Wieso ich kein „Girls Girl“ bin
Meine „For You Page“ ist schon seit Ewigkeiten voll mit dem Begriff „Girls Girl“. Dahinter steckt eigentlich eine tolle Idee, aber aus dem unterstützenden „Girls Girl“ wurde schnell ein neues Verhaltensideal, dem Frauen mal wieder entsprechen müssen.
Ein „Girls Girl“ zu sein, bedeutet, andere Frauen zu unterstützen, sich für sie zu freuen und immer hinter ihnen zu stehen. Und da liegt das Problem. Als „Girls Girl“ muss ich eine Frau automatisch verteidigen, wenn sie sich in einem Eins-Gegen-Eins mit einem Mann wiederfindet. Ich muss also immer hinter der Frau und somit auch hinter ihrer Meinung stehen. Selbst wenn ich nicht zustimme?
Support oder Sekte?
Frauen sollten zusammenhalten, anstatt sich gegenseitig runterzumachen. Aus Frauenhass sollte Frauenliebe werden. Ich würde doch fast so weit gehen und behaupten, dass das Internet bedingungslose Liebe von „Girls Girls“ erwartet. Leider kann ich keine bedingungslose Liebe an jede Frau dieser Welt verteilen. Versteht mich nicht falsch! Ich stelle mich liebend gern zur Frauenmannschaft, wenn ein Typ mal wieder meint, seinen Mund zu weit aufzumachen und uns unser Leben erklären zu müssen. Aber ich verteidige eine Frau doch nicht, wenn ihre Meinung für mich absolut keinen Sinn macht! Wenn meine weibliche Freundin meinem männlichen Freund weismachen will, dass Schokolade die beste Eissorte ist, dann stimme ich ihr doch nicht automatisch zu. Ich finde Schokoladeneis schrecklich! Ein banales Beispiel, aber das Prinzip ist klar, oder? Nur weil wir beide einmal im Monat das Gefühl haben, unser Unterleib macht Mini-Messer-Karate, bedeutet das noch lange nicht, dass ich dir immer Recht gebe. Ich kann doch nicht die Hälfte der Weltbevölkerung aufgrund einer einzigen Gemeinsamkeit lieben!
Aber es ist in Ordnung, dass ich mich nicht mit jeder Frau auf diesem Planeten verstehe und es ist auch in Ordnung, dass es Frauen gibt, die ich aus persönlichen Gründen nicht leiden kann. Ob das für das Internet in Ordnung ist, weiß ich nicht. Ich habe das Gefühl, hier dürfen „Girls Girls“ keine Kritik an anderen Frauen äußern. Meistens stehen sie unreflektiert hinter der Frau auf der anderen Seite des Internets. Wagen sie es, etwas an ihrem Verhalten zu kritisieren, sind sie unten durch. Sie sind „Kein Girls Girl“! Ein „Kein Girls Girl“ zu sein, klingt schon fast, als sei man unsolidarisch, wenn nicht sogar antifeministisch. Dabei hat man doch nur das Verhalten eines Menschen kritisiert. Natürlich gibt es auch „Keine Girls Girls“, die unsolidarisch oder sogar frauenfeindlich sind, Schwester Ewa demnächst anscheinend. Aber das ist ein anderes Thema.
Meine "Girls Girl"-Version
Jetzt wäre es aber unfair, würde ich mich nicht outen. Ich liebe „Girls Girls“ eigentlich. Ich liebe es, anderen Frauen Komplimente zu machen und sie in ihrem Dasein zu bestärken. Wenn ich ein Girl sehe und ihr Outfit mag, sage ich es ihr. Wenn ich ein Girl sehe, das erfolgreich ist, freue ich mich für sie. Und wenn ich ein Girl sehe, das sich unwohl fühlt, helfe ich ihr. Ein „Girls Girl“ ist für mich jemand, der andere Frauen nicht ohne Grund runtermacht. Die Ultras des „Girls Girl“-Trends können ja nochmal überlegen, was für ein gutes „Girls Girl“ sie eigentlich sind, wenn sie Frauen für ihre Kritik fertigmachen. Und obwohl ich den Trend mag, würde ich keine Frau nur wegen ihres Geschlechtes unreflektiert verteidigen. Und das ist laut strikten Internetregeln der Grund, wieso ich kein „Girls Girl“ bin.
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