Oma-Kolumne 3 Minuten

Was hältst du von „Tradwives“, Oma?

Meine Oma gibt einem Baby die Flasche.
Meine Oma hat als Krankenschwester gearbeitet. | Quelle: Fannie Liebisch
13. Jan. 2026

Eine Welt ohne Internet – für mich völlig unvorstellbar. Für meine Oma früher (und um ehrlich zu sein auch heute noch) völlig normal. Trotzdem nehmen wir gemeinsam Internettrends unter die Lupe. In dieser Folge geht es um „Tradwives”. Wäre meine Oma gerne zuhause geblieben?

Die Frage, die jede Frau beschäftigt: Was koche ich für meinen Mann? Zumindest wenn es nach den Tradwives geht. Bei dem Social-Media-Trend stehen junge Frauen top gestylt in der Küche. Sie bevorzugen ein Leben nach den stereotypischen Rollenbildern. Die Frau bleibt zu Hause und der Mann geht arbeiten. Tausende Menschen sehen zu, wie Tradwives ihren Männern das perfekte Abendessen zubereiten. Trends kommen und gehen. Spätestens seit dem Vokuhila müssten das alle verstanden haben. Es gibt jedoch einen kleinen Unterschied zwischen Vokuhilas und Tradwives. Das eine ist eine kultige Frisur aus den Achtzigern, das andere die Lebensrealität vieler Frauen. Aber psst – ich verrate nicht, was was ist. Einen Vokuhila hatte meine Oma zwar nicht, aber mit 84 Jahren hat sie schon einiges erlebt. Als Tradwife würde sich meine Oma sicherlich nicht bezeichnen. Mit Haushalt und Kindern kennt sie sich aber aus. Quasi eine richtige Trendsetterin.

Oma, sollen wir alle wieder Hausfrauen werden?

„Also, ich finde es nicht schlecht, wenn Frauen daheimbleiben. Gerade für die Kinder ist das gut. Es ist aber abhängig vom Gehalt des Mannes. Das ist heute oft nicht möglich. Früher hätte man gesagt, das ist optimal, wenn die Frau daheimbleibt. Wenn die Frau das aus Überzeugung macht, weil sie es für richtig hält und die Familie sich das leisten kann, ist das für mich in Ordnung. Früher war das normal. Zumindest in besseren Häusern. Da ging keine Frau arbeiten. Aber generell ist das abhängig vom Typ der Frau und wie sie das sieht. 

In jungen Jahren würde ich nicht daheimbleiben. Da hockt man ja nur alleine rum. Es macht aber einen Unterschied, ob man Kinder hat. Mit Kindern könnte ich mir das gut vorstellen. Ohne Kinder glaube ich nicht, dass du da zufrieden bist. Da fällt dir die Decke auf den Kopf.

Ich habe beides erfahren. Zuerst war ich daheim mit meinen drei Kindern, bis sich das mit der Heimarbeit ergeben hat. Ich habe für eine Lederfirma Plastikteile mit Kunstleder verkleidet, Kleinteile sortiert. Ich war froh, dass ich die Heimarbeit hatte, weil ich niemanden für die Kinder hatte. Und die 100, 200 Mark, die ich verdiente, waren eine finanzielle Unterstützung. Da habe ich bestimmt sechs Jahre geschafft. Solange meine Kinder klein waren, war das für mich in Ordnung. Als sie Schulkinder waren, habe ich mehr Freiraum gehabt. Später wäre ich nicht gerne zu Hause geblieben. Ich war glücklich mit meinem Wiedereinstieg als Kinderkrankenschwester. Ich wollte arbeiten. Von da an lief es. Es hat einfach gut funktioniert. Das erste Jahr war nur herb, bis ich die Abläufe in der Klinik intus hatte.

Damit es zu Hause funktioniert, muss der Partner richtig mittun. Mein Mann hat die Hausarbeit überhaupt nicht anerkannt. Er meinte, eine Hausfrau tut nichts. Was tust denn du den ganzen Tag? So war der Tenor. Das war damals noch bei vielen Männern so. Das haben wir heutzutage zumindest zu einem guten Teil überwunden. Sicher nicht ganz, das wird man nie schaffen."

„Er meinte, eine Hausfrau tut nichts.“

Meine Oma

Heute: Hinterfragen

– Meine Oma könnte sich ein Leben als Tradwife vorstellen. Alte Rollenbilder wieder aufleben lassen? Lieber nicht! Ich bin dankbar, dass Trends auch wieder verschwinden. Sich dem Mann unterzuordnen und den Haushalt zu führen, gehören nicht wirklich zu meinen Lebensträumen. Egal, wie oft mir Tradwives davon vorschwärmen.

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