Trend-Tanten 2 Minuten

Schatz, die Sonne deines Lebens bist du selbst!

Gute Fee des Internets vorLaptop mit Herzballons
Es ist peinlich single zu sein? Die Vogue behauptet das Gegenteil: Es ist peinlich einen Freund zu haben. | Quelle: Lilli Zenth
16. Jan. 2026

Ob Instagram, Tiktok oder in unseren Köpfen, Internet Trends sind unausweichlich und können schnell überfordern. Wie gut, dass es jetzt die Trend-Tanten gibt. Wir sind die guten Feen des Internets, die dir helfen den Durchblick zu bewahren. In der heutigen Folge: Ist es wirklich peinlich einen Freund zu haben?

Es würde mich nicht wundern, wenn die „Boyfriends” dieser Welt bald geeint gegen ihren aktuell wohl größten gemeinsamen Feind in den Krieg ziehen würden. Die britische Vogue. Denn diese erobert mit ihrem Artikel „Is having a boyfriend embarrassing now?” oder „Ist es jetzt peinlich einen Freund zu haben?” das Internet im Sturm. In typischer Generation-Z-Manier erfuhr ich davon natürlich nicht in dem Magazin selbst, sondern in meinem TikTok Feed. Dort tummeln sich gerade Frauen, die besser ein ernstes Gespräch mit ihrem Partner führen sollten, anstatt Kurzvideos im Internet zu posten, in denen sie mich in Echtzeit in ihre Trennungs-Planung einbeziehen. 

Und auch darüber hinaus haben es die Loverboys der Userinnen nicht leicht, denn auf einmal reichen die Minimalprinzip-Kurse à la „nur-das-absolut-Nötigste-tun”, nicht mehr aus. Und noch schlimmer: Ihre Herzdamen stellen so vollkommen absurde Forderungen wie Wertschätzung, Liebe oder Aufmerksamkeit. Alles, was bisher als pragmatisch, praktisch, passt schon einfach durchging, fällt jetzt unter das, was in meinem Algorithmus gerne „bare Minimum“, also das „Allernotwendigste” genannt wird. 

Besser single und glücklich?

Es ist wirklich eine grausame Vorstellung, dass Frauen lieber single und dabei glücklich wären, als sich die permanenten Enttäuschungen eines Mannes gefallen zu lassen, der sich zwar die Spielernummern seiner gesamten Lieblingsmannschaft problemlos merken kann, aber den Geburtstag seiner Freundin Jahr für Jahr vergisst. Der immer Platz im Kalender für seine Männer schafft, aber genervt die Augen verdreht, sobald die Person, die er „liebt”, seine kostbare Zeit zu beanspruchen droht.  

Was ich gerade auf meinem 6,7 Zoll Bildschirm mit großer Freude beobachten darf, ist ein kollektives Aufwachen von der Vorstellung, dass wir Männern gegenüber keine Ansprüche haben dürfen. Und das passiert nicht zufällig zu genau diesem Zeitpunkt. Denn noch nie waren Frauen so unabhängig von Männern wie jetzt gerade. Aufgrund der Errungenschaften des Feminismus ist es uns möglich, weder monetär noch sozial an einen Mann gebunden zu sein. Wenn ich endlich lernen würde, wie man diese blöde Bohrmaschine benutzt und dafür nicht jedes mal meinen Vater einbestellen müsste (danke Papa), könnte ich mich sogar gänzlich gegen ein Leben mit Männern entscheiden. Ich brauche keinen Mann, um glücklich zu sein und wenn dann doch einer kommt, dann weil er mein sowieso schon volles Leben so sehr bereichert, dass es beinahe überschwappt. Die goldenen Zeiten der Boyfriend-Manie sind vorüber und Single zu sein ist tausend mal schicker, als miserable Behandlung schweigend hinzunehmen und die eigenen Bedürfnisse so weit hinten anzustellen, dass sich unsere feministischen Vorreiterinnen im Grab umdrehen würden. 

Liebe ist nicht peinlich

Und nein: Es ist nicht peinlich verliebt zu sein. Liebe ist etwas Wundervolles! Es ist lediglich peinlich, einem Mann, der dich nicht nur nicht glücklich, sondern aktiv unglücklich macht, hinterherzujagen, als wäre er der Hauptgewinn deines Lebens. Und es ist nicht peinlich, sondern traurig, Frauen zu sehen, die eher ihre gesamte Persönlichkeit aufgeben würden, als einen Mann, der preisverdächtig wäre, würde es einen Award für Durchschnittlichkeit geben. 

Es ist nicht peinlich einen Freund zu haben, aber es ist überaus peinlich einen Mann zum Mittelpunkt seines Universums zu deklarieren, um den sich von früh bis spät alles dreht. Denn Schatz, die Sonne deines Lebens bist immer noch du selbst.