„Wenn man die ökologischen Vorteile mit einbezieht, kann es Tennis noch attraktiver machen, da das Problem des Kunststoffmülls entfällt.“
Ein Ball, ein Spiel, eine zweite Chance für Tennisbälle
Es ist ein Sommernachmittag. Die warme Luft steht, irgendwo zirpen Grillen. Ein Ort abseits von allem – ein Tennisplatz. Das Spiel beginnt. Der Ball wird angesetzt, fliegt hoch und tack. In einer Geschwindigkeit schneidet er die Luft und fliegt zur anderen Feldseite, tack. Das gleiche wieder zurück. Tack. Tack. Tack.
Es braucht kaum Worte, nur diesen einen Punkt zwischen den beiden Spielern. Der Tennisball ist die Verbindung. Beide jagen ihm nach, wollen dort sein, wo er ist, ihn auffangen, ihn vor dem harten Aufprall am Boden schützen. Und doch: Sobald er Schwäche zeigt, wird er ersetzt. Liegt still am Rand, vergessen, verlassen, ausgetauscht. Doch Thanh will ein Umdenken schaffen. Im Rahmen der MediaNight präsentiert sie eine Maschine, die alten Tennisbällen ihre Sprungkraft zurückgibt: den T-Ball-Rebounder.
Technik gegen Kunststoffmüll
Die 22-Jährige studiert im zweiten Semester Wirtschaftsingenieurwesen Medien. Im Interview erklärt sie: „Tennis zählt weltweit zu den beliebtesten Sportarten der Welt.“ Der ITF Global Tennis Report des Tennisweltverbands bestätigt: Im Jahr 2024 spielten schätzungsweise über 100 Millionen Menschen in 199 Ländern Tennis. Dabei entsteht eine große Menge an Kunststoffmüll.
Im Gegensatz zu Basket- oder Fußbällen lassen sich Tennisbälle nicht einfach nachpumpen, sondern landen oft bereits nach einer oder zwei Saisons im Müll. Weltweit summiert sich das auf rund 15.000 Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr. Gute, langlebige Alternativen gibt es kaum.
Ausgehend von dieser Problematik entwickelte Thanh die Idee, die Lebensdauer von Tennisbällen zu verlängern. Ziel des Projekts sei es, Bälle wieder nutzbar zu machen, bevor sie entsorgt werden müssen. Die Kernfrage war für sie schnell klar: Wie kann es gelingen, Tennisbälle länger haltbar zu machen und dadurch Abfall zu reduzieren? Sie ist überzeugt: „Wenn man die ökologischen Vorteile mit einbezieht, kann es Tennis noch attraktiver machen, da das Problem des Kunststoffmülls entfällt.“
Der Markt für vergleichbare Produkte ist klein. Zwar sind in den letzten Monaten erste ähnliche Lösungen erschienen, sie weisen jedoch Schwächen auf. Viele funktionieren manuell und sind vollständig geschlossen, sodass der Prozess im Inneren nicht sichtbar ist. Der T-Ball-Rebounder unterscheidet sich durch seine automatisierte Funktionsweise und seine offene, transparente Bauweise. Mit rund 20 × 20 Zentimetern ist er zudem etwas größer als bestehende Produkte.
Überdruck statt Unterdruck
Zur Funktionsweise erklärt Thanh: „Viele Leute denken, es wird Unterdruck hergestellt, damit der Ball wieder aufprallt. Das stimmt nicht. Wenn man Tennisbälle kauft, sind sie wie in einer Dose verpackt. Da ist bereits Überdruck drin.“ Der Rebounder setzt genau hier an: Durch einen geringen Überdruck von ca. ein bis zwei Bar diffundiert Luft langsam in den Ball. Dieser kontrollierte Prozess macht ihn schrittweise wieder praller. Zu hoher Druck würde den Ball beschädigen. Eine Herausforderung ist zudem die Materialauswahl, beispielsweise bei der transparenten Scheibe, die dem Druck standhalten und gleichzeitig den Prozess sichtbar machen soll. Technisch basiert das Gerät auf einem Gewichtssensor, der die Pumpe aktiviert, sowie auf einem integrierten Druckmesser. Diese Komponenten miteinander zu verbinden, erforderte viel Experimentieren.
Das Projekt setzte Thanh alleine um, obwohl Gruppenarbeit möglich gewesen wäre. Rückblickend beschreibt sie diese Entscheidung als herausfordernd, aber lehrreich. Unterstützt wurde sie von der Hochschule, unter anderem durch die campusinterne Schreinerei. Gleichzeitig lernte sie, flexibel mit Problemen umzugehen. „Dass ich eine schnelle, unaufwendige Lösung gefunden habe, die mir dieses Komplexe genommen hat, lief wirklich gut“, resümiert sie.
Sehr alte oder stark beschädigte Bälle lassen sich allerdings nicht mehr retten. Der T-Ball-Rebounder ist nicht für den kurzfristigen Einsatz gedacht, sondern für eine regelmäßige Nutzung über längere Zeit. Langfristig kann sich Thanh vorstellen, das Projekt über das Studium hinaus weiterzuentwickeln – zum Beispiel durch fest installierte T-Ball-Rebounder auf Tennisplätzen. In diesen können die Bälle nach den Spielen ohne großen Aufwand gesammelt und gleichzeitig regeneriert werden.