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Kultur&Gemeinschaft

White Privilege
Cultural Appropriation: Rassistische Mode

MEINUNG
Wo genau liegt die Grenze der kulturellen Aneignung? | Bild: Martina Coluccia

White Privilege Cultural Appropriation: Rassistische Mode

Wo genau liegt die Grenze der kulturellen Aneignung? | Bild: Martina Coluccia
 

16 May 2021

Für viele ist White Privilege eine unsichtbare Kraft, die noch erkannt werden muss. "White Privilege" - Diese Kolumne soll zeigen, wie man dafür sorgt, dass diese Kraft keinen Schaden anrichtet und vielleicht sogar hier und da jemanden unterstützt.

Martina Coluccia

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2020

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Neulich bin ich auf ein TikTok-Video gestoßen, in dem die heutige Verwendung von Bandanas als Mode diskutiert wurde. Ein solches Accessoire wird direkt mit Ghettos und der lateinamerikanischen Kultur in Verbindung gebracht. Einer der Kommentare fiel mir besonders auf: „It´s Ghetto until white people find it trendy“. Übersetzt: „Es ist Ghetto, bis Weiße es trendy finden “. Schon kontrovers, schließlich geht es nicht um die Bandanas selbst, sondern darum, dass es davon abhängt, wer sie trägt. Wenn eine lateinamerikanische Person oder People of Color es tragen, wird es hauptsächlich negativ gesehen. Wenn es stattdessen als Crop-Top oder als Accessoire von Weißen getragen wird, ist es sofort Mode und plötzlich nicht umstritten.

„Cornrows“ - Kulturraub in der Mode

Noch kritisierbares Beispiel sind die sogenannten "Cornrows". Sogar Kim Kardashian erntete im Jahr 2018 eine Menge Kritik auf Social-Media, als sie sich für die aus Afrika stammende Flechtfrisur entschied. Aber wie kann eine Flechtfrisur so viel Aufmerksamkeit und Kritik erregen?

Hier handelt es sich um ein Phänomen, das auch als kulturelle Aneignung (engl. Cultural Appropriation) bezeichnet wird. In der hitzigen Diskussion wird von schwarzen Frauen darauf aufmerksam gemacht, dass sie es respektlos finden, wenn nicht-afrikanisch-stämmige Menschen einen Teil ihrer Kultur für Modezwecke benutzen. Dies geschieht häufig ohne Berücksichtigung der ethnischen und historischen Bedeutung.

Oft kommt es vor, dass Menschen hinterfragen, was denn überhaupt schlimm daran sei, etwas aus anderen Kulturen zu übernehmen. Sätze wie "Na dann sollten wir keine Pizza mehr essen, weil die aus Italien kommt" oder (mein absoluter Favorit) "Dann sollten Sie keinen Audi fahren, der ist nämlich deutsch", musste ich leider Gottes schon oft mitanhören. Als könnte man die zwei Themen auf die gleiche Ebene stellen. Übrigens, Fun Fact: Die Produktion vieler Audi-Autos findet seit Jahren nicht mehr in Deutschland statt, sondern im Ausland. Das einzig authentische „Made in Germany“ ist also nur der Name.

Kulturelle Aneignung oder Bewunderung?

Aber gut zurück zum Hauptthema. Natürlich kann es auch daran liegen, dass man solche Kleidungsstücke trägt, weil man bestimmte Kulturen besonders toll findet und bewundert. Man muss sich auf jeden Fall mit Respekt gegenübertreten. Doch die Grenze zwischen kultureller Aneignung und kultureller Bewunderung ist ziemlich kompliziert zu definieren. Kulturelle Aneignung entsteht dann, wenn ein bestimmter Stil missbraucht wird und so zu Stereotypen einer Kultur führt. Oder wenn der*diejenige, der*die den Stil benutzt, sich nicht über die ursprüngliche Bedeutung und die historischen Hintergründe informiert, und es nur tut, um cool und trendy auszusehen. Wie schon in der „Be an Ally – Use your Privilege“- Kolumne erwähnt, sind wir als Weiße dazu verpflichtet, uns unserer Privilegien bewusst zu sein und nicht Teile von anderen Kulturen zu übernehmen, ohne uns gründlich über diese zu informieren. Heutzutage gibt es wirklich unzählige nützliche Webseiten, auf denen man recherchieren und sich informieren kann. Wenn man aber zum Beispiel unbedingt Cornrows oder Dreadlocks haben möchte, kann man auch erst einmal mit Menschen aus den jeweiligen Kulturen sprechen und sie nach ihrer Meinung und noch wichtiger nach ihren Empfindungen dazu fragen. Die Entscheidung liegt am Ende natürlich bei uns selbst

Doch sind wir auch mal ehrlich, wenn man weiß, dass man mit dem eigenen Entscheidungen und dem daraus resultierenden Verhalten andere Menschen verletzt, sollte man lieber zweimal darüber nachdenken.

Grenze zwischen Meinung und Rassismus

Fairerweise muss ich hier jedoch auch sagen, dass ich oft selbst nicht verstehe, wo die Grenze in all dem liegt. Ich bin auf ein Video gestoßen, in dem ein schwarzes Mädchen ein Video von einem anderen Mädchen (offensichtlich natürlich gebräunt) angegriffen hat, des "Blackfacings" bezichtigt. Gemeint ist damit, dass sich ein weißer Mensch das Gesicht mit Farbe bemalt, um eine Person mit dunkler Haut darzustellen.

Die Kommentare waren in zwei Lager gespaltet: Während einige ihr zustimmten, verstanden andere nicht, warum das Mädchen als Rassistin bezeichnet wurde.

Die meisten Kommentare sahen diesen Angriff jedoch als übertrieben an. Das Mädchen könne nichts dagegen tun, wenn es natürlich gebräunt ist. Und ist es nicht auch eigentlich ziemlich diskriminierend, ein Mädchen wegen seiner Bräune zu diskriminieren – ein wahrer Teufelskreis.

Schwierig zu sagen, was in einer solchen Situation das richtige Verhalten wäre. Man hat Angst, sich falsch auszudrücken und naiv zu wirken. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Rassismus existiert, ein Aspekt, den wir nicht ignorieren können. Wir können es jedoch verbessern. Somit sind wir sowohl ein Teil des Problems, als auch die Lösung. Wir müssen aufmerksam zuhören, verstehen, uns über die Geschichte informieren und diese Informationen und Kenntnisse wiederum mit anderen teilen. Alles wird akzeptiert, außer das Schweigen.