Mit 1.118 Artikeln vor der Wahl schlägt CDU-Vorstands-Kandidat Friedrich Merz seine Mitbewerber in der Berichterstattung. | Bild: Symbolbild, Shutterstock

Data CDU-Vorstandswahl 2018
Merz gewinnt Rennen in den Medien

Mit 1.118 Artikeln vor der Wahl schlägt CDU-Vorstands-Kandidat Friedrich Merz seine Mitbewerber in der Berichterstattung. | Bild: Symbolbild, Shutterstock

18 Dec 2018

Der Millionär von nebenan. Merkel-Kopie. Spahn attackiert – So sahen Schlagzeilen in den Medien vor der CDU-Vorsitz-Wahl aus. Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn traten gegeneinander an, Kramp-Karrenbauer holte sich den Posten. Vor der Wahl dominierte Merz in der Berichterstattung. Die Analyse.

 

„Der eine oder andere guckt jedoch sehr bedröppelt. Viele im konservativen Lager sind in dieser Sekunde eher geschockt. Friedrich Merz wiederum lächelt. Er hat ja vorher auch gesagt, er steht bereit, um sich dann weiter in die Parteiarbeit einzubringen“, kommentiert Gerd Joachim von Fallois nach der CDU-Vorstandswahl am siebenten Dezember auf dem Sender Phoenix. Kurz nachdem AKK zur CDU-Parteivorsitzenden gewählt wurde. Nach der Wahl ist vor der Wahl: Stürzen sich die Medien auf Merz? Stimmt das?

Um die Frage zu beantworten, haben wir untersucht, wie oft verschiedene Nachrichten-Webseiten vor und nach der Wahl über die CDU-Vorstandskandidaten berichteten. Die Auswahl der untersuchten Webseiten beschränkte sich dabei auf Portale, die überregional informieren. Dafür wurden die Datenbanken von sueddeutsche.de, tagesspeigel.de, BILD.de, faz.net, spiegel.de, handelsblatt.com und zeit.de nach Artikeln mit der Zeichenfolge der Kandidaten „Vorname Name“ für den Zeitraum vier Wochen vor der Wahl sowie 24 Stunden nach der Wahl durchsucht.

Aus den Suchergebnissen und der stichprobenartigen Analyse der Artikel kann man keine Rückschlüsse auf positive oder negative Berichterstattung ziehen. Die Ergebnisse sind daher nicht repräsentativ – wir können aus diesem Grund lediglich vermuten, warum Merz so erfolgreich in den Medien war.

König der Berichte: Sueddeutsche.de

Über die Suchfunktion der überregionalen Online-Nachrichtenseiten wurden insgesamt 2.841 Artikel gefunden. Die Daten zur Berichterstattung zeigen ein deutliches Muster: Alle ausgewählten Nachrichtenseiten berichten vor der Wahl vorrangig über Merz, gefolgt von Spahn. Kramp-Karrenbauer landete bei sechs der sieben Webseiten auf dem dritten Platz. Nur auf Bild.de wurden 126 Artikel zu AKK gefunden, vier mehr als zu Spahn. Mit 265 Artikeln erwähnte die sueddeutsche.de Merz am häufigsten. Jens Spahn lag auf dem zweiten Platz mit 216 Artikeln.

„Die Süddeutsche ist ein linksliberales Leitmedium, das sich sehr stark durch die politische Berichterstattung definiert“, erklärt Dr. Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg. Für dieses Medium ist es besonders interessant zu schauen, ob eine konservative Partei, die den Weg zu Mitte gefunden hat, sich wieder weiter nach rechts orientiert.

Alle Augen auf Merz

In seiner fünfjährigen Pause in der Politik war Merz in der Wirtschaft unter anderem für BlackRock, AXA und für die Deutsche Börse aktiv. Teilweise betrachten die Medien seine Rückkehr eher kritisch: Zeit.de wirft in einem Artikel vom 20. März die Frage in den Raum, ob Merz sich trotz seines Images als Lobbyist und Millionär überhaupt für den Vorsitz eignet. Doch was macht Friedrich Merz so erwähnenswert? 

„Merz ist die Person mit dem höchsten Neuigkeitswert“ – Dr. Michael Wehner

Eine Führungs-Persönlichkeit wie Merz, die vor 16 Jahren zuletzt in der Politik aktiv war und die Rückkehr in das oberste Parteiamt anstrebt, hat natürlich den Neuigkeitswert schlechthin. Spahn und Kramp-Karrenbauer sind eher ein Teil der etablierten Berichterstattung. Jemand der das Bild der charismatischen, rhetorisch begabten Politikerpersönlichkeit wiedergibt, der kriegt mehr Aufmerksamkeit. Auch Emmanuel Macron oder Sebastian Kurz werden teilweise nicht als Establishment-Figuren in der Partei wahrgenommen, sondern eher als populäre Führungspersönlichkeiten. Ähnlich ist es vielleicht auch bei Merz.

AKK nach der Wahl in den Medien

Ein deutliches Muster auch 24 Stunden nach der Wahl: Auf fast allen aufgeführten Seiten wird nach der Wahl mehr über AKK berichtet. Auf Handelsblatt.com tauchen weiterhin mehr Artikel über Merz auf. Insgesamt liegt die durchschnittliche Abweichung der Suchergebnisse zwischen den Kandidaten nach der Wahl nur noch bei drei Artikel. Aber warum wurde eigentlich im Vergleich über Kramp-Karrenbauer so wenig berichtet?

Kandidatin Annegret Kramp Karrenbauer hatte eher mit dem Vorwurf zu kämpfen, dass sie zu angepasst sei: In den Medien kursierten Schlagzeilen wie „Merkel-Kopie“. Bei einem Auftritt in Berlin verbat sie sich am 15. November diesen Ausdruck, berichtet tagesspiegel.de: „Wer eine 56-jährige Frau mit drei Kindern und einer erfolgreichen beruflichen Karriere als Kopie von jemand bezeichnet, sei respektlos."

„Annegret Kramp Karrenbauer steht eher für die Fortsetzung des moderaten Mittelkurses der Union“, so Wehner. Dieser ist weniger spektakulär und umfasst eine konservativere Ausrichtung, die ja auch von Jens Spahn vertreten wurde. Für die Medienberichterstattung hielt sich der Neuigkeitswert bei AKK in Grenzen. Kurz: AKK war für Medien-Macher eher das Symbol des „Weiter-So“, das nicht so einen spektakulären Nachrichtenwert mit sich trägt. Hinzu kam eine kleine Überraschung: Durch die Eigendynamik von Merz schienen sich viele sicher zu sein, dass er gewinnt. Insofern war die Niederlage ein Grund, weshalb man sich in den Medien auch nach der Wahl noch viel mit ihm beschäftigte.

Merz bietet perfekten Rahmen

Vermutlich wollten die Medien nicht, dass Merz die Wahl gewinnt, denn er fiel auch nicht durch besonders positive Berichterstattung auf. Die Antwort auf die Frage nach seiner hohen Präsenz in vielen Online-Nachrichtenportalen könnte eher lauten: Friedrich Merz bot einen perfekten Rahmen für die Presse. Mit seinen zugespitzten Aussagen, seiner überraschenden Rückkehr in die Politik und seinem beiläufigem Millionärs-Dasein war er die Person mit dem höchsten Neuigkeitswert und einem unverkennbaren Überraschungsfaktor.