Stuttgart ist einer von drei Standorten mit einer rein elektrischen Car2Go-Flotte. | Bild: Hannah Berens

edit.Puls Carsharing im Test
Stuttgart wird Smart

Stuttgart ist einer von drei Standorten mit einer rein elektrischen Car2Go-Flotte. | Bild: Hannah Berens

26 Jan 2018

Selbst in einer gut vernetzten Stadt wie Stuttgart benötigen viele Menschen hin und wieder ein Auto. Aber sie sind vor allem eins: teuer. Zwischen eigenem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es seit einigen Jahren eine neue Form von Mobilität: Carsharing. Wir machen den Test.

Der weltweite Marktführer im Bereich Carsharing ist der deutsche Automobilhersteller Daimler. Mit „Car2Go“ bietet dieser seit 2009 Autos zum Ausleihen ‒ egal wann, wo oder wie lange ein Auto benötigt wird. Ob Smart oder Kombi, mit oder ohne Elektroantrieb. Ein Klick und es ist deins. Die Autos können über die Car2Go-App gefunden und direkt gemietet werden. Kosten? Pro Minute fallen 29 Cent an.

Was hat Carsharing zu bieten?

„Der größte Vorteil ist, dass man überall im Geschäftsgebiet, immer und zu jeder Zeit ein Auto zur Hand hat. Außerdem hat man keinerlei Verpflichtungen und man zahlt nur so viel, wie man wirklich fährt. Denn es gibt keine monatliche Grundgebühr“, so Daniel Hörer, Pressesprecher der Car2Go Deutschland GmbH. Aber nicht nur in Stuttgart ist das Konzept erfolgreich: Car2Go wird in 26 Städten in acht Ländern angeboten und hat über 2,9 Millionen registrierte Nutzer. Tendenz steigend. Wie es scheint, das ideale Fortbewegungsmittel, wenn man kein eigenes Auto hat.

In der Realität sehen die Zahlen, zumindest bei der Hauptzielgruppe Studenten, anders aus. Eine von Edit durchgeführte Umfrage zeigt: Nur 37,3 Prozent haben schon einmal einen Carsharing-Dienst in Anspruch genommen. Was viele davon abhält: Die Registrierung sei zu kompliziert. Knapp 65 Prozent gaben zu, sie würden Carsharing-Dienste eher in Anspruch nehmen, wenn sie besser informiert oder schon registriert wären.

Aber wie funktioniert die Registrierung?

Die Registrierung dauert circa 10 Minuten. | Bild: Hannah Berens und Melanie Keller
Die App ist leicht zu bedienen und einfach gestaltet. | Bild: Hannah Berens und Melanie Keller

Ein weiterer Grund, der für viele gegen Carsharing spricht: Die öffentlichen Verkehrsmittel seien ausreichend. Daniel Hörer behauptet, sie wollen die öffentlichen Verkehrsmittel nicht ersetzen, sondern ergänzen. In Stuttgart haben nicht alle Zielorte eine einwandfreie Bahnverbindung oder können rund um die Uhr genutzt werden. Zudem haben Car2Gos den Vorteil, mehrere Personen gleichzeitig zu befördern oder schwere Wocheneinkäufe zu transportieren.

Parkplatzsuche soll einfacher werden

Auch die Parkplatzsuche kann schnell sehr teuer werden. In belebten Stadtvierteln wird es schwierig, das Auto am Zielort ordnungsgemäß zu parken. Drei Minuten kosten bei Car2Go einen Euro. Findet man einen Parkplatz allerdings nicht auf Anhieb, kann das bei zehn Minuten Suchen unfreiwillig drei Euro zusätzlich kosten. Daniel Hörer sieht das nicht so eng: „Es kann auf öffentlich bewirtschafteten Parkflächen geparkt werden. Zudem gibt es speziell für Car2Gos zur Verfügung gestellte Parkplätze. Ein Car2Go-Nutzer muss sich in Stuttgart eigentlich keine Sorgen machen.“ Zu beachten ist aber, dass öffentliche Parkplätze vor allem in Wohngebieten primär mit Anwohnerparkausweis genutzt werden und für Carsharing-Autos nicht zur Verfügung stehen. Auch Car2Go-Parkplätze befinden sich nicht immer in Reichweite.

Falls kein Parkplatz in der Innenstadt gefunden wird, muss in Randgebiete ausgewichen werden. Dass das für das Carsharing-Unternehmen nicht gerade lukrativ ist, zeigte die kürzliche Verkleinerung des Nutzerradius in Stuttgart. Viele Fahrzeuge strandeten in den Außenbezirken und fehlten somit im Kerngebiet. Ob mehr Autos in der Innenstadt das Parkplatzproblem verbessern, ist fraglich. Vor allem das Land Baden-Württemberg hat Interesse daran, die Mobilität in der Stadt zu stärken. Seit dem 1. September 2017 wird dem Problem entgegengewirkt: ein Carsharing-Gesetz. Dieses soll bestimmten Parkraum zukünftig ausschließlich für Gemeinschaftsautos zur Verfügung stellen.

Um zu testen, wie gut Car2Go wirklich funktioniert, haben wir es selbst einmal ausprobiert:

 

Eher Ergänzung als Alternative

Für viele Anlässe ist Carsharing die ideale Ergänzung: Für den Weg zum Flughafen morgens um 5 oder den Besuch im Getränkemarkt. Die Nutzer sind flexibel und zugleich nachhaltig mobil. Allerdings gilt: Zeit einplanen. Zusätzlich kann der Preis im Feierabendverkehr oder auf längeren Strecken ordentlich auf den Geldbeutel schlagen.

Inklusive Pause haben wir für das Experiment knapp 30 Euro gezahlt.  
Car2Go bietet hauptsächlich Automatik-Autos an. Bist du noch nie Automatik gefahren, informiere dich vorher kurz. 
Achte auf eine ausreichend geladene Batterie beim Starten des Autos.
Besonders in der Innenstadt passt der Smart bequem in kleine Parklücken.