GIRLS ON FILM 3 Minuten

Ein Pakt mit Glanz und Glamour

Auf dem Bild ist auf einem roten Hintergrund auf der linken Seite eine Person zu sehen. Man erkennt nur die schwarzen Umrisse, aber kein Gesicht. Auf der Person steht in weißer Schrift "Andy Sachs". Auf der rechten Seite ist ebenfalls mit schwarzen Umrissen eine Filmkamera zu sehen.
Erfolg sieht gut aus – aber fühlt er sich auch richtig an? | Quelle: Annika Taube: Symbolbild
11. Juni 2026

Mädchen werden von weiblichen Charakteren im Film geprägt. Aber was passiert, wenn die Filmindustrie die wahren Geschichten dieser Frauen verstecken möchte? Sind es wirklich die Charaktere, die wir bewundern oder nur die Idee von ihnen? Girls on Film schaut genauer hin, heute: Andy Sachs – die Frau, die durch ihren Job vergessen hat, wer sie wirklich ist. 

Welches Mädchen hat früher nicht die hohen Schuhe von Mama anprobiert und darin große Dame gespielt? High Heels, Eleganz, Glamour – das ist die Welt in „Der Teufel trägt Prada“ (2006). Ich liebe diesen Film schon von klein auf. Abends habe ich ihn auf dem Sofa mit meiner Mum angesehen. Vielleicht waren es die hübschen Kleider oder dieser große Kontrast von Weltstadt zu meinem damaligen Kleinstadtleben, ich weiß nur: Ich wollte unbedingt wie Andy Sachs werden. Paradoxerweise kennzeichnet sich der Film dadurch, dass Andy ihre eigene Persönlichkeit für den Job aufgibt. Heute merke ich, wie die Frauen dabei in typische Rollen gepresst werden. 

Andy ist in der Modewelt fremd. Sie hat den Traum, Journalistin zu werden, und erhofft sich beim Modemagazin Runway als Assistentin einen erfolgreichen Karrierestart. Mit Andy und Runway prallen zwei Welten aufeinander. Die eine wird von Menschen geformt, die durch Äußerlichkeiten verlernt haben, die Schönheit der inneren Werte zu sehen. Die andere ist naiv genug, zu glauben, in dieser Welt einen Platz zu finden, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Man wird Zeuge von der Erfüllung sämtlicher Klischees in der Modewelt. Eine Welt der Schönheitsideale im 90-60-90-Format. Bei der heutigen Vielfalt und Offenheit nahezu unvorstellbar. Damals bittere Realität. 

Wo Träume Maß nehmen

Die Chefin Miranda Priestly wird in der Führungsposition als grausam und kalt dargestellt. Wäre Miranda ein Mann, würde man sie als kompetent und durchsetzungsfähig bezeichnen. Dabei darf man nicht vergessen, dass sie selbst nur ein Produkt der Perfektion ist, die aus einem patriarchalen System hervorgeht. Dem gegenüber steht Andy mit dem Versuch, auch ohne Verlust der Menschlichkeit erfolgreich zu sein. Die Frauen sind dabei entweder der Teufel oder die unterwürfigen Marionetten in diesem Spiel des Lebens. Auch Andy wird zu einer dieser Runway-Püppchen, denn schließlich „würden Millionen junger Frauen für diesen Job sterben“. Eine Aussage, die immer wieder Platz im Film findet. Ich frage mich, wie weit ich gehen würde, um meine Träume zu erfüllen. Sage ich, was ich denke, oder sage ich nur das, was andere von mir hören wollen? Wären das dann überhaupt noch meine eigenen Entscheidungen? Die Chance, sich in diesem Prozess selbst zu verlieren, ist dabei hoch.

„Millionen Frauen würden für diesen Job sterben.“
Emily Charlton aus Der Teufel trägt Prada

Der Druck, sich zu fügen, wird immer größer, bis sich die modefremde junge Frau vom Beginn des Films zu einer stilvollen Dame wandelt. Doch dafür bezahlt sie einen hohen Preis. Ihr Privatleben kommt zu kurz, für Freunde und Beziehung bleibt kaum noch Zeit. Sie verliert immer mehr an der Andy, welche wir am Filmanfang kennengelernt haben. Es wirkt, als wären gesellschaftliche Sichtbarkeit und berufliche Anerkennung nur durch die Erfüllung der Norm möglich. Ein dramatischer Identitätsverlust. Ein toxischer Kreis, aufgelöst durch den Zwang der Selbstbehauptung. 

Der Preis des weiblichen Erfolgs

Am Ende des Films reflektiert Andy, was der Job von ihr verlangt. Den trotz Erfolg und Ruhm leben die Frauen hinter einer Fassade. Sie geben mit dem Job die Freiheit auf, sie selbst zu sein, und werden Funktionäre in einem übergeordneten System. Auf mich wirkt es, als wolle der Film Frauen jegliche Lust auf beruflich höher gestellte Positionen kaputtreden und ihnen prophezeien, was sie erwartet. Das Thema der gesellschaftlichen Gleichstellung wird dadurch zunehmend in den Blick genommen. Ich denke dabei an meine eigene Zukunft und frage mich, was mich als angehende Journalistin erwarten wird. Trotz 20 vergangener Jahre und Veränderungen ist man bei dem Thema immer noch nicht an dem Punkt, an welchem man sein sollte. Ich denke an das kleine Mädchen von damals, das sich von Glanz und Glamour hat blenden lassen. 

Hinweis: 

Dieser Beitrag ist Teil des Kolumnenformats „Girls on Film". Weitere Folgen der Kolumne sind:

Das Aschenputtel des Boulevards

Die Freiheit niemandem zu gehören

Allein unter Helfern