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Die Sterbehilfe ist in Deutschland umstritten. (Symbolbild) | Bild: Johannes Volz

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Darf ich bitte sterben?

Die Sterbehilfe ist in Deutschland umstritten. (Symbolbild) | Bild: Johannes Volz

26 Jan 2020

Die Frage, ob Menschen anderen Menschen dabei helfen dürfen, sich umzubringen, spaltet die Gesellschaft. Viele Betroffene pochen auf das Selbstbestimmungsrecht im Grundgesetz, Gegner verweisen auf ein von Gott geschenktes Leben. Gibt es überhaupt ein richtig oder falsch? Ein Kommentar.

Stell dir vor, du kannst dich vom Hals abwärts nicht mehr bewegen, für jede Kleinigkeit brauchst du Hilfe und du weißt, Tag für Tag wird dein Gesundheitszustand schlechter. In dieser Situation ist Harald Mayer, ehemaliger Feuerwehrmann und seit zwei Jahrzehnten an Multipler Sklerose erkrankt. Er möchte nicht mehr auf seinen Tod warten, sondern selbst entscheiden, wann er bereit ist, zu gehen. Und meiner Meinung nach sollte er es auch dürfen.

Sein Arzt würde ihm bei seinem letzten Willen gerne helfen, doch er darf es nicht. In einer emotionalen Debatte hat der Bundestag 2015 die geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten. Darunter fällt bereits die einmalige Beihilfe zum Suizid einer Person.  Für viele Juristen und Betroffene verstößt dieses Verbot gegen das Selbstbestimmungsrecht im Grundgesetz. Sie klagten gegen das Bundesinstitut für Arzneimittel, auf Herausgabe eines tödlichen Medikaments und bekamen Recht. Trotz des gültigen Urteils lehnte die Behörde die Ausgabe des Medikaments, auf Anweisung des Gesundheitsministers Jens Spahn, ab. 

Ausschnitte aus der Bundestagsdebatte zur Sterbehilfe. | Bild: Deutscher Bundestag
Ausschnitte aus der Bundestagsdebatte zur Sterbehilfe. | Bild: Deutscher Bundestag
Ausschnitte aus der Bundestagsdebatte zur Sterbehilfe. | Bild: Deutscher Bundestag
Ausschnitte aus der Bundestagsdebatte zur Sterbehilfe. | Bild: Deutscher Bundestag

Ein Gesundheitsminister spielt Gott

Einen Gesundheitsminister, der Gott spielt und darüber entscheidet, wie Menschen ihr Lebensende gestalten, halte ich für problematisch. Für Jens Spahn ist die Sterbehilfe mit seinem katholischen Glauben nicht vereinbar. Laut der Kirche ist ein Leben von Gott gegeben und nur er darf es beenden. Wir können meiner Meinung nach niemandem vorschreiben, dass er unmenschliche Schmerzen ertragen muss, nur weil ein Gott ihn noch nicht gehen lassen will.

Gegner der Sterbehilfe verweisen meist auf die Palliativmedizin als Alternative. Hier werden Patienten mit unheilbaren Krankheiten betreut. Die Linderung von Schmerzen steht dabei im Vordergrund. Der Tod soll weder beschleunigt noch hinausgezögert werden. Für viele Patienten ist das bestimmt eine gute Lösung. Doch viele Menschen wollen nicht betäubt von Schmerzmitteln auf ihren Tod warten.

Dürfen wir über das Leben Anderer entscheiden? 

Trotzdem gibt es in der Sterbehilfe meiner Meinung nach kein Richtig und Falsch. Natürlich haben auch die Argumente der Gegner eine Berechtigung. Trotzdem glaube ich, dass es uns nicht zusteht, über das Leben anderer Menschen zu entscheiden. Ich weiß nicht wie es sich anfühlt, 24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen zu sein, unmenschliche Schmerzen zu haben und den ganzen Tag an das Bett gefesselt zu sein. Und weil ich diese Situation nicht kenne, kann ich Menschen nicht verurteilen, die einen Ausweg aus ihrem Leid suchen.  

Nur in diesen vier europäischen Ländern ist Sterbehilfe erlaubt:

Diese europäischen Länder haben liberalere Sterbehilfe-Gesetze als Deutschland. | Bild: Johannes Volz