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Weg von pinken Klischees: Studentinnen entwickeln Zyklus-Tracker

Jule und Aylin mit ihrem selbstentwickelten Zyklus-Tracker
Jule und Aylin mit ihrem selbstentwickelten Zyklus-Tracker | Quelle: Maya Siegle
26. Jan. 2026

Kein Pink und auch keine Paywall: Drei Studentinnen entwickeln mit „Ikura“ einen Zyklus-Tracker jenseits von Klischees. Was es mit dem Namen auf sich hat und warum es sich dabei um mehr als nur eine Kalender-App handelt. 

Wer im Google Play Store oder im Apple Store nach „Zyklus-Tracker“ sucht, wird sofort von einer pinken Welle überrollt. Bestimmt die ersten zehn Suchergebnisse zeigen pinke Icons, verspielt gestaltet, manchmal noch verniedlicht mit Tierchen oder Ähnlichem. Genau das ist auch Jule Arnold, Aylin Streitel und Klara de Santis aufgefallen. „Wir sind erwachsene Menschen, das muss nicht sein“, sagt Aylin. Die drei studieren Mobile Medien an der Hochschule der Medien (HdM) im vierten Semester und haben beschlossen im Rahmen ihres Anwendungsprojekts ihre eigene App zu programmieren.

Bis Thema und betreuender Professor feststanden, dauerte es noch eine Weile. Umso größer war die Erleichterung, als sie schließlich mit Professor Charzinski ins Gespräch kamen. Die Studentinnen waren froh, einen Betreuer gefunden zu haben und Herr Charzinski sei „gleich begeistert“ gewesen, erinnert sich Aylin. Ab November begann dann die eigentliche Arbeit an der App.

„Wir sind erwachsene Menschen, das muss nicht sein.“

Aylin Streitel, Studentin, über das stereotypische Design von Zyklus-Trackern

„Wir hatten viele Ideen, wir mussten uns ein bisschen beschränken“, sagt Aylin. Schnell wurde klar: Der Fokus sollte nicht nur auf dem reinen Tracken liegen, sondern vor allem auf Aufklärung. Denn, wie Jule feststellt: „Viele Frauen wissen gar nicht über ihren Zyklus Bescheid.“

Was Ikura anders macht

Während sich viele Zyklus-Apps fast ausschließlich auf die Periodenphase konzentrieren, geht Ikura bewusst weiter. Die App erklärt alle vier Zyklusphasen – etwa die Lutealphase – und zeigt, welche hormonellen Prozesse dabei im Körper ablaufen. Ergänzt wird das Ganze durch alltagstaugliche Tipps zu Ernährung und Sport. Ziel ist es, das Nutzer*innen täglich in die App schauen und genau für diesen Tag neue Infos und Tipps zu ihrem Zyklus bekommen. 

Der weibliche Zyklus lässt sich in vier Phasen unterteilen: die Menstruationsphase (Blutung), die Follikelphase (Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und Eizellreifung), die Ovulationsphase (Eisprung) und die Lutealphase (Vorbereitung auf eine mögliche Schwangerschaft oder Wiederholung des Zyklus).

Insgesamt besteht die App aus vier zentralen Bereichen: einer Kalenderseite zum Tracken, einer Seite mit Ernährungstipps, einer Sport- und Bewegungsseite sowie einem Gesundheitsbereich, der die hormonellen Veränderungen im Körper erkärt. Die Inhalte basieren unter anderem auf Informationen von Krankenkassen, alle Quellen werden transparent angegeben. 

Die Studentinnen kümmerten sich zuerst um das Design, dann bauten sie die Seiten in Android Studio auf, wo sie die App programmierten. Dabei wurde schnell klar, dass der Aufwand größer war als gedacht: „Wir haben ein bisschen unterschätzt, wie aufwendig es ist, eine App zu programmieren“, sagt Aylin. 

Ein Handy auf dem eine Zyklus-Tracker-App geöffnet ist
Auf der App kann man Infos zu den verschiedenen Phasen des weiblichen Zyklus bekommen.
Quelle: Maya Siegle

Der Name entstand recht zufällig durch Experimentieren mit dem Übersetzer. In die engere Auswahl kamen zum Beispiel Valovi (Wellen auf Slowenisch) oder Marea (Gezeiten auf Spanisch). Am Ende landete die Wahl auf Ikura – ein Maori-Wort, das übersetzt "Menstruationszyklus" bedeutet. 

Vorgestellt wird Ikura bei der MediaNight an einem eigenen Stand. Dort können Besucher*innen die App direkt ausprobieren und sich durch die verschiedenen Bereiche klicken. Ikura ist vorerst als Android-App geplant und soll im Google Play Store erscheinen. Das hat auch praktische Gründe, denn dort ist die Veröffentlichung laut den Studentinnen schneller und unkomplizierter. Alle Inhalte sollen frei zugänglich sein.

Ob und wie die App weiterentwickelt wird, hängt vom Projektverlauf und Erfolg ab. Doch eine Sache ist klar: Ideen gäbe es genug.