Moritz spielt hauptsächlich Counter-Strike mit seinen Freunden. | Bild: Eva McGowan

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Moritz spielt hauptsächlich Counter-Strike mit seinen Freunden. | Bild: Eva McGowan

20 May 2019

Gaming hat sich verändert. Von Einzelspieler-Games zu Multiplayer-Onlinespielen. Heute können sich durch Online-Games Menschen über die ganze Welt miteinander vernetzen. Entstehen dabei wahre Freundschaften oder nur flüchtige Bekanntschaften?

Der Tag war hart und ist nicht verlaufen wie gehofft. Jetzt an den PC setzen und erst mal zocken, mit Freunden Zeit verbringen und quatschen, während man levelt. Einfach gemeinsam lachen, Spaß haben, gewinnen und auch verlieren. Eintauchen in eine andere Welt, in der tausende Menschen miteinander kommunizieren und spielen. Die Freundschaften, die sich dabei bilden, können allerdings auch über die digitale Welt hinausgehen.

Flucht in eine andere Welt

„Man muss sich das vorstellen, wie ein zweites Leben, das man da führt“ sagt Luzie. Sie ist 29 Jahre alt und arbeitet als Social Media-Managerin. Fünf Jahre lang hat sie täglich das Spiel Fiesta Online, ein Anime-Rollenspiel, gespielt. Erst waren die eigenen In-Game-Erfolge der Grund dafür sich an den PC zu setzen. Später, in einem höheren Levelbereich, setzte das Spiel voraus, dass man sich in einer Gilde – eine Gruppierung von mehreren Spielern – befindet, um weiter voranzukommen. Kontakt und Gruppenzusammenhalt wurden dadurch enger. Für Luzie wurde es zu einem „Lichtblick“.

Klicke auf Play um zu erfahren, welche Erfahrungen Luzie mit MMOGs gemacht hat. | Bild: Eva McGowan

Luzie erinnert sich, dass es in Unterhaltungen mit den anderen Spielern anfänglich nur um Themen innerhalb des Spiels ging. Erst mit der Zeit wurden die Gespräche persönlicher. Der Grund dafür war der ähnlich hohe Zeitaufwand, der von den verschiedenen Spielern investiert wurde. So hatte sich Vertrauen und eine gemeinsame Basis gebildet, auf der eine Freundschaft aufgebaut werden konnte. Darunter litten jedoch die Kontakte im echten Leben. „Ja, meine Familie und Freunde habe ich in der Zeit schon vernachlässigt“, sagt Luzie und kann heute darüber lachen. Mittlerweile spielt sie nicht mehr, hat aber noch Kontakt zu einigen Freunden aus dieser Zeit.

Alleine Computerspiele zu spielen macht keinen Spaß

Moritz hat andere Erfahrungen gemacht. Der 31-jährige Sozialarbeiter zockt seitdem er 14 ist – mittlerweile hauptsächlich Counter-Strike, ein Ego-Shooter-Videospiel. Online spielt er größtenteils mit Freunden, die er offline kennengelernt hat. „Mit fremden Leuten spielen, ist für mich nicht attraktiv.“

Klicke auf Play um zu erfahren, welche Erfahrungen Moritz mit MMOGs gemacht hat. | Bild: Eva McGowan

Moritz meint, dass selbst, wenn er mit Leuten spielt, die er noch nie getroffen hat und nur durch das Spielen kennenlernt, sich keine Freundschaften bilden. Wenn, dann „festigen sich die Freundschaften, die ich bereits habe, durch das gemeinsame spielen“. Besonders LAN-Partys in seiner Jugend haben ihn beeinflusst: Diese Partys habe man früher fast nur mit den Leuten geplant und veranstaltet, die man bereits kannte. „Meistens hat man auch in der Nähe voneinander gewohnt, weil einen Röhrenbildschirm weit zu transportieren nahezu unmöglich ist“, witzelt Moritz. Er zockt zwar bis heute, ein zweites Leben führe und führte er allerdings nicht: „Ich sehe das eher als Hobby, wie eine Sportart.“

Was passiert da sozial mit uns?

Emese Domahidi, Junior-Professorin am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Ilmenau, hat zu den sozialen Kontakten innerhalb von Online-Spielen geforscht. Bereits historisch habe sich gezeigt, dass für jedes neue Kommunikationsmedium die jeweiligen Auswirkungen auf soziale Kontakte beobachtet werden. Beispielsweise nach der Erfindung des Telefons oder des Teletextes.

Da das Internet und somit auch Online-Spiele ein Massenmedium geworden sind, sei die Frage nach „Was passiert da sozial mit uns?“ aktueller denn je.

Dr. Emese Domahidi berichtet von Ihren Forschungen zum Thema „Soziale Kontakte innerhalb Online-Games“. | Bild: Technische Universität Ilmenau

Ein Ergebnis ihrer Studien war, dass Personen, die spielen, sich sozial nicht von denen unterscheiden, die es nicht tun. „Spielerinnen und Spieler knüpfen genauso Kontakte, wie es jemand in einem Sportverein oder Fitnessstudio auch machen würde“, so Domahidi. Es gäbe also sowohl Leute, die in Online-Spielen neue Freundschaften schließen, als auch Menschen, die allein oder nur mit bestehenden Freunden zocken. Ein enger Bekanntenkreis durch Online-Spiele lässt sich beispielsweise in der kommerziellen eSports-Branche finden. Das läge allerdings daran, dass das Hobby zur Arbeit wurde. Für die meisten wirke sich Spielen allerdings nicht auf das Offline-Leben aus, schätzt Domahidi. Allein die Nutzerzahlen seien so hoch, dass „ein zweites Leben bei jedem Gamer unmöglich ist“.

Nichtsdestotrotz gibt es Privatpersonen wie Luzie, die enge Bindungen eingehen. Solche Bindungen entstehen, so Domahidi, aber auch in anderen Situationen „wie in einem Fußballverein oder vielleicht bei der Arbeit – Kollegen werden zu Freunden“. Dementsprechend kann infrage gestellt werden, ob Gaming-Freundschaften tatsächlich keine Auswirkungen auf das reelle Leben haben.

Zukünftig nur noch gemeinsam?

Der Trend entwickle sich in Richtung soziales, also gemeinsames Spielen: „Viele spielen nur noch mit ihren Offline- oder Online-Freunden.“ Games wie FIFA oder Pokémon Go würden das beeinflussen. Das habe aber keine bedeutende Veränderung der sozialen Kontakte im Allgemeinen zur Folge, da der Grund für jede Freundschaft die benötigte soziale Unterstützung sei. „Wir brauchen emotionalen Beistand. Diesen können wir sowohl online, als auch offline erhalten“, so Domahidi.