Oma-Kolumne 3 Minuten

Hattest du schonmal „FOMO”, Oma?

Meine Oma entspannt am Strand.
Meine Oma 1993 in Mombasa, Kenia. Zusammen mit ihrer Freundin ist sie gerne gereist. | Quelle: Fannie Liebisch
13. Jan. 2026

Eine Welt ohne Internet – für mich völlig unvorstellbar. Für meine Oma früher (und um ehrlich zu sein auch heute noch) völlig normal. Trotzdem nehmen wir zusammen Social-Media-Trends unter die Lupe. In dieser Folge geht es um FOMO. Hatte meine Oma auch immer das Gefühl, etwas zu verpassen?

Es reicht ein Klick und schon sieht man sie – die Leute, die quer durch Asien reisen, ihren vierten Marathon laufen, aus Flugzeugen springen, mit dem Segelboot die Welt umrunden oder Vulkane besteigen, weil Berge wären ja zu langweilig. Der stinknormale Alltag auf Instagram. Da könnte man glatt das Gefühl bekommen, etwas zu verpassen. „Ich habe FOMO“ sagen manche und meinen damit die „Fear of missing out“.

Ich zähle mich auch zu den FOMO-Opfern. Kaum bin ich auf Instagram, plane ich schon meine nächste Weltumsegelung. Dabei werde ich selbst auf dem Bodensee schon grün im Gesicht. Eine Welle und mein Frühstück kommt wieder hoch. Bei meinen Freunden, die mit mir im Tretboot sitzen, kommt das so semi gut an. Ich akzeptiere mein Schicksal als FOMO-Opfer, aber vielleicht gibt es auch für Menschen wie mich noch Hoffnung. Deshalb frage ich jemanden, der schon viel erlebt und vermutlich auch schon viel verpasst hat – meine Oma.

Oma, hattest du schonmal „FOMO“?

„Ja, ich kenne das, aber das verschwindet zusehends bei mir im Alter. Solange die Kinder klein waren, hatte ich das Gefühl etwas zu verpassen, aber sonst eigentlich nicht. Gerade, wenn irgendwer Geburtstag hatte und ich daheim war, statt dort hinzugehen. Ich hatte meine drei Kinder und mein Mann war Elektriker und war auch nicht immer da. Solche Sachen. Geld hatte man sowieso nie besonders viel. Da hast du erst gar nicht geguckt. Vielleicht hat man gschwind einmal ein Veranstaltungsprogramm überschlagen oder so. Da hat man gewusst: Das kann ich mir leisten oder das kann ich mir nicht leisten. Lauter so banale Sachen.

Im Teenager Alter hatte ich dieses Gefühl gar nicht. Bei uns hat es vieles gar nicht gegeben. Frühestens wenn du Tanzstunden gemacht hast, durftest du abends raus von daheim. Wenn mein Vater nein gesagt hat, war das vom Tisch. Ob es mir recht war oder nicht. Basta. Er war da sehr konsequent.

„Heute habe ich diese Angst nicht mehr.“

Meine Oma

Heute habe ich diese Angst nicht mehr. Ich hab eine Glotze. Das brauchst du aber nicht in deinen Artikel schreiben. Nein, Quatsch. Das hängt damit zusammen, dass ich viel erlebt habe. Ich bin jetzt langsam in einer körperlichen Verfassung, in der ich nicht mehr alles mitmachen kann. Das gebe ich zu. Ich glaube, ich nehme das alles nicht mehr so ernst, weißt du? Ich bin jetzt 84, da kann in jedem Augenblick etwas sein. Das musst du eh nehmen, wie es kommt. Die Auffassung habe ich jetzt. 

Ich könnte viel mehr machen, wenn ich will. Aber, ich habe in meinem Leben genug geschafft und gemacht. Im Gegensatz zu einem Teil meiner Familie, habe ich viel von der Welt gesehen und das sehr genossen. Ich war unter anderem in der Dominikanischen Republik, auf Sri Lanka und in Mexiko. Aber erst nachdem die Kinder erwachsen waren.

Wenn ich einen Tipp geben dürfte, würde ich sagen: schalt deinen Computer oder dein Handy aus für ein paar Tage. Probier mal, wie du dich dann fühlst, ob du auf andere Ideen kommst.“

Heute: Weniger Instagram ist mehr

–  Wenn ich meiner Oma so zuhöre, beneide ich sie, weil sie anders auf das Leben blickt. Eine Prise ihrer Lebenseinstellung würde mir und ein paar anderen sicherlich guttun. Unsere Generation ist auf Plattformen wie Instagram im Dauervergleich. Der eine macht einen Fallschirmsprung und der andere sitzt beim Vizepräsident zum Mittagessen. Wenn man ständig sieht, wie aufregend das Leben von anderen scheint, kann man schnell denken, das eigene Leben wäre langweilig. Ein 15 Sekunden Clip und die Laune ist am Boden. Damit seid ihr nicht allein, wahrscheinlich sitzen wir alle so vor unseren Smartphones (auch die, die beim Vizepräsidenten zu Mittag essen). Zu waghalsigen Weltumrundungen mit dem Segelboot sagt meine Oma nur : „Da hätte ich noch viel zu verpassen, wenn man das so sieht. Aber ich empfinde es nicht so.“ 

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