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Fußball
Wenn der Fußball zum Pfannkuchen wird

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Die Flucht von einem Bildschirm in den nächsten. | Bild: Max Bruns/SKY/DAZN/DFB/Instagram

Fußball Wenn der Fußball zum Pfannkuchen wird

Die Flucht von einem Bildschirm in den nächsten. | Bild: Max Bruns/SKY/DAZN/DFB/Instagram
 

15 May 2021

Immer mehr Spiele. Immer mehr Streamingdienst-Abonnements. Hat das irgendwann ein Ende? Wenn man aufgrund von drei laufenden Fußballspielen überfordert ist und zum Smartphone greift, weiß man, dass sich etwas ändern muss.

Max Bruns

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2020

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Wie ein Samstagabend bei mir aussieht? Auf meinem Laptop läuft das Bundesliga-Topspiel. Nebendran messen sich auf meinem Fernseher Juventus Turin und der AC Mailand. Und zu allem Überfluss ziehe ich mir auf meinem Handy noch Manchester United gegen den Liverpool FC rein. Ich liebe den Fußball – aber damit das so bleibt, muss sich etwas ändern.

Ich versuche es mal anders auszudrücken: Als Kind wollte ich jeden Tag Pfannkuchen essen und ging meiner Mutter damit tierisch auf die Nerven. Zumindest so lange, bis sie in einer Woche jeden Tag Pfannkuchen machte. Am dritten Tag hingen mir die Pfannkuchen zum Hals heraus und ich konnte sie nicht mehr sehen. Nach ein paar Monaten gab es dann wieder Pfannkuchen und sie schmeckten mir.

"Ein Berieselungsprogramm also." – Max Bruns

In letzter Zeit ist der Fußball zu meinen Pfannkuchen geworden: Immer wieder ertappe ich mich beim Schauen dabei, dass ich das Smartphone in die Hand nehme und auf Instagram rumhänge. Dadurch gelangt die Hauptsache, das Spiel zu sehen, in den Hintergrund und das Ganze wird zur Nebensache. Ein Berieselungsprogramm also. Früher konnte ich es kaum erwarten, wenn ein Spiel im TV übertragen wurde. Ich konnte den ganzen Tag an nichts anderes denken, wenn um 20.45 Uhr die Champions-League-Hymne im ZDF ertönte und die Königsklasse lief.

Heute hat sich das Setting verändert. Zum einen gibt es viel mehr Spiele als früher. Allein die neue Champions-League-Reform, die ab 2024 greifen wird, sieht vor, dass rund 100 Spiele pro Saison obendrauf kommen. Das heißt, das Interesse an solchen Begegnungen zwischen zwei Topteams sinkt, da es immer mehr davon geben wird. Zum anderen hat sich der Zugang dazu in den vergangenen Jahren drastisch geändert. Natürlich gab es auch früher schon Sky und andere Pay-TV-Anbieter, die Spiele übertragen haben. Aber zu dieser Zeit kam wenigstens überhaupt noch etwas im Free-TV. Heutzutage kann man nicht einmal mit zwei Abos das ganze Programm sehen.

"Ich war dankbar dafür, was übertragen wurde." – Max Bruns

Trotzdem haben viele Fußballinteressierte diese Abos abgeschlossen – so auch ich. Dadurch findet bei mir eine Reizüberflutung statt. Denn wenn ich schon 30 Euro im Monat dafür ausgebe, will ich auch alles davon haben. So kommt es, dass ich teilweise auf drei, ja drei, Geräten gleichzeitig Fußball streame. Früher habe ich mich damit zufriedengegeben, unter der Woche ein Spiel live zu schauen. Ich war dankbar dafür, was übertragen wurde. Dass ich mir heutzutage aber in meinem Zimmer mit den ganzen Bildschirmen vorkomme wie der Mann aus der Regie und damit auch noch komplett überfordert bin, merke ich erst in dem Moment, in dem ich dann wieder zum Smartphone greife.

Das wahre Problem dabei ist, dass das eigentliche Vorhaben – ein Fußballspiel, mit all seinen Emotionen, Taktiken, Toren, Fouls und Fehlschüssen anzuschauen und zu genießen – genau durch diese Überflutung zu einer Nebenbeschäftigung wird. Kein Mensch kann sich auf drei verschiedene Fußballspiele gleichzeitig konzentrieren. Und das führt dann dazu, dass ich mir, aus Angst, etwas verpasst zu haben, von jedem Spiel meistens noch einmal die jeweiligen Highlights anschaue. Total absurd, ich weiß.

Wie also dagegen ankämpfen? Ich könnte meine Abos kündigen. Aber das will ich nicht. Ich bin nach wie vor Fußballfan und interessiere mich neben der Bundesliga eben auch für die internationalen Ligen und Pokalwettbewerbe. Was also dann? Der Fußball muss meiner Meinung nach eine Rolle rückwärts machen. Statt der neuen Champions-League-Reform, die noch mehr Spiele vorsieht, sollten eher weniger stattfinden. Fußball sollte wieder etwas Besonderes sein und nicht an jedem Tag von 19-23 Uhr auf drei verschiedenen Kanälen laufen. Auch wenn es immer ums Geld geht, würde eine Rückkehr der Spiele ins Free-TV enorm helfen. So würde man auch wieder jene Fans gewinnen, die sich seit der drastischen Kommerzialisierung vom Fußball abgewandt haben. Macht diese Nebensache endlich wieder zur schönsten Nebensache der Welt.