Wer zahlt, studiert besser.
Studieren wird immer digitaler und immer teurer. Digitale Tools entscheiden zunehmend darüber, wer im Studium mithalten kann und wer nicht. Wer sich kostenpflichtige Premium-Abos wie ChatGPT Plus, LinkedIn Premium, Adobe oder die Office Programme leisten kann, arbeitet effizienter und erzielt oft bessere Ergebnisse. Für ein Abo bei Adobe zahlt man knapp 80 Euro im Monat. Wenn grundlegende Studienwerkzeuge zum Luxus werden, merkt man, der akademische Erfolg hängt zunehmend vom Geldbeutel ab.
Durch die stark gestiegene Anzahl an Studierenden in den letzten Jahrzehnten scheint auch der Leistungsdruck auf dem Arbeitsmarkt deutlich zugenommen zu haben. Das wird auch im Gespräch mit der psychotherapeutischen Beraterin, Sabine Köster deutlich. Sie sagt, dass Versagensängste zu den häufigsten Beratungsgründen im Studierendenwerk gehören. Die Psychologin betont, dass zusätzliche finanzielle Sorgen die Konzentration beeinträchtigen können. Der Kopf ist beschäftigt und die Kapazität für das Studium fehlt. Wenn Studierende hier an ihre Grenzen kommen, bieten digitale Tools eine verlockende Lösung.
Bildung wird Luxus.
Im Studienalltag merkt man schnell, wie wichtig digitale Tools inzwischen geworden sind. Mit einem eigenen Adobe-Zugang kann man Gelerntes praktischer anwenden und ohne die Office Programme fehlt die Basis für Hausarbeiten und Präsentationen. Die Unternehmen haben das schlau gemacht. Zeitlich begrenzte Testversionen zeigen, was alles möglich ist. Und nachdem man die Vorteile ausgetestet hat, ist die Testphase vorbei und die Verlockung groß ein Abo abzuschließen. Mit den kostenpflichtigen KI-Modellen lassen sich mehr Anfragen stellen, man hat den Eindruck, dass komplexe Inhalte leichter erklärt werden und Kernaussagen besser auf den Punkt gebracht werden.
Zehn Euro hier, zwölf Euro da, das klingt nicht so viel. Aber für Studierende, die ohnehin am Existenzminimum leben, macht das einen Unterschied. Das belegt auch das Statistische Bundesamt. Im Jahr 2021 waren 37,9 Prozent aller Studierenden in Deutschland von Armut gefährdet. Wenn sie alleine wohnen, steigt der Wert auf 76,1 Prozent. Der Großteil dieser Studierenden ist nicht in der Lage, unerwartete größere Summen zu bezahlen. Der zusätzliche Druck kostenpflichtige Tools zu abonnieren, verschärft die Situation weiter.
Aber so schlimm ist das doch alles nicht. Es gibt schließlich kostenlose Versionen. Ob die aber überhaupt mithalten können, ist eine ganz andere Frage. ChatGPT Free verfügt über die einfache KI, Nachrichten und Uploads sind eingeschränkt und auch der Speicher limitiert. Dabei wären genau diese Funktionen bei richtigen Lernsessions ziemlich praktisch. Bei LinkedIn kann man einen Großteil der Funktionen schon in der kostenlosen Version nutzen. Man findet Leute und Firmen oder kann sich über Jobs informieren. Sobald man jedoch Expert*innen und andere Nutzende anschreiben will, kommt man auch damit an die Grenzen. Ein gutes Netzwerk zu haben ist heute in der Arbeitswelt wichtiger denn je. Aber wie soll das entstehen, wenn man sich das im Studium nicht leisten kann?
Hochschulen und Unis bieten oft auch Softwares kostenlos an, um Studierende zu unterstützen. Konkret heißt das: Man kann in der Hochschule an einen PC-Pool gehen und dort zum Beispiel Adobe während der Öffnungszeiten nutzen. In einer Arbeitswelt, die zunehmend mobil und digital abläuft, ist diese Möglichkeit eher altmodisch. Einige Unis und Hochschulen stellen auch Lizenzen für zum Beispiel Microsoft Office zur Verfügung. Das ist ein wichtiger Schritt und wäre auch für weitere Tools notwendig, um die Chancengleichheit zu fördern. Wenn digitale Werkzeuge heute über Studienerfolg mitentscheiden, dürfen sie kein Privileg für Menschen mit mehr Geld sein.
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