Eine Tochter, die aus dem Leben gerissen wird. Durch die Gewalt eines Mannes, der ihr Nein nicht akzeptiert.

Lilli Zenth

Eine Tochter, die aus dem Leben gerissen wird. Durch die Gewalt eines Mannes, der ihr Nein nicht akzeptiert.

Lilli Zenth

Eine Mutter, die nicht länger schweigen kann. Eine Geschichte über Liebe, Trauer und die Suche nach Gerechtigkeit.

Lilli Zenth

Eine Mutter, die nicht länger schweigen kann. Eine Geschichte über Liebe, Trauer und die Suche nach Gerechtigkeit.

Lilli Zenth

„Dass keine Mutter mehr ihre Tochter beerdigen muss."

Lilli Zenth

„Dass keine Mutter mehr ihre Tochter beerdigen muss."

Lilli Zenth

Inhaltswarnung für Leser*innen: Dieser Text behandelt sensible Themen wie patriarchale Gewalt, Femizide, sexuellen Missbrauch, psychische Gesundheit, Trauma und Trauer in besonderer Ausprägung. Bitte sei dir dessen bewusst und lies den Artikel entsprechend deiner persönlichen Sensibilität. Unsere Absicht ist es, respektvoll und einfühlsam zu berichten, um die Würde der betroffenen Personen zu wahren. Es ist keine Schwäche sich Hilfe zu holen. 

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen": 116 016

Eine Frau steht vor einem Haus im Stuttgarter Osten. In der Hand: fünf Sträuße Rosen. Um sie herum, ein dreiköpfiges Fernsehteam, eine Kamera auf sie gerichtet. Sie steht da, trägt eine beige Jacke und einen gemusterten Schal und redet, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Als sie fertig ist, haben drei Menschen Tränen in den Augen. Es ist nicht einfach irgendein Haus. Es ist das Haus, in dem am Morgen des 10. Januar 2025 die 25 Jährige Aleyna E. mit siebenundzwanzig Messerstichen ermordet und anschließend sexuell missbraucht wurde. Und es ist nicht einfach irgendeine Frau. Diese Frau heißt Ayse. Aleyna war ihre Tochter. Dies ist die Geschichte einer Mutter.

Es ist die Geschichte einer Mutter, die sich entschlossen hat, die Stimme ihrer toten Tochter zu werden. Und deshalb steht sie nun hier, an diesem Nachmittag, der so grau ist, wie es nur der Februar schafft, und beantwortet die Fragen einer jungen Reporterin von Stern TV. Lange habe sie überlegt, ob sie der Anfrage des Senders zustimmen solle. Die Familie habe schlechte Erfahrungen mit Medien gemacht, erzählt sie. Sie sei misstrauischer geworden. Am Ende machte sie es. Weil sie nicht mehr länger schweigen möchte.

Jetzt spricht sie. Wie nervös sie ist, macht sich nur bemerkbar, wenn die Kamera nicht läuft. Manchmal muss sie Antworten mehrmals wiederholen, wenn durchs-Bild-laufende Passant*innen, vorbeifahrende Autos oder der Lärm der Stadt die Aufnahme stören. Sie erzählt von Aleyna. Davon, was für ein Mensch sie war, was sie bewegt hat. Ayse spricht über das junge Leben ihrer Tochter und darüber, wie es ihr vor einem Jahr und einem Monat in der Wohnung im zweiten Stock dieses Hauses genommen wurde.

Ein Albtraum, der kein Ende findet

Es ist der Morgen des zehnten Januars 2025. Die Zeit, in der man gerade erst aufhört, ein frohes neues Jahr zu wünschen. Es ist Freitag. Am Abend will sich Aleyna mit ihrer besten Freundin treffen. Sie hatte jemanden kennengelernt, sie war frisch verliebt. Heute sollte ihre Freundin den neuen Partner kennenlernen. Doch dazu kommt es nicht.

Gegen acht Uhr morgens öffnet die junge Frau die Tür ihrer Wohnung. Sie möchte in ihren Tag starten. Wenige Minuten später ist sie tot. Für ihre Mutter Ayse beginnt der Albtraum an diesen Tag. Sie erinnert sich genau. An jedes Detail. Sie schildert das so:

20:30 Uhr: Sie bekommt einen Anruf von der besten Freundin ihrer Tochter. Aleyna sei nicht zum Treffen aufgetaucht, reagiere nicht auf Nachrichten. Das sei untypisch. Sie habe auch Aleynas Freund kontaktiert. Auch er hätte nichts von ihr gehört.

Ayse bittet die beiden, bei Aleynas Wohnung vorbeizuschauen. Sie klingeln, klopfen an Aleynas Tür, schreien ihren Namen. Nichts. Sie klopfen weiter, stärker, lauter. Ein Nachbar habe sogar die Polizei gerufen –wegen Ruhestörung. Ayse bleibt am Telefon. Die ganze Zeit.

Auch, als die Polizei eintrifft, telefonieren sie weiter. Die beiden jungen Menschen werden nach draußen, vor das Haus, geschickt. Die Wohnungstür wird aufgebrochen. Sie wissen nichts. Ein Polizist befiehlt, sofort aufzulegen.

Ab da geht alles schnell. Ayse, ihr Mann und ihre jüngere Tochter steigen ins Auto, fahren los. Sie möchten da sein, möchten etwas tun– irgendwas. Nichts sei so schlimm wie das Warten. Sie kommen nicht weit. Vielleicht zwei Kilometer. Dann kommt ein Anruf von einem Polizisten. „Drehen Sie um! Um Gottes Willen drehen Sie um”, habe er ins Telefon gerufen. „Ich weiß noch, ich habe geschrien. Als ob in dem Moment ein Stück aus meiner Seele herausgerissen wurde”, erzählt Ayse. Sie fahren zurück. Es ist kalt. Als Ayse aus dem Auto aussteigt, bricht sie im Schnee zusammen. Es ist der Beginn eines Albtraums, der bis heute anhält. 

Bis die Polizei eintrifft, vergehen zwei Stunden. Zwei Stunden des Wartens. Zwei Stunden der Ungewissheit. Bis ihnen zwei Polizistinnen gegenübersitzen, die nicht viel älter sind als Aleyna selbst. Sie sprechen das aus, was wie ein unsichtbarer Fluch über den letzten Stunden gelegen hatte. ,,Wir müssen ihnen mitteilen, ihre Tochter ist leider verstorben.” Und dann ,,Wir gehen von einem Tötungsdelikt aus.”

Eine Tafel aus Metall erinnert an die Geschehnisse des 10. Januars. Die Hausverwaltung bat Ayse die Tafel zu entfernen.

Lilli Zenth

Eine Tafel aus Metall erinnert an die Geschehnisse des 10. Januars. Die Hausverwaltung bat Ayse die Tafel zu entfernen.

Lilli Zenth

Wenn ein Nein nicht gilt

Aleyna wurde ermordet. Davon geht das Landgericht aus, das den Fall verhandelt hat. Der Prozess war abgeschlossen. Während dieser Text entsteht, gibt es in ihrem Fall jedoch noch immer kein rechtskräftiges Urteil. Der Angeklagte beantragte nach seiner Verurteilung Revision. Also die Prüfung des Urteils auf Verfahrensfehler durch eine höhere Rechtsinstanz. Nun liegt der Fall dem Oberlandesgericht vor. Der Pressekodex sieht vor, in einem solchen Fall im Konjunktiv über den Tathergang zu sprechen, was auch hier im Folgenden geschieht.

Den mutmaßlichen Täter habe Aleyna nur flüchtig gekannt. Aus dem Fitnessstudio am Berliner Platz, in dem sie mindestens viermal die Woche trainiert hat. Der Sport war ihr Ausgleich, wenn ihr Studium zu stressig wurde. Dort hat sie ihn kennengelernt.

Er habe Kontakt zu ihr gesucht. Sie habe ihn abgewiesen. Immer und immer wieder. Er habe ihr Nein nicht akzeptiert. Er habe auf sie gewartet. Im Training, im Supermarkt. Habe sie nicht in Ruhe gelassen. 

In einer Sprachnachricht an ihre beste Freundin sagt Aleyna, sie glaube, er würde erst von ihr ablassen, wenn sie in einer Beziehung wäre. Auf dem Handy des mutmaßlichen Täters seien Aufnahmen gefunden worden, die Aleyna zeigen, wie diese zusammen mit ihrem Partner das Fitnessstudio verlässt. Die Aufnahmen stammen vom Tag vor der Tat. 

Fast drei Stunden habe der Mann Aleyna vor ihrer Wohnung aufgelauert. Nachbar*innen hätten ihn im Treppenhaus gesehen. Schwarz gekleidet soll er gewesen sein. Eine Sturmmaske soll er getragen haben. Niemand tat etwas. Eine Nachbarin sagte aus, sie habe Todesschreie gehört. Doch niemand rief die Polizei. Niemand tat etwas.

Weil sie eine Frau war

Eine Frau, die ermordet wird, weil sie eine Frau ist. Der Begriff des Femizides wurde erstmals 1976 von der Soziologin Diana E.H. Russell verwendet. Sie beschrieb damit Tötungsdelikte, die durch patriarchale Geschlechtervorstellungen motiviert sind. In fast allen lateinamerikanischen Ländern sind Femizide ein eigener Straftatbestand. In Deutschland nicht. 

Hier wird die Tötung einer Frau als Mord oder Totschlag verhandelt. Weil die Motive der Tat laut des Bundeskriminalamt nicht ausreichend nachvollziehbar seien, sei es oft schwierig sie als Femizid zu betiteln. Geschlechtsspezifische Tatmotive können auf Basis des §211 des Strafgesetzbuches als „niedrige Beweggründe” berücksichtigt werden. Beispielsweise, wenn eine Frau getötet wird, weil sie sich trennen wollte. Doch der Begriff Femizid taucht im Gesetz nicht auf. Er ist keine eigener Tatbestand, kein Paragraph. 

Der Mord an Aleyna wurde vor Gericht als Femizid benannt. Ayse ist das sehr wichtig. „Weil das, was Aleyna passiert ist, kein Einzelfall ist.” Weil Femizide Struktur haben.

23 Tage

Zwei Menschen tragen ein pinkfarbenes Transparent, darauf in schwarzen Blockbuchstaben der Satz: „Ein Angriff gegen eine, ist ein Angriff gegen alle!” Sie stehen vor dem Stuttgarter Landgericht. Morgen wird sich Aleynas Tod zum ersten Mal jähren. Es ist der Tag der Urteilsverkündung in ihrem Prozess. Das Frauenkollektiv, eine feministische Initiative aus Stuttgart, hat für diesen Tag eine Mahnwache organisiert. „Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle”, schreiben sie auf ihrem Social Media Profil. Das ist ihre Antwort. Hier stehen heute Freund*innen und Bekannte der Familie und Menschen, die in den Medien von der Tat erfahren haben und nun ihre Solidarität bekunden. Sie alle fordern Gerechtigkeit für Aleyna. Unter ihnen ist Ayse. Die Frau mit den schwarzen Haaren und den grünen Augen ist vielleicht gerade einmal 1,60 Meter groß. Und doch sind alle Augen und Ohren auf sie gerichtet, als sie mit klarer und fester Stimme spricht. 

„Ich spreche heute hier nicht aus Trauer. Ich spreche mit Klarheit. Und ich spreche für alle Frauen, die gelernt haben, dass ein Nein gefährlich sein kann. Das ist kein Zufall und kein Einzelfall. Das ist strukturelle Gewalt. Das ist die tödliche Konsequenz von Anspruchsdenken, Kontrolle und gekränktem Ego. An diesem Tag, kurz vor dem Urteil, geht es mir nicht um Rache. Es geht um Wahrheit. Es geht um Verantwortung. Und es geht um Gerechtigkeit.” 

„Ich spreche heute hier nicht aus Trauer. Ich spreche mit Klarheit. Und ich spreche für alle Frauen, die gelernt haben, dass ein Nein gefährlich sein kann. Das ist kein Zufall und kein Einzelfall. Das ist strukturelle Gewalt. Das ist die tödliche Konsequenz von Anspruchsdenken, Kontrolle und gekränktem Ego. An diesem Tag, kurz vor dem Urteil, geht es mir nicht um Rache. Es geht um Wahrheit. Es geht um Verantwortung. Und es geht um Gerechtigkeit.” 

Während sie das alles sagt, ist sie vollkommen kontrolliert. Ihre Stimme bricht nicht, sie wird nicht laut oder wütend. Sie bleibt einfach ruhig. Eine Freundin hatte den Moment auf einem Video festgehalten und schickt es ihr später mit den Worten „Sehr stark geredet.” Später wird die 48-Jährige erzählen, dass sie vor ihrer Rede Aleyna um die nötige Kraft angebetet habe. Als sie fertig ist, geht sie in den Gerichtssaal.

23 Tage dauerte der Prozess. 22 Tage davon ist Ayse dabei. Sie habe ihre Tochter nicht  im Stich lassen wollen. Vor Gericht habe sie kein einziges Mal die Fassung verloren. Sie sei stark geblieben. Immer in ihrer Hand war ein Kreuz aus Holz und ein Engel, auf dem steht: Ich bin hier. Und darunter: Aleyna. Sie trägt ihn immer bei sich. Seit 2018 glaubt Ayse an Gott. Ihr Glaube sei ihr Standbein.

Das Urteil wird Verkündet: Mord. Ayse lässt ihren Kopf auf den Tisch vor sich fallen. Sie fragt ihren Anwalt, ob sie alles richtig verstanden habe. Sie hat auf ein höheres Strafmaß gehofft. Eine „besondere Schwere der Schuld", ist vor Gericht nicht festgestellt worden.

Mögliche Urteile

Wenn ein Mensch in Deutschland einen anderen Menschen tötet, wird er in der Regel mit einem von zwei Strafmaßen bestraft.

Totschlag liegt vor, wenn ein Mensch vorsätzlich getötet wird, ohne dass eines der sogenannten Mordmerkmale erfüllt ist. Für Totschlag sieht das Gesetz in der Regel eine Freiheitsstrafe von fünf bis fünfzehn Jahren vor. In besonders schwerwiegenden Fällen kann auch hier eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden. In minder schweren Fällen ist eine Strafe zwischen einem und zehn Jahren möglich.

Eine vorsätzliche Tötung gilt rechtlich als Mord, wenn mindestens eines der sogenannten Mordmerkmale vorliegt. Dazu zählen etwa Heimtücke, Grausamkeit oder die Tötung aus niedrigen Beweggründen. Auch Handeln zur Ermöglichung oder zur Verdeckung einer anderen Straftat kann ein Mordmerkmal darstellen. Für Mord sieht das deutsche Strafrecht grundsätzlich eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Anders als bei Totschlag ist das Strafmaß festgelegt. Bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe kann nach frühestens 15 Jahren geprüft werden, ob eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung möglich ist. Voraussetzung ist unter anderem eine positive Sozialprognose. Also eine Einschätzung, dass von der verurteilten Person keine weitere Gefahr ausgeht.

Das Gericht kann zusätzlich bei besonders schwerwiegenden Taten die „besondere Schwere der Schuld“ feststellen. Dies würde eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Regel unmöglich machen.
 

Ein herzensguter Mensch

,,Liebe Mama, [...] ich habe das Gefühl, dass eine Veränderung stattfindet- eine positive Veränderung!” 

Es ist der letzte Brief, den Ayse von ihrer Tochter bekommt. Es sei die glücklichste Zeit ihres Lebens gewesen. Nur wenige Monate trennten sie von ihrem Masterabschluss. Aleyna wollte Gymnasiallehrerin werden. Ethik, Philosophie, Deutsch. Sie sah das Potenzial in allen Kindern. Wollte ein Sprungbrett für sie sein.

Sie wollte reisen. Ein Praktikum in der Schweiz machen. Eine Fortbildung zur Zumbalehrerin machen. Zusammen mit ihrer besten Freundin. Sie hatte Ziele. Aleyna habe nie über andere geurteilt, erinnert sich Ayse. Sei immer zu allen höflich gewesen ,,Sie ist der reinste Mensch, den ich kenne.” Für Ayse war sie eine Traumtochter. 

,,Ich weiß ich bin ein herzensguter Mensch, ein liebevoller Mensch, der sehr viel Liebe braucht, aber auch viel Liebe geben kann. Du konntest das schon immer. Mir Zuneigung und Liebe geben, mich das spüren lassen.”

Lilli Zenth

,,Ich weiß ich bin ein herzensguter Mensch, ein liebevoller Mensch, der sehr viel Liebe braucht, aber auch viel Liebe geben kann. Du konntest das schon immer. Mir Zuneigung und Liebe geben, mich das spüren lassen.”

Lilli Zenth

Der Schmerz bleibt

Am Kragen von Ayses Blazer ist ein runder Button angesteckt. Darauf das schwarz weiße Bild ihrer Tochter, wie sie fröhlich in die Kamera lächelt. Das Bild ist Ayses Profilbild. Das Hintergrundbild ihres Handys. Um ihren Hals trägt sie ein Medallion. Darin ein Bild ihrer Tochter. Aleyna ist überall. ,,Ich denke laufend an sie”, erklärt Ayse. In ihrem zu Hause hängen in jedem Raum Erinnerungen an ihre Tochter. Kleidung, die sie oft getragen hat, hat Ayse in Tüten verpackt. Damit sie ihren Geruch nicht verlieren. „Jeder, der mich liebt, weiß, dass ich nichts auf der Welt so sehr geliebt habe wie Aleyna. Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll, wenn ich ehrlich bin.”

„Jeder, der mich liebt, weiß, dass ich nichts auf der Welt so sehr geliebt habe wie Aleyna."

Ayse, Mutter von Aleyna

Sie funktioniert. Weil sie keine andere Wahl hat. Sie muss stark sein. Für ihre Familie. Für ihre jüngere Tochter. Sie gibt ihrem Leben einen Sinn. Aber Ayse schafft es nicht jeden Tag. Oft ist sie sehr müde. Braucht oft viel Ruhe.„Leichter wird es nicht, aber anders. Es wird anders. Doch der Schmerz bleibt der gleiche", sagt sie. Manchmal spricht sie von Aleyna im Präsens. 

Solange ich lebe, werde ich schreien

„Du hast mir beigebracht, dass das Leben lebenswert ist.” 

Aleyna ist tot. Sie wurde getötet. Doch in den Worten ihrer Mutter lebt sie weiter. Ayse will nicht schweigen. Sie kann nicht. Deshalb gibt sie Interviews, hält Reden. Deshalb plant sie, Präventionsvorträge an Schulen zu halten. Für Mädchen und Jungen. Um Aleynas Geschichte zu erzählen. Um Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen. ,,Ich konnte sie nicht schützen. Darum will ich andere Frauen schützen. Vielleicht sind es nicht viele. Vielleicht sind es nur ein paar. Aber es sind ein paar.”

Ayse legt Blumen nieder. Auf dem Stromkasten vor dem Haus im Stuttgarter Osten. Die Reporterin fragt sie, warum sie das mache. Warum sie nicht in Stille trauere. „Damit keine Mutter mehr ihre Tochter beerdigen muss, wegen eines Mannes, der kein Nein akzeptiert.”

Dies ist die Geschichte einer Mutter.

Lilli Zenth

Dies ist die Geschichte einer Mutter.

Lilli Zenth