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Nach einem Misserfolg ist man verzweifelt, doch meistens kann man aus diesen Fehlern lernen und dadurch erfolgreicher werden (Symbolbild). | Bild: Cameron Bieri

edit.Challenge Scheitern
Der Weg zum (Miss)Erfolg

Nach einem Misserfolg ist man verzweifelt, doch meistens kann man aus diesen Fehlern lernen und dadurch erfolgreicher werden (Symbolbild). | Bild: Cameron Bieri

26 Jan 2020

Erfolgsgeschichten lesen wir überall, doch wo sind die Misserfolge? Egal ob im Studium, Beruf oder im Privatleben, manchmal läuft nicht alles nach Plan. Damit wir jedoch nicht aufhören, uns neu herauszufordern, müssen wir lernen Misserfolge zu akzeptieren und mit Scheitern umzugehen. So schwer das auch klingen mag.

„Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten – weitergehen“, der Leitspruch meiner damaligen Tutorin am Anfang der elften Klasse. Auf jeden Fall ein positiver Gedanke, dass Scheitern in Ordnung ist. Solche motivierenden Sprüche liest man immer häufiger, sei es auf Postkarten oder im Internet. Laut ihnen sind Misserfolge nichts Ernstes, sondern eine gute Chance, aus Fehlern zu lernen, um schlussendlich Erfolg zu erzielen. Aber sind diese Vorstellungen realistisch? Denn wenn wir wirklich vor einem Misserfolg stehen, reagieren wir doch alles andere als locker. Die Angst, zu versagen, ist groß. Schließlich streben wir nach Erfolg, nicht nach dem Scheitern. Wollen wir also dem Rat meiner Tutorin folgen, bleibt eine Frage offen: Wie können wir Scheitern zu unserem Vorteil nutzen?

Scheitern ist scheiße!

Wer kennt es nicht: Das deprimierende Gefühl im Magen, wenn man etwas nicht geschafft hat. Die Gedanken, dass man nichts erreichen wird und für immer im Loch des Versagens feststeckt, schwirren im Kopf. Das Leben aller anderen sieht nach einem perfekten Instagram-Filter aus und nur bei einem selbst läuft nichts nach Plan. Da hilft auch kein Schokoriegel oder irgendwelche inspirierenden Sprüche. Denn Scheitern tut weh. Es ist scheiße! Keiner sehnt sich danach und doch gibt es keine Garantie dafür, nicht zu versagen. Immerhin gehören Fehlschläge zum Leben dazu.

Während man negative Emotionen und Frust zulassen muss, ist es wichtig, nicht aufzugeben oder an sich und seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Denn ironischerweise bieten Fehlschläge, eine Chance, um aus ihnen zu lernen. Man ist gezwungen, sich gründlicher mit sich und seinen Fehlern zu beschäftigen. Nur dann sieht man, was im Weg lag und kann diesen Stolpersteinen beim nächsten Mal ausweichen. Scheitern ist schließlich ein Nebenprodukt des Ausprobierens. Man kann es nur dann verhindern, wenn man komplett aufhört, sich herauszufordern und Neues zu Versuchen. Man muss sich also immer wieder der Angst vorm Versagen stellen.

Was hältst du vom Scheitern?

Lena Popp (24), Studentin. | Bild: Lena Popp
Clara Pella (20), Studentin. | Bild: Cameron Bieri
Anne Le (21), Studentin. | Bild: Cameron Bieri

Erfolgreich scheitern

Menschen gehen alle sehr unterschiedlich mit Scheitern um. Es gibt also keine einheitliche Antwort darauf, wie man daraus lernt und erfolgreich wird. Dazu müssen nicht alle Misserfolge ein Sprungbrett zum Erfolg sein und das ist auch in Ordnung. Im Allgemeinen müssen wir versuchen, offener über unsere Fehltritte zu sprechen. Schließlich haben wir alle schon mal versagt, sei es mit einer Fünf in der Klausur, ein paar falschen Noten beim Klavierkonzert oder einem misslungenen Vorstellungsgespräch. Wir müssen mit unseren Misserfolgen Frieden schließen und lernen, nachsichtiger mit uns selbst zu sein, wenn mal etwas schiefgeht. Ja, hinfallen tut weh, aber manchmal müssen wir halt einfach unser "Krönchen" richten und mit Stolz weitergehen.