Schonmal was von „YOLO” gehört, Oma?
#YOLO: You only live once. So einfach lässt sich alles begründen, egal ob gefährlich oder nicht. Mein Date mit einem Fremden, den ich auf Tinder kennenlernte, war auf einmal eine super Idee. Denn genau: YOLO! Das gibt doch eine großartige Geschichte. Und auch nachts auf das Gelände des Freibads einzubrechen, hörte sich damals für mich nach einer guten Idee an. Alles gar nicht so schlimm, weil, ihr habt’s erraten: YOLO! Hatte diese Aussage auch schon zu Omas Zeiten Gewicht, oder kann sie diesen Satz gar nicht nachvollziehen?
Oma, muss man alles mitmachen?
„Von YOLO habe ich noch nie gehört. An sich ist das schon richtig, dass man sagt „Ich lebe nur einmal.” Aber wenn man dadurch Dinge tut, die man sich nicht unbedingt zutraut, das finde ich nicht gut. Da sollte man schon abwägen: Wie groß ist die Gefahr? Diese YOLO-Einstellung zum Leben hatte ich nicht, ich habe schon immer alles hinterfragt. Wobei ich sagen muss, als ich sehr jung war, natürlich macht man da Sachen, wo man im Nachhinein denkt „das hätte ich vielleicht lieber nicht machen sollen”, aber es bestand nie die Gefahr, dass mir etwas Schlimmes passieren könnte. YOLO habe ich nicht gebraucht, wenn ich etwas wollte, habe ich es halt einfach gemacht. Aber sowas wie von Felsen kopfüber ins Meer springen hätte ich nie getan.
Kurzbiographie
Bei meiner Oma handelt es sich um eine Wahloma, einfachheitshalber wird aber von meiner Oma gesprochen.
Sie ist 1956 in Stuttgart geboren. Bis zum Alter von fünf Jahren ging sie in Fellbach in den Kindergarten und zog dann nach Ostildern um. Dort blieb sie wohnen, heiratete und bekam 2 Kinder. Ihr Mann verstarb früh. Sie arbeitete als Bürokauffrau in Stuttgart.
Heute hat sie 2 Enkelkinder und ist zum Rentenbeginn in den Schwarzwald gezogen. Dort lebt sie heute mit ihrer Hündin Emma.
Wenn du jung bist, probierst du natürlich viel aus und hinterher denkst du manchmal: Puh, das war jetzt eine Hausnummer, ist grade nochmal gut gegangen. Wir waren zum Beispiel mal mit einem Freund, dem ein Boot gehörte auf See und der hatte etwas zum Rauchen dabei, Shit oder wie man sagt. Es war ein toller, sonniger Tag und mein Mann war auch dabei. Der wollte auch rauchen und da habe ich gedacht: Das probiere ich jetzt mal, weil alle gesagt haben, das ist cool. Gott war mir schlecht, den ganzen Tag. Da dachte ich danach auch: Never mache ich das wieder. Das waren so Sachen, die man probiert hat, einfach um mitreden zu können. Im Nachhinein habe ich aber gedacht, so einen Scheiß brauche ich nicht. Da habe ich alle Farben gesehen und den ganzen Tag über der Reling hängen, das war mir eine Lehre.
Viele Optionen hat man, wenn man jung ist, nur in dem Moment. Und was du machen kannst und willst, das solltest du auch machen. Weil wenn die Zeit vorbei ist, kommen andere Sachen und dann wirst du es nicht mehr machen. Also in dem Alter, mit Kopf und Verstand einfach. Ich finde jedes Alter hat auch seine Zeit und wenn das vorbei ist, dann bereust du es vielleicht und denkst dir: Mensch, ich hätte es doch machen sollen. Später hast du andere Freunde oder eine Familie und dann ist die Gelegenheit vorbei. Also ich denke, wenn du jung bist, solltest du das, was sich anbietet und was du auch gerne machen würdest, machen.
Heute: nachdenken, statt leichtsinnig handeln
Einfach machen, man lebt ja nur einmal: ein Sentiment, das meine Oma so nicht für Gut heißen kann. Oft gehört aber eine schlechte Erfahrung dazu, um zu lernen, dass man nicht alles mitmachen muss. Die Horrorerfahrung meiner Oma mit Weed kann ich all zu gut nachvollziehen. Nur das es bei mir nicht sonnig, sondern mitten in der Nacht war und ich nicht einen Tag voller Übelkeit, sondern eine Nacht voller Panikattacken hatte. Eine Lehre war es mir auf jeden Fall auch. Manchmal muss man sich einfach an seinen gesunden Menschenverstand halten. Oder, um es in den Worten meiner Oma zu sagen: „Mit Kopf und Verstand einfach!“
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