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Krypto-Kunst
"Ein Stück Picasso bitte"

Kunstgalerie in der Pixel-Welt. | Bild: Jana Cuntz

Krypto-Kunst "Ein Stück Picasso bitte"

Kunstgalerie in der Pixel-Welt. | Bild: Jana Cuntz
 

02 Dec 2021

Wenn man das Wort „Kunsthandel“ hört, woran denkt man? An verstaubte Archive von Galerien? Oder an Auktionen in denen adrett gekleidete alte Damen und Herren sitzen? Doch der Kunstmarkt befindet sich im Wandel. Die Digitalisierung macht auch vor der Kunst nicht halt.

Jana Cuntz

Unternehmenskommunikation
seit 01.10.2021

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Wie viel würdet ihr für eine MP3-Aufnahme eines Pups-Geräusch bezahlen? Wahrscheinlich nichts. In Amerika wurde eine solche Datei für 85 US-Dollar als digitale Kunst verkauft.
Nun könnte man diskutieren, ob das wirklich Kunst ist. Viel spannender sind jedoch die Fragen, wie es möglich war, diesen Verkauf online abzuwickeln. Wer kann garantieren, dass das Audio nur an eine Person verkauft wurde? Wer kann sicherstellen, dass es ein Unikat ist? Ist der Preis gerechtfertigt? Dies sind Probleme, die auftreten, seit es digitale Kunst gibt. Nun können alle diese Fragen mit drei Buchstaben beantwortet werden: NFT.

Krypto-Kunst und NFTs

Anfang des Jahres tauchte das Wort „Non-fungible Token (NFT)“ in den Schlagzeilen auf. Dabei handelt es sich um digitale Besitzzertifikate – Tokens, die „non-fungible“, also „nicht austauschbar“ sind. Durch diese Tokens können Dinge als Unikate verifiziert werden. Zusätzlich wird durch den dazugehörigen Prozess der*die Eigentümer*in vermerkt. Kunstwerke können dann theoretisch dupliziert, kopiert oder gefälscht werden, aber der*die Besitzer*in und das Original sind immer eindeutig zuzuordnen. Die Zertifikate selbst können auch nicht gefälscht werden. Das wird durch die Blockchain garantiert. Das ist ein unabhängiges Validierungssystem, basierend auf vielen unterschiedlichen Computern. Das Verfahren wird auch für Krypto-Währung wie Bitcoin genutzt. Kunstwerke jeglicher Art, die auf diese Weise verifiziert werden, bezeichnet man auch als Krypto-Kunst.

Das bis jetzt teuerstes Krypto-Kunstwerk wurde am 11. Mai 2021 für über 69 Millionen US-Dollar verkauft. Es war eine digitale Collage des Künstlers Beeple. Doch nicht nur Bilder können als NFT verkauft werden. Der Rapper Kool Savas hat den Scan seiner Notizen für den Song King of Rap angeboten. Den Zettel hat er anschließend verbrannt. Die Datei wurde für 30.000 Euro versteigert. Auch die zu Beginn angesprochene Audiodatei ist als NFT versteigert worden. Der Künstler wollte sich damit über Krypto-Kunst lustig machen. Am Ende wurde seine Kritik an dieser Art von Kunst selbst zum Kunstwerk.

Vorher war es kaum möglich, digitale Kunst zu verkaufen. Nun kann Krypto-Kunst als Teil des Kunstmarktes gesehen und gehandelt werden. So sinken die Eintrittsbarrieren für neue Künstler*innen. Jede Person kann über NFT-Plattformen ihre Kunst verkaufen. Parallel dazu wird die Preispolitik transparenter. Mit Online-Auktionen werden gegenüber klassischen Auktionen viel mehr potenzielle Käufer*innen erreicht. Der Wert und somit der Preis entspricht der Nachfrage und wird weniger durch Galerien oder Kunstkritiker*innen beeinflusst.

Der Kunstmarkt wird also um den gesamten Bereich der Krypto-Kunst erweitert. Abgesehen davon bieten sich auch neue Möglichkeiten für den bestehenden Markt, die jetzt erst durch NFTs ermöglicht wurden: Eine Schweizer Bank hat Teile des Picasso Kunstwerkes Fillette au beret verkauft. In der Branche spricht man dabei von Fraktionierung. Der Besitz wird wie bei Aktien aufgeteilt und jeder bekommt ein NFT, das den eigenen Anteil am Kunstwerk verifiziert. So sinkt der Preis für die einzelne Person. Frau Polleit Riechert sieht darin viel Potenzial, um Kunst auf diese Weise für mehr Menschen zugänglich zu machen. Die Galerie Assistentin Julia Maja Funke sieht die Fraktionierung eher skeptisch. In Ihrer Galerie wird man diese Art von NFT-Verkäufen nicht anbieten. Doch alle anderen Entwicklungen, die durch die Technologie aufkommen, ordnet sie ebenfalls positiv ein. Es wird, ihrer Meinung nach, den traditionellen Kunsthandel nicht ersetzten, aber um einiges erweitern.

Wie geht es weiter?

Krypto-Kunst hat jedoch nicht nur Vorteile. Die Unfälschbarkeit kommt zu einem hohen Preis für die Umwelt. Die Computer, die für die Blockchain genutzt werden, verbrauchen enorm viel Strom. Allerdings sind diese Folgen der Branche längst bekannt und es wird stetig daran gearbeitet, die CO2-Bilanz zu verbessern.
Doch nicht nur in Bezug zu Nachhaltigkeit verändert sich etwas. Ständig gibt es Weiterentwicklungen der Technologie, auf die die Branche reagiert. Wo diese Entwicklungen letztendlich hinführen werden, bleibt abzuwarten.