Teures Tabuthema: die Menstruation. | Bild: Mira Biehler

Blickwinkel Tamponsteuer
Bluten ist Luxus

Teures Tabuthema: die Menstruation. | Bild: Mira Biehler

27 Dec 2018

Immer noch ein Tabuthema, ein teures noch dazu: die Periode. Über 700 Euro geben Frauen immerhin allein für Tampons aus. Das liegt auch am hohen Mehrwertsteuersatz. Ein Kommentar.

Etwa die Hälfte der Menschheit ist weiblich und eins haben sie alle gemeinsam: Sie menstruieren einmal im Monat, haben es schon oder werden es noch. Über 400 Mal im Leben, monatlich drei bis sieben Tage lang. Dennoch gelten Hygieneartikel, wie Tampons und Binden, in vielen Ländern als Luxusartikel. Doch Hygiene sollte kein Luxus sein.

In Deutschland unterliegen lebensnotwendige Produkte, wie zum Beispiel Nahrungsmittel, Gewürze und selbst ein frischer Strauß Blumen, einem verminderten Steuersatz von sieben Prozent – tatsächliche Luxusartikel wie Kaviar oder Trüffel ebenso. Das Absurde: Für Tampons, Binden oder auch Menstruationstassen zahlen Verbraucherinnen hierzulande den höchsten Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Somit ist Deutschland eines der wenigen Länder in Europa, das so hohe Steuern für Damenhygieneprodukte beansprucht. Anscheinend wird in Deutschland die Menstruation als Luxus gesehen. Ja genau, liebe Frauen: Es ist Luxus, dass ihr jeden Monat bluten dürft! Immerhin rund 9.000 Tampons verbrauchen Frauen durchschnittlich im Leben, etwa 20 Pro Zyklus. Bei einer großen Packung Tampons für über vier Euro sind das um die 700 Euro, die Frauen Zeit ihres Lebens allein für Tampons ausgeben.

Tampon tax? Abgeschafft!

Obwohl sich schon zahlreiche AktivistInnen für die Abschaffung der Steuer eingesetzt haben, ist bisher nichts passiert. In Frankreich dagegen wurde die Steuer im Jahr 2015 von 20 auf 5,5 Prozent gesenkt. In Kanada wurde sie nach einer langen Protestwelle abgeschafft, ebenso in Australien seit dem Jahreswechsel. Wie kann es sein, dass Frauen jahrelang dafür kämpfen, als Tampon verkleidet auf die Straße gehen oder sich blutige Binden ins Gesicht kleben müssen, um etwas an der „tampon tax“ zu ändern? „Die Reform war längst überfällig. Der gesunde Menschenverstand hat sich durchgesetzt“, meint der stellvertretende Vorsitzende der Liberalen Partei Australiens, Josh Frydenberg.

Doch in Deutschland bleibt bluten erst einmal teuer. Allein durch die Besteuerung von Damenhygieneprodukten werden jährlich immerhin 87 Millionen Euro verdient. Geld, das dem Staat zugutekommt.

Die Erfindung der Tampons in den 1930er Jahren glich einer kleinen Revolution. Und es wird wieder Zeit etwas zu ändern. Denn kosten sollte die Menstruation Frauen nicht viel mehr als: ihre Nerven.