„Ain’t it fun? Living in the real world. Ain’t it fun? Being all alone.“
Ain’t it fun – endlich erwachsen
Endlich erwachsen. Mein 19. Lebensjahr eröffnete so viele neue Türen für mich: Auto fahren, endlich nicht mehr um 23 Uhr zuhause sein müssen, kein heimliches Rauchen mehr. Ausziehen, Studieren und mich endlich auf die altbekannte Suche nach mir selbst begeben.
Voller Vorfreude packte ich also mein altes junges Leben in ein paar Kartons und machte mich auf in eine neue Stadt. Meine Ansprüche an mich waren hoch, ich wurde für meinen damaligen Studien-Wunsch angenommen.
Ich hatte mir alles genau ausgemalt: wie ich mich verhalte, was ich anziehe, wer ich sein möchte. Doch schon die ersten Nächte in der eigenen Wohnung zeigten mir, dass das alles nicht so glamourös werden würde, wie ich es geplant hatte.
Eine wertvolle Erkenntnis
Von den ganzen Ersti-Veranstaltungen nahm ich nur einen Bruchteil wahr. Die meiste Zeit verbrachte ich in meinem Bett und wuchs auch schlussendlich dort fest. Meine Wäsche begann zu stinken, da ich vergaß, sie aufzuhängen. Der Salat in meinem Kühlschrank bildete neue Organismen und mein Studium fand eigentlich gar nicht statt. Das Erwachsenwerden bringt nicht nur Vorteile mit sich. Man muss einen Haushalt führen und seinen Verpflichtungen nachkommen. Vor allem muss man Verantwortung für sich selbst übernehmen. Ganz plötzlich sind keine Eltern mehr da, keine Geschwister oder Freunde. Und schafft man es nicht, sich an die neue Situation anzupassen, ist man ganz schnell alleine. Die Einsamkeit entzog mir jegliche Motivation und Kraft, morgens aufzustehen und das Haus zu verlassen.
An den seltenen Tagen, an denen es mich mal in die Uni zog, saß ich morgens in der Bahn und ließ mich von Paramores „ain’t it fun“ verspotten. In diesem Song singt Hayley Williams über das Erwachsenwerden und die Enttäuschungen, die damit einhergehen.
Das schicke, coole Gerüst der „Adulthood“ brach langsam aber sicher in sich zusammen. Und ich, als Architektin, konnte nur dabei zusehen.
Zum Beginn des zweiten Semesters, ein halbes Jahr nach meinem enthusiastischen Aufbruch, packte ich erneut meine Sachen zusammen. Und neben meinen Habseligkeiten landeten auch ein paar Erkenntnisse in den Kartons. Scheitern gehört zum Erwachsenwerden dazu. Es ist ein Prozess und muss nicht von Anfang an perfekt funktionieren.
Mir wurden Grenzen aufgezeigt, ich habe mich an Veränderungen gewagt, für die ich noch nicht bereit war. Mit meinem Anerkennen dieser Grenzen habe ich Verantwortung übernommen und in meinem besten Interesse gehandelt.
Wieder in meinem Kinderzimmer angekommen, packte ich aus und fühlte mich angekommen und erwachsener als je zuvor.
Hinweis:
Dieser Beitrag ist Teil des Kolumnenformats „Der Sound unserer Zeit“. Weitere Folgen der Kolumne sind: