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Umweltschutz
Kampf gegen das Artensterben

Das Überleben der Rebhühner ist fraglich | Bild: Michael Eick

Umweltschutz Kampf gegen das Artensterben

Das Überleben der Rebhühner ist fraglich | Bild: Michael Eick
 

19 Jan 2023

Das Rebhuhn ist wie viele andere Arten stark gefährdet. Was unternehmen Organisationen, Kommunen und ehrenamtliche Umweltschützer, um speziell diese Art zu schützen?

 Marina Gaubatz

Medienwirtschaft
seit Sommersemester 2020

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Im Sommer 2018 ist Yannick mit dem Fahrrad in seiner Heimat unterwegs. In der Nähe des Steinbruchs bei Herrenberg-Haslach erschrickt er durch plötzliche, laute Flattergeräusche. Er sieht eine kleine Gruppe von Vögeln wegfliegen, die er versehentlich aufgeschreckt hat. Yannick schaut den Vögeln nach und fragt sich, um was für eine Art es sich handelt. Zu Hause angekommen, beginnt er zu recherchieren. Schnell findet er heraus, dass er auf Rebhühner gestoßen ist – eine stark gefährdete Vogelart, die er bis dahin nicht kannte. In Baden-Württemberg ist das Rebhuhn sogar in Kategorie 1 der Roten Liste geführt, was bedeutet, dass diese Art vom Aussterben bedroht ist.

Yannick Mauch (29) ist seit 2014 Mitglied und seit 2019 Vorstand beim Naturschutzbund (NABU) Gärtringen-Herrenberg-Nufringen und investiert einen großen Teil seiner Freizeit in den Naturschutz. Die Arbeit für den Umweltschutz ist ein Ehrenamt, das je nach eigenem Engagement mit hohem zeitlichem Aufwand verbunden sein kann. Seit 2022 ist er zudem in der Stabsstelle Klima- und Umweltschutz der Stadt Herrenberg angestellt und kann so Leidenschaft und Beruf vereinen.

NABU Gärtringen-Herrenberg-Nufringen

Der NABU wurde 1899 mit Fokus auf Vogelschutz in Stuttgart gegründet. Heute ist der Naturschutzbund in ganz Deutschland verbreitet und unterteilt sich in 1.500 Kreisverbände und Gruppen. Der Kreisverband Gärtringen-Herrenberg-Nufringen, in dem Yannick Mauch im Vorstand ist, setzt sich aus ca. 1.100 Mitgliedern und knapp 30 aktiven Helfern zusammen. 

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Das Rebhuhnschutzprojekt

Yannick fragt sich, was bisher für Rebhühner getan wird und stößt im Rahmen seiner Recherche auf verschiedene Rebhuhnschutzprojekte im Land. Der Landschaftserhaltungsverband (LEV) des Landkreises Böblingen rief bereits vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit Landwirten, Jägern, Naturschützern und Kommunen ein Projekt ins Leben, das den Erhalt von Rebhühnern und weiteren Arten in der Region Oberes Gäu sichern soll. Die Region umfasst die Gemeinden Jettingen, Bondorf, Gäufelden und Mötzingen im Landkreis Böblingen. 

Rebhühner haben zahlreiche Fressfeinde, wie den Rotfuchs und den Mäusebussard. Ihre Population ist zudem stark witterungsanfällig. Da sie konstant in ihrer Region bleiben und nicht über den Winter wegziehen, wird allein im Oberen Gäu eine Bestandsgröße von mindestens 200 Paaren zum Überleben benötigt. Ein harter Winter kann die Population lokal stark reduzieren oder sogar vollständig auslöschen.

Inspiriert durch dieses Projekt und das bereits bestehende Engagement in der Region, entscheidet sich Yannick, selbst tätig zu werden und den Schutz der letzten Rebhühner rund um Herrenberg in Zusammenarbeit mit dem LEV zu fördern. So geht er kurze Zeit später auf Tobias Olbrich zu, einen örtlichen Landwirt, den er bereits durch andere Projekte kennt. Yannick erfährt von ihm, dass ein paar Jäger in der Region immer wieder von Rebhuhn-Sichtungen berichten und nimmt daher Kontakt mit ihnen auf. Er bespricht das Thema mit den Jägern und erfährt hierbei außerdem, dass der Jäger Herbert Lohrer ein Grundstück in der Region besitzt, dessen Landschaftsstruktur als Lebensraum für Rebhühner gut geeignet wäre. Lohrer sagt direkt seine Unterstützung zu und stellt das Grundstück zur Verfügung. Yannick beginnt kurze Zeit später mit Lohrer und einigen Helfern, das Grundstück durch Landschaftspflege in Form von Heckenschnitt und gezielter Rodung ökologisch aufzuwerten. Zwar stellen Bäume und Baumgruppen vielerorts selbst ein wichtiges Ökosystem dar, jedoch sind sie für viele Arten, die auf offenen, freien Flächen leben (Offenlandarten) eine Bedrohung. Greifvögel nutzen Bäume, um nach Beute Ausschau zu halten. Insbesondere die kleinen Rebhuhnküken sind dadurch gefährdet, weshalb das Rebhuhn Offenlandflächen als Lebensraum bevorzugt.

Der ideale Lebensraum des Rebhuhns | Bild: Yannick Mauch
Agrarlandschaft mit Offenlandflächen und extensiven Strukturen | Bild: Yannick Mauch
Offenlandfläche mit Blühwiese | Bild: Yannick Mauch

Die Maßnahmen zeigen schnell Erfolg: Bereits im Frühjahr 2020 kann Yannick elf Rebhühner entdecken, die neben und auf der Fläche nach Futter suchen.
Im Jahr 2021 kommt zudem Land durch die Stadt Herrenberg hinzu, das ebenfalls durch gezielte Landschaftspflege für Rebhühner aufgewertet wird. Auf einer ehemaligen landwirtschaftlichen Lagerfläche wurden wild wachsende, wuchernde Hecken geschnitten und eine Blühfläche angelegt. Außerdem stellt Tobias Olbrich Ackerflächen zur Verfügung, um das Projektgebiet zu erweitern.

Yannick muss für die Aktionen auch viele organisatorische Aufgaben bewältigen. So sammelt er beispielsweise Spenden und stellt Förderungsanträge, um die Aktionen finanzieren zu können. Um Spenden und ehrenamtliche Helfer zu gewinnen, bewirbt er das Projekt und die Arbeitseinsätze in Regionalzeitungen, auf der NABU-Website und im Mitglieder-Newsletter.

Da das Rebhuhn eine Charakterart der offenen Agrarlandschaft ist, kommen die Maßnahmen, die Yannick und seine Helfer für diese Vogelart umsetzen, gleichzeitig noch weiteren Arten zugute. So findet man auf den Flächen beispielsweise auch zahlreiche Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten. Außerdem können körnerfressende Vogelarten wie der Bluthänfling oder der Stieglitz auf diesen Flächen Nahrung finden.
Um Rebhühner ernsthaft schützen zu können werden Gebiete von mindestens 100 km² benötigt, in denen die Maßnahmen umgesetzt werden. Außerdem sollte etwa fünf Prozent der Agrarfläche aus extensiven Strukturen wie Blühflächen, Brachen, Säumen und Niederhecken bestehen, damit der Rebhuhnbestand auf einem überlebensfähigen Niveau bleibt. Damit die idealen Bedingungen erhalten werden, führt Yannick mit weiteren ehrenamtlichen Helfern fortlaufend Arbeitseinsätze zur Landschaftspflege durch. Sie stellen im Rahmen des Projekts seit 2021 auch Futterstellen auf, um ausreichend Nahrung für die Rebhühner in den jeweiligen Gebieten sicherzustellen.

Yannick Mauch beim Arbeitseinsatz | Bild: Ulrike Kuhn
Arbeitseinsatz zur ökologischen Aufwertung der Fläche | Bild: Yannick Mauch
Futterstelle | Bild: Yannick Mauch

Im oberen Gäu gibt es laut Landschaftserhaltungsverband Böblingen heute noch eine Restpopulation von etwa 20-40 Rebhuhnpaaren. Es können zwar auch einige Erfolge vorgewiesen werden, seit der LEV das Schutzprojekt gestartet hat, doch trotz aller Bemühungen hat der Bestand im Landkreis Böblingen insgesamt in den letzten fünf Jahren weiter abgenommen. Doch Yannick gibt trotzdem nicht auf. Er kämpft weiter für den Erhalt des Rebhuhns und ist ständig auf der Suche nach weiteren geeigneten Flächen in seinem Projektgebiet rund um seine Heimat Herrenberg-Haslach.

Die Redakteurin steht in familiärer Beziehung zu dem Protagonisten.