Braucht man Beschimpfungen wie „schwul“ und „behindert“ überhaupt? | Bild: Pixabay

Blickwinkel Beiläufige Diskriminierung
Erst denken, dann reden

Braucht man Beschimpfungen wie „schwul“ und „behindert“ überhaupt? | Bild: Pixabay

19 Dec 2018

Wenn dieser „behinderte“ Lehrer wieder irgendwelche „schwulen“ Vokabeln aufgibt, kann einen das schon aufregen. Doch kann man das nicht anders sagen? Unsere Sprache sollte vielseitig genug sein, als dass man diese an sich wertfreien Adjektive nicht in den Schmutz ziehen muss. Ein Kommentar.

„Boah der Lehrer ist so behindert!“ und „Das ist doch schwul“, sind Ausdrücke, die man nicht selten auf Schulhöfen zu hören kriegt. Kinder und Jugendliche sagen diese Worte, ohne groß darüber nachzudenken. Wie kann es passieren, dass ein Kind für das Kaugummikauen einen Verweis bekommt, nicht aber für die abwertende Nutzung von Wörtern wie „schwul“ und „behindert“? Es ist an der Zeit aufzuhören, Bezeichnungen für ganze Bevölkerungsgruppen lapidar als Beleidigung zu gebrauchen. Jeder Einzelne muss anfangen, sich mehr Gedanken um unsere Sprache zu machen. 

Warum man sich Gedanken machen sollte

Der negative Beiklang dieser Worte in unserem Sprachgebrauch entspringt einer Zeit, in der Homosexuelle in der Gesellschaft nicht akzeptiert wurden. Einer Zeit, in der körperlich und geistig beeinträchtigte Personen als Belastung empfunden wurden, die ausgelacht werden durften, die nicht gewollt waren. Das ist heute anders. Die Reality Show „RuPaul’s Dragrace“, in der der Transvestie Künstler RuPaul nach dem nächsten Drag Queen Superstar sucht, hat letztes Jahr einen Emmy gewonnen und ist bereits so beliebt, dass es ab diesem Jahr ein europäisches Format geben wird. Jamie Brewer, eine amerikanische Schauspielerin mit Trisomie 21, ist Mitglied des Casts der ebenfalls Emmy prämierten Serie „American Horror Story“. Man sollte also meinen, dass Menschen eine Sensibilität entwickelt haben. Aber nein. Es passt nicht zusammen, vorzugeben Homosexualität akzeptiert zu haben, aber trotzdem, ohne jegliche Bedenken, Exklamationen des Unmuts mit „schwul“ zu deklamieren. Auch bei dem Adjektiv „behindert“ scheint niemand mehr darüber nachzudenken, was es eigentlich bedeutet. Bei näherer Betrachtung der Wortwahl müsste einem wenigstens ansatzweise empathischen Menschen bewusst werden, wie falsch und rückständig es ist, weiterhin so zu schimpfen. 

Veränderung ist schwer, aber nicht unmöglich

Es sind Bezeichnungen, die ursprünglich nie als Beleidigung gedacht waren. Bezeichnungen, die unsere Gesellschaft spalten. Wir leben momentan in einer Zeit des Fortschritts und des Wandels. Wie Kinder mit Freunden oder zu Hause reden, kann man nicht kontrollieren. Auf dem Schulhof sollte es jedoch diesbezüglich Regeln geben. Regeln, wie keinen Mittelfinger zeigen oder Kaugummikauen, gibt es schon längst. Somit sollte es keinen großen Aufwand darstellen, darauf zu achten, diese Begriffe korrekt zu nutzen. Die Aufgabe der Lehrer ist es, ihre Schüler besser aufzuklären und ihnen neben Geschichte, Biologie und Mathematik eine wichtige Sache für das Leben beizubringen: erst denken, dann reden.