Fast wie früher: Kegeln in der virtuellen Welt mit der Memore Box bringt Spaß und fördert die sozialen Kontakte. | Bild: RetroBrain R&D

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Fast wie früher: Kegeln in der virtuellen Welt mit der Memore Box bringt Spaß und fördert die sozialen Kontakte. | Bild: RetroBrain R&D

31 Jan 2019

Früher Kartenspiele, heute Spielekonsolen. Auch ältere Menschen spielen in der virtuellen Welt, jedoch steht diesmal nicht der Spaß im Vordergrund. Die spezielle Konsole Memore Box“ soll als Prävention gegen Demenz und Parkinson dienen. Doch funktioniert die Zusatz-Therapiemethode wirklich?

Das Start-Up Unternehmen „RetroBrain“ aus Hamburg bringt digitale Technik ins Altersheim. Die Spielkonsole wurde speziell für Demenzkranke und körperlich eingeschränkte Menschen konzipiert und soll den Senioren dabei helfen Koordinations- und Reaktionsvermögen, motorische Fähigkeiten und das Gehvermögen zu trainieren und so länger zu erhalten. Programmiert von einem Expertenteam aus Wissenschaftlern, Pflegern und Spieleentwickler, verfügt die Memore Box über therapeutische Videospiele, die mit leichten Körperbewegungen im Sitzen und Stehen gesteuert werden. Mit der einfachen Bedienung soll sie Freude, aber auch Verbesserung der Krankheitssymptome in die Pflegeheime bringen. Das Projekt wurde in dem Heim Hospital zum Heiligen Geist in Hamburg als Pilotenphase von September 2016 bis April 2018 wissenschaftlich begleitet. 

Der Weg der Memore Box mit Zusatzinformationen anhand einer Infografik | Bild: Valerie Schramm, Katharina Hix

Die ersten Spielestunden mit der Memore Box

Die Spiele wurden bewusst realitätsnah entwickelt, um die Senioren in das alltägliche Tagesgeschehen weiterhin zu involvieren und die Freude durch das Aufrufen alter Erinnerungen zu steigern. Jedes Spiel fördert und trainiert andere Bewegungen und Reaktionen. Der Ausflug in die virtuelle Welt sorgt für ein unterhaltsames Beisammensein in den Heimen und fördert die Kommunikation der Bewohner untereinander.

Im Malteserstift St. Bonifatius in Essen ist die Memore-Box bereits seit etwa eineinhalb Jahren in Gebrauch. Zwar nicht, wie ursprünglich geplant als Therapiemethode, aber die Bewohner freuen sich immer sehr auf die Spielstunden. „Leider können wir die Spiele bei vielen Demenzkranken nicht anwenden. Es kommt immer auf die Stufe der Demenz an. Bewohner mit leichter Demenz können teilnehmen, aber bei stärkeren Fällen ist das Kurzzeitgedächtnis so beeinflusst, dass es zu kompliziert wäre, jedes Mal den Spielablauf zu erklären und zu begleiten. Es hat sich jedoch sehr positiv auf Schlaganfallpatienten ausgewirkt.“, erzählt Muris Podrug, Fachkraft für Sozialpsychiatrie. Jedoch bemerke man eine grundsätzliche Verbesserung aller Teilnehmer, sowie eine Steigerung der Motivation und Sozialkontakten. Negative Erlebnisse kann das Pflegeheim in Essen nicht verzeichnen, sagt Podrug. Selbst anfängliche Skeptiker wären nach der ersten Runde kegeln oder der Motorradfahrt begeistert. 

Auch Raffael Käsch, der die Einführung der Memore Boxen in die Malteser Heime initiiert hat, äußert sich überwiegend positiv. Er habe im Jahr 2017 die Anfrage zu den wissenschaftlichen Spielekonsolen erhalten. „Die Einrichtungen hatten jedoch nie die Anweisung, den Gebrauch wissenschaftlich zu begleiten oder die Verbesserung einzelner Patienten zu datieren. Der therapeutische Aspekt stand für uns nicht im Vordergrund.“, erzählt Käsch. Vielmehr sei es das Ziel, die Senioren zu motivieren, um so ein positive Grundstimmung und Gemeinschaft in den Altenheimen zu gewährleisten. „Jemand, der nicht aus der Pflege kommt, kann gar nicht nachvollziehen, was das ausmacht, wenn ein paar Spielfreudige eine ganze Gruppe an griesgrämigen Senioren aufheitern. Das verbessert den Zustand der ganzen Gruppe.“

Was die Memore Box kann

Den tatsächlichen Erfolg im Kampf gegen Krankheiten wie Demenz und Parkinson konnte auch die wissenschaftliche Begleitung der Pilotenprojekte nicht beweisen. Jedoch ließen sich hier „signifikante Verbesserungen der geistigen Leistungsfähigkeit, der Stand- und Gangsicherheit, der Motorik-, Ausdauer-, und Koordinationsfähigkeit“ feststellen, sowie „mittelstarke Verbesserungen in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, die sich noch als statistisch signifikant herausstellen muss“, wie die Website über die Memore-Box über ihre Kooperation mit der Barmer GEK berichtet.

Nun bleibt offen, ob die Memore-Box in den Heimen festen Bestand findet. Eins ist jedoch klar, die virtuelle Welt in den Seniorenheimen ist nicht mehr neu. Der Umgang mit Spielkonsolen, wie die Wii, iPads, Computern oder Smartphones ist auch bei Senioren ein täglicher Einsatz.

Das Kegeln mit der Memore Box erinnert die Senioren an die alten Zeiten. Auf der Kommode links ist die Memore Box zu erkennen. | Bild: RetroBrain R&D
Die Sonntagsfahrt auf dem Motorrad bringt Lebensfreude zurück in die Altersheime. | Bild: RetroBrain R&D
Alle Fragen wurden korrekt beantwortet. Was für ein erfolgreicher Spieltag! | Bild: RetroBrain R&D