„Mit dem Gefühl wird es nie funktionieren. Der Körper geht automatisch in einen Schutzmechanismus, weil man das Bein nicht kaputt machen will.“
Schritt für Schritt, die Reha neu gedacht
Kaum eine Bewegung scheint uns so selbstverständlich wie das Gehen. Selten denken wir darüber nach, wie viel Gewicht auf unseren Beinen lastet - bis eine Verletzung uns schmerzhaft daran erinnert. Für Paul, Student der Hochschule der Medien (HdM), wird diese Erfahrung im Frühjahr 2025 nach einer Beinverletzung zur Realität. Er erinnert sich an seine Physiotherapie: „Die Therapeut*innen lassen dich über eine Waage gehen, damit du dir einprägst, wie sich eine Belastung von beispielsweise 20 Kilogramm anfühlt.“
Nur kann er im Alltag schwer einschätzen, wie viel Gewicht auf dem verletzten Bein landet. Für Paul steht fest: „Mit dem Gefühl wird es nie funktionieren. Der Körper geht automatisch in einen Schutzmechanismus, weil man das Bein nicht kaputt machen will.“ Die Unsicherheit begleitet Paul Schritt für Schritt.
Aus dieser Frustration entwickelt sich eine Idee: Was wäre, wenn sein Schuh messen könnte, wie stark sein Bein belastet wird? Aus einem persönlichen Problem entsteht eine technische Lösung.
Es beginnt das Projekt „OrthoSohle“. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Lenni und Uli entwickelt Paul eine Einlegesohle, die die Belastung am Fuß in Echtzeit erfasst. Anstatt auf externe Schätzungen oder indirekte Messmethoden zurückzugreifen, wird die Belastung unmittelbar beim Auftreten erfasst.
In der Einlegesohle messen Sensoren die Belastung am Fuß und übertragen die Daten an eine App. Wird der von den Therapeut*innen individuell festgelegte Grenzwert überschritten, warnt das Handy per Vibration. Das unmittelbare Feedback hilft dabei, die Belastung sofort anzupassen und Fehlbelastungen zu vermeiden, die sonst erst im Nachhinein bemerkt werden würden.
Die Anwendung der „OrthoSohle“ bietet dabei nicht nur Vorteile für die Patient*innen, sondern auch für deren Therapeut*innen. Sie werten die erfassten Daten aus und können bei Bedarf die Belastungsgrenze anpassen. Die „OrthoSohle“ unterstützt somit den Heilungsprozess und stärkt das Team aus Patient*innen und Therapeut*innen.
Wenn eine Idee zu laufen beginnt
Im Makerspace der HdM realisieren die drei Studenten ihren erste Entwurf. Der Prototyp dient dazu, das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten zu erproben. Der Fokus liegt dabei bewusst auf einer einfachen Umsetzung. Doch bereits die erste Version zeigt das Potenzial der „OrthoSohle“. Was als kleine Idee beginnt, entpuppt sich als vielversprechender Ansatz für die Rehabilitation. Da den Studenten in Deutschland zunächst kein vergleichbares Projekt bekannt ist, wollen sie den technischen Ansatz der „OrthoSohle“ patentieren lassen.
Ein Patent ist ein gewerbliches Schutzrecht für eine neue technische Erfindung. Die Anmeldung erfolgt meist über einen Patentanwalt, der prüft, ob die Idee neu ist und die technischen Details rechtssicher formuliert. Anschließend entscheidet das Patentamt, ob das Patent erteilt wird.
Im weiteren Verlauf stellt sich jedoch heraus, dass es bereits ein europäisches Unternehmen mit einem Patent auf die Grundidee gibt. Es verfolgt allerdings einen anderen technischen Ansatz, weshalb die drei Gründer planen, zeitnah für ihren speziellen Ansatz der „OrthoSohle“ ein eigenes Patent anzumelden.
Der Weg der „OrthoSohle“ hat gerade erst begonnen: Die Drei arbeiten schon jetzt an ergänzenden Features. Zum Beispiel wollen sie ein externes Armband entwerfen, das Warnsignale direkt am Körper, auch ohne Handy, spürbar macht. Einen Einblick in den aktuellen Stand der Entwicklung geben Paul, Lenni und Uli bei der Media Night an der HdM am 29.01.2026.