Wie lässt sich Print retten? | Bild: Sebastian Brüne

Innovation&Geld Printtitel vor dem Aus
Content is King

Wie lässt sich Print retten? | Bild: Sebastian Brüne

10 Dec 2019

Ob Zeitungen oder Magazine: die Auflagen befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Durch das Internet hat sich das Nutzungsverhalten stark verändert. Die Verlage stehen vor der Herausforderung, mit neuen, digitalen Angeboten vor allem junge Leser zu erreichen. Sind TikTok, Instagram und Onlineausgaben das richtige Mittel, um zu überleben?

Deutschlands bedeutendes Jugendmagazin Bravo hat immer mehr mit einer rückgängigen Leserschaft zu kämpfen. Seit 2015 erschien das Magazin zweiwöchig. Mitte November gab die Bauer Media Group, der Verlag hinter Bravo, bekannt, dass das Magazin in Zukunft nur noch 13 Mal im Jahr erscheinen werde. 

Die Bravo steht nicht alleine da, denn in Deutschland hat sich im letzten Jahrzehnt das Nutzungsverhalten von Medien massiv verändert. Durch das Internet sind Informationen grundsätzlich schnell und meistens kostenlos zugänglich geworden. Das spiegelt sich auch in der Nutzung traditioneller Informationsmedien wider. Laut Medienwandelbilanz 2018 von meedia, gaben 2005 noch 51 Prozent der Befragten an, täglich Zeitung zu lesen. 2015 waren es nur noch 33 Prozent. Aber nicht nur Tageszeitungen sind von dieser Tendenz betroffen. Auch Zeitschriften haben mit Auflageverlusten zu kämpfen. Besonders betroffen: IT- und Jugendzeitschriften. Sie hatten im Zeitraum 2008 bis 2018 einen Auflagenrückgang von rund 75 Prozent zu verzeichnen.

"Die Krux bei uns: Die Jugendlichen finden den Inhalt toll, das sehen wir an der Marktforschung, aber sie konsumieren heutzutage ganz anders."
  – Karsten Binke, Verlagsleiter Bravo

Es gibt allerdings auch Zeitungen oder Zeitschriften, die von diesem Problem fast unberührt geblieben sind. Einzelfälle, deren Erfolge sich oft auf den Nenner “Nische mit Qualität verbinden“ zurückführen lassen. Doch qualitativ hochwertig zu produzieren, reicht alleine nicht mehr aus. Zeitungen wie SZ und FAZ hatten in den letzten zehn Jahren Auflagenverluste von 20 bis 30 Prozent. 

Das Fußballmagazin „11 Freunde“ nutzt die Mischung aus Qualität und Fußballjournalismus. Es erscheint mit qualitativ hochwertigen Reportagen, die auch oft interessant für Personen sind, die sich nicht für Fußball interessieren. Eine wichtige Rolle spielen gesellschaftliche Tendenzen: Die Landlust, ein Wohn-, Garten- sowie Koch-Magazin, hat inzwischen eine Auflage von über einer halben Million. Mehr als der Spiegel. Landlust vermittelt vor allem Stadtmenschen ein Gefühl von Erholung und dem Rückzug ins Ländliche. Etwas, das vielen Lesern wohl in ihrem Alltag fehlt. Aktuelle Probleme wie Klimawandel oder Luftverschmutzung werden ausgeblendet. 

Quo vadis Print?

Fragt man sich, warum es zu diesen großen Auflageverlusten kommt, heißt es sehr schnell: die Digitalisierung. Vor allem das Internet sei schuld am Niedergang der Branche. Der stetige Auflagenverlust begann allerdings schon Anfang der 1980er Jahre, also rund 15 Jahre bevor das Internet überhaupt für Privathaushalte zugänglich war. Grund sind eher viele kleine Dinge, wie zum Beispiel, dass der Preis von Zeitungen verhältnismäßig mehr steigt, als der von anderen Konsumgütern. So sorgen kleine Faktoren, die eigentlich nur wenige betreffen, für einen gesellschaftlichen Trend. Aus dieser Entwicklung lässt sich für Klaus Meier, Professor für Journalistik an der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, ein einfacher Trend ablesen: Geht es so weiter, erscheint im Jahr 2034 die letzte gedruckte Tageszeitung. 

Entwicklung der Tageszeitungsauflage in Mio. in Deutschland | Bild: Quelle: BDZV/IVW | Trendgraf nach Prof. Klaus Meier

Ins Internet!

Die Zeitschrift Bravo sieht sich vor neue Herausforderungen gestellt. Bravo will sich in Zukunft als Multi-Plattform-Marke etablieren und ihren Fokus verstärkt darauf richten, wie groß der Anteil ihrer Zielgruppe im Internet ist. Daran soll sich die redaktionelle Arbeit verstärkt orientieren. „Betrachtet man den Workflow bei uns in der Redaktion, so liegt ein Großteil unserer Kapazitäten, d.h. ungefähr 70 Prozent unserer Arbeitszeit, bei Print. Für den tatsächlich zukunftsrelevanten Geschäftsbereich Digital/Social/Bewegtbild bleiben dann nur noch 30 Prozent“, sagt Karsten Binke, Verlagsleiter bei Bravo. Das, was bisher an Arbeit in die Printausgaben geflossen ist, soll jetzt für Social Media genutzt werden.

"Content ist King. Wer Content liefert, der schafft es auch die Generation Z für sich zu begeistern." – Yvonne Huckenholz, Redaktionsleiterin Bravo

Doch das bedeutet zu wissen, wo die eigene Zielgruppe sich bewegt. Nicht jeder ist mit gleicher Frequenz auf jedem sozialen Netzwerk unterwegs. „Die Generation Z, die wir mit unserer Marke ansprechen, bewegt sich vorzugsweise auf Instagram, YouTube und seit einiger Zeit auch sehr stark auf TikTok“, so Yvonne Huckenholz, Redaktionsleitung Bravo. Das liegt vor allem daran, dass Jugendliche Informationen am liebsten durch Bilder oder Videos  bekommen. Ganz auf eine gedruckte Version der Bravo zu verzichten, kommt für Sie allerdings nicht infrage „Print ist für uns das Premiumprodukt. Print ist nicht tot.“