Um solche Müllinseln künftig zu vermeiden, passiert vonseiten der Politik nur wenig. | Bild: Pixabay

Blickwinkel Einweg-Plastik
Während der achte Kontinent wächst

Um solche Müllinseln künftig zu vermeiden, passiert vonseiten der Politik nur wenig. | Bild: Pixabay

18 Dec 2018

Es ist überall: An Urlaubsstränden, in Mägen von gigantischen Meeresbewohnern und im menschlichen Verdauungstrakt. Früher war Plastik ein Verpackung, die ihren Inhalt schützt. Heute gefährdet es Konsument und Umwelt. Doch mit der Bekämpfung des Problems kommt die Politik nur schleppend voran. Ein Kommentar. 

Wie ein Teppich bedeckt Plastik die Meeresoberfläche. Der größte Teppich der Welt – ein achter Kontinent wurde geschaffen. Langsam – zu langsam – reagiert darauf auch die EU: Die Abgeordneten des Parlaments haben sich Ende Oktober für ein Verbot von bestimmten Einweg-Plastikartikeln entschieden. Die EU-Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, Plastik im Meer bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren. Ein stolzes Ziel, das mit viel zu vorsichtigen Maßnahmen erreicht werden soll.

Dass einfache Regelungen oft Schlupflöcher haben, zeigt die kostenpflichtige Plastiktüte: „Nicht mit uns“ – denken sich Kunden – und quetschen ihren Einkauf in kostenlose Tüten aus der Gemüseabteilung. Schlupflöcher könnten sich bei der neuen Regelung die Hersteller von Einwegplastik zu Nutzen machen, indem sie Einwegverpackungen künftig als mehrfach verwendbar betiteln.

Sinnlose Verpackungen sind rentable Einnahmequellen

Die Kunststoffbranche ist mit 340 Millionen Euro Umsatz allein im Jahr 2015 eben eine rentable Einnahmequelle. Um den Gewinn weiter zu steigern, wurden unnötige Verpackungen auf den Markt gebracht: Eine Ananas beispielsweise wird von ihrer biologisch abbaubaren Schale befreit, um anschließend in eine nicht abbaubare Verpackung gezwängt zu werden. Praktisch, wenn man seine Ananas nicht selbst schälen muss. Aber Umwelt und Verbraucher zahlen dafür einen hohen Preis.

Selbst nachdem Wissenschaftler Mikroplastik im Körper nachgewiesen haben und noch nicht wissen, welche Auswirkungen das auf den Menschen hat, passiert vonseiten der Politik wenig. Bis die EU-Richtlinie endgültig beschlossen ist, vergehen Monate. Bis die schwerfälligen Mühlen der Gesetzgebung in den Mitgliedstaaten in Gang gebracht werden, um die Richtlinie in nationale Gesetze umzuwandeln, vergehen weitere Monate. Währenddessen wächst der achte Kontinent. Der Abrieb von Autoreifen bleibt dagegen ungeachtet einer der größten Verursacher von Mikroplastik und einige Hersteller in EU-Staaten füllen weiter fröhlich Getränke in Einwegbehältnisse. Dabei haben viele Alternativen ökologische und finanzielle Vorteile.

Wie Bequemlichkeit uns zum Verhängnis werden kann

Alle sind gefragt. Dabei geht es nicht nur um politisches Handeln. Und auch nicht darum, Kindern den Spaß an Luftballons zu verderben. Es geht darum, deren zukünftigen Lebensraum sorgsam zu behandeln. Es geht um Aufklärung, um Aktionen – auch von unabhängigen Institutionen.

Homo sapiens wäre ansonsten das erste Lebewesen, das sich möglicherweise selbst ein Ende setzt. Und zwar, indem der Grundstoff des achten Kontinents in seinen eigenen Körper zurückkehrt. So schnell kann aus Bequemlichkeit und Eigensinn Lebensgefahr werden.