Die Zukunft der Medizin passt in eine Hosentasche
Brustkrebs ist eines von drei Krankheitsbildern, mit denen sich die Masterstudierenden des Studiengangs Digital Design dieses Semesters beschäftigt haben. Das Kursthema „Digital Health” ließ ihnen viel Raum, kreativ zu werden. Unter dem Titel „Medizin der Zukunft“ gestalteten drei Gruppen unterschiedliche Gesundheitsanwendungen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) den Alltag erleichtern sollen.
Dabei konzentrierten sie sich auf geläufige Krankheitsbilder: Rückenschmerzen, Schuppenflechte und Brustkrebs. Die App „Boob-Camp” soll zur Früherkennung der häufigsten Krebsform bei Frauen beitragen. Denn wenn der Tumor frühzeitig entdeckt wird, liegen die Überlebenschancen bei mehr als 90 Prozent. Da die jährliche Mammografie aber erst ab einem Alter von 50 Jahren kostenlos angeboten wird, soll die App insbesondere jungen Frauen den Zugang zur Früherkennung erleichtern.
Ohne Scham, mit Datenschutz
Anhand einer aus verschiedenen Skizzen ausgewählten Brustform erstellt eine KI individuelle Videoanleitungen, die Nutzerinnen Schritt für Schritt durch das korrekte Abtasten führen. Um die Privatsphäre zu schützen, müssen keine Fotos oder Videos der eigenen Brust aufgenommen werden. 31 Tage lang bietet die App täglich fünf- bis zehnminütige Clips an, danach erinnert sie einmal im Monat an das Abtasten.
Um eine medizinische Korrektheit zu gewährleisten, stützte sich das Team auf intensive Recherche sowie den Austausch mit einer Betroffenen und der Geschäftsführerin des Krebsverbandes Baden-Württemberg. Vor diesem stellen sie das fertige Projekt im Juli vor. „Wäre schon toll, wenn der Verband das Projekt weiterverfolgen würde“, sagt Luis Retzbach, einer der Macher von „Boob-Camp”.
Wenn sitzen weh tut
Auch Océanne Banna ist von dem Projekt ihrer Gruppe überzeugt. Die Anwendung soll Rückenschmerzen vorbeugen und bietet den Nutzerinnen und Nutzern aus ihrer Sicht „einen echten Mehrwert“. Denn laut ihrer Aussage werden rund 60 Prozent aller Krankschreibungen aufgrund von Rückenschmerzen ausgestellt. Vor allem Menschen in Bürotätigkeiten seien häufig betroffen. Für die Recherche führte die Gruppe Interviews mit fünf Fachleuten, darunter Oberärztinnen und Oberärzte spezialisierter Kliniken, Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie Schmerzpsychologinnen und -psychologen. Dabei wurde deutlich, dass sich Rückenschmerzen durch gezielte Prävention vorbeugen lassen. Hierfür wird man in der App „Mimo” über den Tag verteilt an kurze Mikro-Übungen wie das Anpassen der Sitzposition, Schulterkreisen oder Hüftbewegungen erinnert. Durch die regelmäßige Wiederholung sollen diese Bewegungen später möglichst unterbewusst ausgeführt werden.
Genauso selbstverständlich soll durch die App „Pielia“ („Piel“ spanisch für „Haut“ und „Elia“, Name der verwendeten KI) auch die Erkennung und Vermeidung von Triggern für Menschen mit Schuppenflechte werden. Denn ihre Hautzellen erneuern sich bereits nach drei bis sieben Tagen statt – wie bei gesunden Menschen – erst nach etwa vier Wochen. Dadurch leiden sie unter Symptomen wie schuppigen Hautstellen und starkem Juckreiz. Diese werden durch bestimmte Faktoren wie Lebensmittel oder das Wetter verstärkt. Deshalb designte die dritte Gruppe eine App, in der diese Trigger einfach per Text, Sprache, Schnellauswahl oder Bild dokumentiert werden können. Danach wertet eine KI die individuellen Daten aus. „Digitalität kann vielen Leuten weiterhelfen, ihre Gesundheit zu fördern”, betont Nicole Birk, Mitgestalterin von „Pielia”. Sie weist jedoch darauf hin, wie wichtig eine benutzerfreundliche Gestaltung ist, damit die Apps langfristig genutzt werden.
Freudig gespannt
Nach monatelanger Arbeit dürfen die elf Studierenden am 2. Juli 2026 ab 18 Uhr ihre Projekte endlich auf der MediaNight vorstellen. „Wir wünschen uns von der MediaNight, dass die Leute vom Thema Früherkennung Wind bekommen und sich anschließend selbst damit beschäftigen“, verdeutlicht Sofia Elert von „Boob-Camp”. Bei allen drei Gruppen steht deshalb nicht nur die Präsentation ihrer Projekte im Mittelpunkt. Vielmehr möchten sie über Themen aufklären, die so viele Menschen unmittelbar betreffen. Und darüber, dass Künstliche Intelligenz in der Medizin ein enormes Zukunftspotenzial bietet und die Entwicklung solcher Plattformen weiter vorantreiben wird.