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Sex&Identität

Patchwork-Familie
Wie es ist, mit 21 dreifache Tante zu sein

MEINUNG
Mit 21 Jahren Tante in einer Patchwork-Familie sein, ist keine einfache Aufgabe. | Bild: Svenja Hak

Patchwork-Familie Wie es ist, mit 21 dreifache Tante zu sein

Mit 21 Jahren Tante in einer Patchwork-Familie sein, ist keine einfache Aufgabe. | Bild: Svenja Hak
 

10 Feb 2021

Die Kolumne "Mein Leben als Sprössling einer Patchwork-Familie" erzählt von den schönen und schwierigen Momenten im Leben einer eher unkonventionellen Familie.

Svenja Hak

4. Semester
seit 2019

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Letzte Woche wurde ich zum dritten Mal Tante. Ich fühle mich ehrlich gesagt nicht immer wohl in dieser Rolle. Bei Familientreffen zum Beispiel. Mein Papa ist jetzt Opa. Meine Schwester Mutter. Ich passe in keine wirkliche Rolle. Kein Wunder, dass der Begriff Tante als Suffix beliebig an alles angehängt wird: Kaffeetante, Ökotante, Psychotante. Eigentlich bin ich Studentin. Aber daran wird für gewöhnlich kein „Tante“ gehängt. Ich wohne in einer WG und weiß noch nicht so ganz genau, wie meine Zukunft aussehen soll. Aber so ist das wohl, wenn der Papa mit 19 Jahren das erste Mal Vater wird und man selbst in der väterlichen Midlifecrisis nachrutscht. In meiner Familie bin ich jetzt nicht mehr das Kind. Das bedeutet ich habe Verpflichtungen. In ihrem Buch „Aunties“ beschreiben die Autorinnen Tamara Traede und Julienne Bennett die Tanten als: „Our older, cooler, wiser friends“. Ich gebe zu: Tante sein, ist ziemlich cool. Es fühlt sich gut an, mit Tante Svenja angesprochen zu werden. Ich bin die Heldin, die junge hippe Tante, die immer Bananen-Muffins mit lustigen Gesichtern mitbringt, die mit Fingerfarbe malt, bei der man Fernseher schauen darf und Aufräumen zweitrangig ist. Ich liebe meine Rolle als Tante, keine Frage. Die „ältere“ und „coolere“ Freundin zu sein, ist leicht. Aber „weise“ zu sein, das ist ein ziemlich großer Anspruch. Im Dezember geht fast mein ganzes Monatsgehalt für Kindergeschenke drauf. An Ostern und den Geburtstagen ist das genauso. Mein Neffe hat ausgerechnet mitten in der Prüfungsphase Geburtstag. Natürlich bin ich immer dabei. Besitze kein Auto und fahre umständlich mit dem Zug zwei Stunden und drei Mal umsteigen zu jedem größeren Event im Leben der kleinsten Familienmitglieder. Weiter geht es mit den Geschenken. Es soll ja den Kleinen gefallen, in mein Budget passen und gleichzeitig der Vorstellung von pädagogisch wertvoll meiner Schwester entsprechen. Das ist nicht einfach, sag ich euch. Ich habe jedes Mal aufs Neue Schweißausbrüche, wenn meine Neffen und Nichten das Geschenkpapier aufreißen. Beim Einpacken gebe ich mir viel Mühe. Ich habe Prinzessin-Lillifee-Papier für meine Nichte, Paw-Patrol-Papier für Neffe Nummer eins und Cars-Papier für Neffe Nummer zwei. Meistens schenke ich Puzzles. Die kommen immer gut an. Genau wie meine Bananen-Muffins. Die schmecken lecker und sind ohne Zucker, ohne Laktose und die Gesichter sind aus Fairtrade-Schokolade. Ich gebe zu, ich habe nicht so viel Ahnung vom Tante sein, aber ich gebe mein bestes diese ältere, coolere Freundin zu sein. Aber wer ist mit 21 schon weise? Außerdem war es nicht meine Idee, so früh Tante zu werden.

Einen weiteren Teil der Kolumne "Mein Leben als Sprössling einer Patchwork-Familie" findest du hier.