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Kultur&Gesellschaft

Kunst leben
Immer Hoch oder Tief – keine Konstante

Manchmal steht Fee auch selbst vor der Kamera | Bild: Felicitas Jander

Kunst leben Immer Hoch oder Tief – keine Konstante

Manchmal steht Fee auch selbst vor der Kamera | Bild: Felicitas Jander
 

30 Jan 2021

Ein Leben im Zeichen der Kunst. Was für die meisten Menschen unvorstellbar wäre, ist für Fee der einzig richtige Weg. Sie hat kein Problem mit der Ungewissheit - und keine Angst vor der Zukunft.

Lena Klasen

Crossmedia Redaktion/ Public Relations
seit Wintersemester 2019
Journalismus

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Freiberufliche Fotografin, der erste eigene Film in Produktion, außerdem ein eigener Secondhandladen in Würzburg und nebenbei lernt sie noch Russisch: Das Leben der 20-jährigen Felicitas Jander, kurz Fee, ist schwer in wenige Worte zu packen. Woher sie Inspiration bekommt, welche Rolle Träume für sie spielen und was an ihrem unkonventionellen Leben so besonders ist.

Fee, du machst so viele verschiedene Sachen. Wenn du nach deinem Beruf gefragt wirst, was sagst du dann?
Ich bin Fotografin mit Nebenberuf im eigenen Secondhandladen.

Warum Fotografie?
Ich bin, schon seit ich klein bin, absolut begeistert von Fotografie, meine erste Kamera hab´ ich mit 12 bekommen. Durch Fotos kann ich meine Sicht auf die Welt anderen Leuten zeigen. Ich kann Menschen, die sich selbst manchmal gar nicht schön finden, ihre eigene Schönheit zeigen, dass macht Fotografie für mich so absolut besonders.

Wie sieht das schönste Foto aus, das du jemals gemacht hast?
Meine schönsten Fotos sind immer mit besonderen Momenten verbunden. Ich war mal mit Freundinnen auf Korsika und den ganzen Tag hat sich ein Gewitter angedeutet. Und genau in dem Moment als ich das Bild gemacht habe – von meiner Freundin auf einem Felsen – sind die Wellen über ihr gebrochen. Alles hat sich entladen und überall war Wasser. Das war so ein schöner Moment.

 

Frau auf einem Fels, über dem gerade das Wasser bricht Die schönsten Bilder enthalten Erinnerungen. | Bild: Felicitas Jander

Du hast dich schon mit 18 Jahren selbstständig gemacht und die Schule abgebrochen, wie war das für dich?
Die pure Erleichterung. Ich habe einfach gar nicht in das System Schule gepasst. Ich habe es gehasst zu lernen, obwohl ich es eigentlich liebe. Im Moment zum Beispiel versuche ich nebenbei Russisch zu lernen.

Aber wenn du so gerne gelernt hast, wo war dein Problem mit der Schule?
Niemand wird individuell gefördert und es wird gar keine Kreativität und Leidenschaft vermittelt. Als Künstler bewegt man sich immer in Hochs oder Tiefs. Manchmal arbeitet man nächtelang durch und dafür kommt dann tagelang nichts, aber das ist okay. Es gibt keine Konstante, für mich ist das was Gutes. Aber es passt nicht in das System Schule.

Wie fühlt sich so ein Hoch an?
Ein Hoch ist, wenn viele Projekte verwirklicht werden und Aufträge reinkommen, in die man die eigene Leidenschaft und Kreativität zu einhundert Prozent reinstecken kann.

Ein Hoch ist, wenn man für etwas brennt. – Felicitas Jander

Die meisten entscheiden sich für einen festen Job, du hast direkt mehrere und alle sind kreativ. Was ist das Schönste an deiner Art zu leben?
Ich denke, einfach dass ich nicht eine Sache mein Leben lang machen muss, sondern verschiedenste Projekte verwirklichen kann. Einfach das machen, wofür ich gerade am meisten brenne und mich nicht irgendwo reinzwängen, nur weil das halt mein Job ist. Bei mir ist das jetzt seit vielen Jahren das Gleiche, aber das muss auch nicht so bleiben.

Bekommst du auch mal Gegenwind?
Seit ich den Laden hab kaum. Meine Mutter ist selbst Künstlerin, das hat auf jeden Fall sehr geholfen. Für meine Vater wars aber schon schwieriger zu verstehen, warum in meiner Welt der glücklichste Weg ist, eben nicht zu wissen was für ein Weg jetzt kommt.

Du hast euren Secondhandladen, das „Kapitel 2“, angesprochen. Wobei Secondhandladen dem ganzen ja eigentlich nicht gerecht wird – wie beschreibst du das Kapitel?
Es ist ein Kulturraum, der hauptsächlich auf Secondhand aus ist, weswegen wir auch normale Öffnungszeiten haben. Dann hab ich aber auch noch ein kleines Fotostudio drinnen, um meine Projekte realisieren zu können, außerdem gibt es ein Tattoostudio von Freundinnen und ein Tonstudio, das von ein paar Jungs geführt wird.

Wie kamt ihr auf so ein Konzept?
Wir mussten uns entscheiden, ob wir einen ganz kleinen Laden in der Innenstadt nehmen oder eben eine große Halle ein bisschen außerhalb. Da war´s für uns klar, dass wir den großen Laden nehmen und Lust haben richtig viel machen zu können: Veranstaltungen auf unserer kleinen Bühne, abends waren – vor Corona – immer Kurse wie Acroyoga oder Infoabende und das können wir hier halt alles machen. Wir sind nicht an eine Sache gebunden.

Wenn du wir sagst, meinst du dich und deinen Freund Konrad Oertel mit dem gemeinsam du das Kapitel eröffnet hast. Was für eine Rolle spielen andere Menschen für dich?
Das ist ein sehr starkes Thema bei mir, weil ich durch Corona gemerkt hab, dass ich diesen nahen Menschenkontakt und dieses enge Verhältnis zu Menschen so dringend brauche. Und es teilweise dann nicht möglich war, vor allem dann auch noch in einer neuen Stadt. Ich wohne jetzt schon zweieinhalb Jahre hier in Würzburg, aber trotzdem ist es noch nicht so wie in der Heimat, wo du wirklich 100 Menschen liebst und komplett dein Herz gegeben hast.

Und in deiner Arbeit? Inspirieren dich dort andere?
Voll. Also ich nehme andere Menschen sehr sehr stark in mich auf. Wenn ich zum Beispiel jemanden tanzen sehe, dann übertrage ich oft Tanzgefühle von diesem Menschen in mich beim Tanzen. Das Gleiche beim Malen. Also ich glaube bei sehr vielen Dingen nehme ich andere Menschen einfach sehr stark in mich auf und nehm sie mit.

Woher bekommst du sonst Inspiration?
Träume. Träume und Nächte. In Nächten wache ich manchmal plötzlich auf – also ich habe nicht geschlafen, ich war schon ganz normal da, – aber plötzlich kommt in mir eine Welt auf, in der ich fliegen kann und sowas erlebe ich wirklich nur nachts.

Du hast dir ja nicht gerade einen sicheren Beruf ausgesucht. Wie siehst du in die Zukunft?
Ich hab` keine Angst vor der Zukunft. Ich kann mir vorstellen, irgendwann eine Schreinerausbildung zu machen, weil ich es liebe, handwerklich zu arbeiten. Und so könnte ich, auch wenn ich mal Kinder habe und vielleicht über längere Zeit hinweg keinen kreativen Input bekomme, immer noch handwerklich den Menschen aushelfen und da mein Geld verdienen. Aber das weiß ich noch nicht.

Gibt es irgendwas, das du unbedingt noch machen willst?
Ich denke, dass ich noch eine längere Fotoreise machen möchte, vorzugsweise nach Indien. Und ansonsten will ich mit Ende 20 einen Gemeinschaftsbauernhof gründen, wo ganz viele Köpfe und kreative Menschen zusammenkommen und sich zwar niederlassen können, aber dabei immer noch ständig Neues erleben. Damit man nicht diese Angst vor dem Alter bekommt, sondern sich einfach freut, weil es nochmal ein komplett neues Kapitel ist.

Und gibt es auch eine Entscheidung, die du bereust oder im Nachhinein anders machen würdest?
Nö, aber ich bin auch generell der Meinung, dass man nichts bereuen darf. Also gar nichts.