„Auf dem Blatt Papier sieht die Kluft zwischen Drummer und Banker unfassbar weit aus.“ | Bild: Tobias Bachmann

Interviews Dennis Link ist Drummer und Banker
Zwischen zwei Welten

„Auf dem Blatt Papier sieht die Kluft zwischen Drummer und Banker unfassbar weit aus.“ | Bild: Tobias Bachmann

13 Feb 2019

Ein weit verbreitetes Vorurteil: Der typische Banker ist brav und konservativ. Dennis Link ist alles andere als das. Unter der Woche berät er seine Kunden in der Bank. Am Wochenende ist er die Rampensau auf der Bühne. Im Interview erzählt er, wie es zu diesem Mix kam und wie er die zwei verschiedenen Welten miteinander verknüpft.

Vor vier Jahren traf ich ihn zum ersten Mal. Beide nahmen wir bei einem Assessment-Center einer Bank unserer Region teil. Eine Woche später traf ich ihn zum zweiten Mal. Beide wurden wir zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Im September 2015 saß er dann zum Ausbildungsstart neben mir in der Berufsschule. Heute ist er einer meiner besten Freunde. Seit seiner Kindheit ist er leidenschaftlicher Schlagzeuger. Nach seinem Abitur 2012 wollte er eigentlich Popmusik-Design an der Popakademie in Mannheim studieren. Hierfür produzierte er 2013 drei eigene Songs. Aufgrund zu vieler Bewerber erhielt er jedoch eine Absage. Der zerplatzte Traum hat seine Liebe zur Musik nicht geschwächt, im Gegenteil. Heute hat er zwei Bands und rockt im Sommer fast jedes Wochenende auf einem anderen Fest die Bühne. Während ich nach meiner Ausbildung das Weite suchte, blieb er bei der Bank. Heute betreut Dennis Link als Kundenberater ungefähr 500 Kunden.

Dennis, du bist zurzeit unter der Woche der brave Banker und am Wochenende die Rampensau auf der Bühne. Was macht diesen kuriosen Mix aus?

Ich bin nicht der typische Banker. Und viele meiner Kunden sagen auch oft zu mir: „Herr Link, Sie sind nicht der typische Banker“. Dann sag ich: „Ja nee, bin ich auch nicht“.

Was ist denn der typische Banker?

Laut meinen Kunden ist der typische Banker der konservative, verklemmte, stocksteife Berater, der alles sehr förmlich macht und bloß nicht zu viel Emotionen vor dem Kunden zeigen möchte. Das bin ich halt gar nicht. Vielleicht wegen der Musik.

Wie meinst du das genau?

Na ja, wenn ich mit meiner Band am Wochenende unterwegs bin, dann bin ich nicht großartig anders, als in der Bank.

Wie kommt das bei deinen Kunden an?

Sehr gut.

Gibt es bei dir nicht so etwas wie einen Schalter, mit dem du zwischen dem wilden Schlagzeuger und ruhigen Banker wechseln kannst?

Doch, einen kleinen Schalter gibt es schon. Klar muss ich auf gewisse Sachen achten. Ich spreche mit einem 18-jährigen Kunden natürlich anders, als mit einem 70-jährigen Kunden. Bei dem kann ich nicht sagen: „Hey jo, was geht ab?“. (lacht)

Also doch zwei verschiedene Welten?

Auf dem Blatt Papier sieht diese Kluft zwischen Drummer und Banker unfassbar weit aus. So, als wäre eine riesige Schlucht dazwischen. Aber die existiert nur auf dem Blatt Papier, glaub’ ich.

Mit deinem großen Traum, einem Studium an der Popakademie in Mannheim, hat es ja leider nicht geklappt. Wieso hast du dich dann plötzlich bei der Bank beworben?

Es war einfach aus der Not heraus. Als Musiker hat man ja auch gewisse Kosten. Nach der Absage der Popakademie kam ich dann nicht mehr darum herum, eine Ausbildung zu machen, um erst mal ein bisschen Geld zu verdienen.

Wie zufrieden bist du heute mit dieser Entscheidung?

Ich bin mega zufrieden.

Warum?

Das Coole am Beraten ist, dass jeder Kunde komplett anders ist und komplett andere Vorstellungen und Probleme mitbringt. Der eine möchte 30.000 Euro anlegen, der andere braucht 30.000 Euro. Jeder Termin und jeder Tag ist einfach anders. Und mit Leuten zu reden, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen war schon immer mein Ding.

Du hast bestimmt auch mal besonders stressige Tage in der Bank. Kostet es in solchen Situationen nicht enorm viel Kraft, sich aufzuraffen zu proben und am Wochenende einen Gig zu spielen?

Musik war schon immer Teil von meinem Leben. Ich spiele Schlagzeug, seit ich drei Jahre alt bin. Musik war stets der Energietopf, aus dem ich immer zehren konnte, wenn ich es gebraucht habe. Das wird sich wahrscheinlich auch nie ändern.

Gab es für dich schon mal einen Moment, in dem du keinen Bock auf die Musik hattest?

Nein. Klar ist es manchmal stressig. Es gab schon Wochenenden, an denen wir jeden Tag gespielt haben. Das zehrt schon ein bisschen am Akku. Aber ich wüsste nichts Vergleichbares, was mir die verlorene Energie wieder zurückgeben kann, wie es die Musik tut. Der Akku wird auf der einen Seite leer- und auf der anderen Seite wieder vollgemacht.

Du bist Schlagzeuger in deiner eigenen Band „Sudden Inspiration“, die vor allem Rock und Pop spielt. Wie lief es in 2018 mit Sudden Inspiration?

Mit Sudden Inspiration hatten wir in 2018 sehr viele Auftritte, waren von Mai bis September fast jedes Wochenende unterwegs. Teilweise auch außerhalb von Baden-Württemberg. Wir haben sogar Konzerte in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Nordrhein-Westfahlen gespielt.

Wohin soll der Weg mit Sudden Inspiration gehen?

Es ist unser Ziel aus der Karlsruher Region rauszukommen. Wenn dann noch Zeit bleibt, arbeite ich zusammen mit meinem besten Kumpel Julian Merl, der auch gleichzeitig Sänger von Sudden Inspiration ist, an eigenen Songs für unsere zweite Band: Maskenball.

Warum liegt der Fokus auf der Coverband Sudden Inspiration?

Mit einer Coverband hast du die Möglichkeit, vor mehr Leuten zu spielen und auch schneller an Konzerte zu kommen. Auf größeren Stadtfesten spielen normalerweise immer Coverbands. Andererseits hast du mit eigenen Songs dein eigenes Baby. Da steckt einfach viel mehr Herzblut und Persönliches drin.

Möchtet ihr, gerade wenn mehr Herzblut drin steckt, nicht viel lieber eigene Songs für Maskenball produzieren und diese dann vor Leuten spielen?

Der Drang ist schon da, mehr eigene Songs an den Start zu kriegen. Wir haben zwar mit der Coverband Sudden Inspiration schon mal vor 3.000 Leuten gespielt, die darauf voll ausgeflippt sind...

Aber...?

Es sind halt nicht deine eigenen Songs. Der Song ist eben nicht vom Dennis, sondern von Bruno Mars. Es wäre schon geil, wenn die Leute auf unsere eigenen Songs abfeiern würden.

Welchen Coversong spielst du denn am Liebsten?

Wir haben ein Rock ’n’ Roll Medley unter anderem mit „Johnny B. Good“ und „Tutti Frutti“. Das sind zehn Minuten Vollgas in denen ich mich so richtig auspowern kann.

Wenn du dich irgendwann entscheiden müsstest: Karriere in der Bank oder auf der Bühne. Wofür würdest du dich entscheiden?

Für die Musik, ganz klar. Der Idealfall wäre, von den eigenen Songs leben zu können. Das ist aber schwierig und können in Deutschland nur ganz wenige Künstler. Aber wenn sich diese Möglichkeit ergeben sollte, würde ich auf jeden Fall die Musik nehmen.