Umweltkunst

Klimawandel auf Leinwand

Künstler malt Meer
Maarten Demmink malt die Auswirkungen des Klimawandels, die er auf seinen Reisen beobachten konnte. | Quelle: Maarten Demmink
15. Mai 2024

Stürmische Wasserfluten prallen gegen die Wände eines Familienhauses. Umweltkünstler Demiak malt die Auswirkungen des Klimawandels, die viele Menschen in Europa nach der Tagesschau schnell wieder vergessen. Seine Kunst soll ein Denkmal sein, aber kann das wirklich die Welt retten?

In der Zeit von 2015 bis 2016 hast du an einer Serie von Kunstwerken gearbeitet, die sich ganz dem Thema Hurricanes und Überflutungen widmete.

Wie bist du darauf gekommen, diese Reihe zu starten?

Zu dieser Zeit machte ich mir viele Gedanken darüber, wie wichtig es ist, ein sicheres Zuhause zu haben.

Vor einigen Jahren ergab sich für mich die Möglichkeit, nach Malaysia zu reisen. Dort sah ich zerstörte Häuser und Straßen. Es waren die direkten Auswirkungen des Tsunamis, der 2004 in Ostasien stattgefunden hat.

2005 wütete in den Vereinigten Staaten der Hurricane Katrina. Einige Zeit nach diesem Ereignis unternahm ich eine Reise in die USA.  Es war bereits sechs Jahre später und die Menschen in New Orleans berichteten immer noch von den schrecklichen Auswirkungen der Naturkatastrophe. Nachdem der Hurricane ihre Häuser zerstörte, kämpften sie immer noch damit, sich ein neues Zuhause aufzubauen. 

Beim Erschaffen dieser Gemälde orientierte der Künstler sich an Fotografien, Gesprächen und den eigenen Beobachtungen vor Ort. | Quelle: Maarten Demmink
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| Quelle: Maarten Demmink

Welcher Aspekt deiner Reisen hat dich besonders zum Nachdenken angeregt?

Mir ist durch die Reisen aufgefallen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung solcher Katastrophen in Europa im Vergleich zu den betroffenen Gebieten ist. Hier richten wir unsere Aufmerksamkeit schnell wieder auf ein neues Thema, aber für die Menschen in Malaysia oder New Orleans ist das nicht so einfach. Wir müssen uns keine Sorgen über Tsunamis oder Hurricanes machen. Die Menschen dort hingegen sind an solche Katastrophen gewöhnt. Sie sind daran gewöhnt, sich in ihrem eigenen Zuhause nicht sicher fühlen zu können und dass ein Dach über dem Kopf zu haben keine Selbstverständlichkeit ist. Es ist etwas, wofür sie wirklich arbeiten müssen.

Wolltest du deswegen mit deinen Kunstwerken bestimmte Gefühle ausdrücken?

Eigentlich geht es mir gar nicht darum, bestimmte Gefühle auszudrücken. Viele meiner Bilder sollen eher dokumentarisch sein. Es geht darum, in Erinnerung zu behalten, was passiert ist. Wie ein Denkmal.

Und was hast du selbst gefühlt, als du die Reihe produziert hast?

Ich habe so viel gleichzeitig gefühlt. Schock, Mitgefühl, aber auch Dankbarkeit dafür, dass mein Leben eigentlich doch ganz in Ordnung ist.

Gab es einen Moment, in dem du das Gefühl hattest, deine Kunst könnte einen echten Einfluss auf den Klimawandel haben?

Nein, ich glaube nicht, dass man Menschen so einfach ändern kann, und es geht mir auch gar nicht darum, Menschen zu verändern.

Aber Veränderung zeigt sich ja nicht nur in Taten, sondern kann auch in den Gedanken beginnen. Denkst du nicht, dass deine Gemälde Menschen ernsthaft zum Nachdenken anregen könnten?

Das würde ich gerne denken, aber ich glaube nicht. Ich glaube, wenn man nur darauf baut, Einzelpersonen von einem nachhaltigeren Lebensstil zu überzeugen, würde es Jahrzehnte dauern, bis sich Dinge in unserer Gesellschaft ernsthaft verändern. Und ich glaube, das ist nicht schnell genug.

Es ist die Aufgabe der Regierungen weltweit, etwas zu unternehmen. Das ist der einzige Weg, unseren Planeten zu retten.

„Es ist die Aufgabe der Regierungen weltweit, etwas zu unternehmen. Das ist der einzige Weg, unseren Planeten zu retten.“

Maarten Demmink

Warum machst du dann Umweltkunst?

Ich denke schon, dass Kunst Menschen inspirieren kann, aber auf eine viel allgemeinere Weise. Ich möchte Menschen mit meinen Werken darauf aufmerksam machen, das Leben zu genießen und die Welt zu schätzen.

Welche Reaktionen hast du auf die Bilderreihe bekommen?

Vor einigen Jahren stellte ich meine Werke auf einer Show in Paris aus. Die Reaktionen, die ich dort erhielt, gingen nur in zwei Richtungen: Entweder fanden die Menschen die Bilder traurig oder sie fanden sie einfach nur künstlerisch ansprechend. Ich will aber, dass meine Kunst noch viele weitere Gefühlspunkte trifft. Natürlich geht es darum, was wir unserem Planeten, unseren Meeren und Wäldern antun, und natürlich ist das traurig, aber ich möchte auch Gefühle wie Hoffnung ausdrücken. Ich will Gefühle ausdrücken, die sagen: „Wow, unser Planet ist so toll und alles um mich herum, alles, was ich sehe, ist so wunderschön!“

Deshalb habe ich mich später dazu entschieden, abstraktere Kunstwerke zu malen, die mehr Raum zur Interpretation lassen.

Kannst du mir von einem deiner neueren Kunstwerke erzählen?

In diesem Gemälde sieht man zwei komplett unterschiedliche Welten. Die eine überflutet und die andere viel zu trocken. Was ich damit zeigen will, ist, dass beide dieser Welten, so extrem sie auch sind, tatsächlich existieren, und das zur exakt gleichen Zeit und näher beieinander, als man denkt.

Auf Maarten Demminks Werken sind nie Menschen zu sehen. Er möchte den Fokus bewusst nur auf die Spuren richten, die Menschen hinterlassen.
Quelle: Maarten Demmink

Auf welche Weise betrifft dich das Thema Klimawandel persönlich?

Ich bin sehr besorgt um unsere Zukunft, aber ich bin auch besorgt darüber, dass die Regierung die Verantwortung, den Planeten zu retten, komplett einzelnen Menschen überlässt, und ich fürchte, dass das nicht funktionieren wird.

Du bist also der Meinung, dass wir als Gesellschaft die Welt nicht retten können, sondern die Regierung mehr tun sollte?

Ja. Das, was wir tun können, ist, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn wir wählen gehen.

Wem würdest du deine Kunstwerke gerne unter die Nase halten und sagen: „Siehst du, das passiert gerade mit unserer Welt“?

Es wäre verrückt zu denken, ich könnte seine Einstellungen verändern, wenn ich beispielsweise Trump meine Kunst zeigen würde. Ich glaube, das wird niemals passieren.

Aber wenn wir uns vorstellen, du könntest seine Einstellung mit deiner Kunst doch verändern?

Wenn das so funktionieren würde, würde ich ihm eins meiner Werke sofort zusenden, und zwar kostenlos.