeit
Neben der Fotografie filmt und schneidet Ronny auch Videoinhalte für Social Media.
Quelle: Arne Becker

Wann war dir denn klar, dass du hauptberuflich Fotograf sein möchtest?

Früh, eigentlich kann man sagen 2015. Da habe ich schon den Gedanken gehabt, dass ich diesen Absprung irgendwann mal schaffen will. Vor allem, weil die Rahmenbedingungen im Sozialwesen leider so schlecht sind. Der Beruf ist ein ganz toller, wenn eben die Rahmenbedingungen besser wären. Aber die Fotografie war immer mein Hobby und meine Leidenschaft. Und die hat sich immer viel, viel stärker entwickelt.

Seit wann bist du selbstständig?

2024 habe ich mich selbstständig gemacht. 20 Tage bevor meine Tochter zur Welt kam.

Der Auslöser war deine Tochter?

Nein. Ich wollte mich schon immer selbst verwirklichen. Ich wollte keinen normalen Job haben. Ich dachte, je älter ich werde, desto weniger würde ich es mir zutrauen. Deswegen kam mir der Gedanke: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

„Ich habe eigentlich nichts in diesem Bereich studiert oder gelernt und kann trotz meines schlechten Schulabschlusses und trotz komplett anderer Ausbildung jetzt davon leben."

Ronny Zimmermann

Hättest du gedacht, vielleicht früher auch schon, als du deine ersten Fotos gemacht hast, dass du mal davon leben kannst?

Ich habe keine fotografische Ausbildung. Ich bin kein gelernter Mediengestalter. Ich habe eigentlich nichts in diesem Bereich studiert oder gelernt und kann trotz meines schlechten Schulabschlusses und trotz komplett anderer Ausbildung jetzt davon leben. Und darauf bin ich stolz.

Was ist denn ein gutes Foto für dich?

Wenn der Betrachter etwas empfindet und Emotionen ausgelöst werden.

Wie können diese Emotionen zum Ausdruck kommen?

Das kann sich in jeder Form äußern. Für mich bedeutet ein Bild immer auch, die Vergangenheit anzuhalten. Es muss nicht das beste Bild sein. Es muss nicht die beste Technik haben.

Wie wichtig ist die Technik?

Ich habe mir 2017 eine Leica gekauft, ohne zu wissen, worauf ich mich einlasse. Ich mag in dieser Hinsicht auch weiche Bilder. Ich bin jemand, der achtet nicht zu 100 Prozent auf Schärfe. Solange es die Emotionen und das Gefühl des Momentes rüberbringt, passt es für mich.

Was war einer deiner besonderen Momente, die du beim Fotografieren hattest?

Aus der jüngeren Vergangenheit ganz klar bei einem Konzert von Ed Sheeran. Da wurden nur vier Fotografen zugelassen. Und dann steht da diese Berühmtheit. Die Ausstrahlung und diese Besonderheit, dass sein Management fast niemanden zugelassen hat, waren dann schon so ein Moment, bei dem ich erkannt habe: „Das ist cool und das macht mir mega Spaß. Ich habe echt was erreicht.“