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Wirtschaft&Forschung

Homeoffice
Wenn die eigenen vier Wände zum Büro werden.

Im Homeoffice reicht der Arbeitsplatz häufig vom Esszimmertisch bis in die Küche | Bild: Vincenta Peifer

Homeoffice Wenn die eigenen vier Wände zum Büro werden.

Im Homeoffice reicht der Arbeitsplatz häufig vom Esszimmertisch bis in die Küche | Bild: Vincenta Peifer
 

22 Dec 2020

Kontaktbeschränkungen, Lockdown und damit verbunden Homeoffice - immer wieder Alltag im Jahr 2020. Was macht das Arbeiten im Homeoffice aus? Welche Erfahrungen werden mit dem Homeoffice gemacht? Und: Was hat sich dadurch verändert? Fünf Menschen erzählen.

Vincenta Peifer

Unternehmenskommunikation
seit Wintersemester 2020
Marketing Kommunikation

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Selbstbestimmtes Arbeiten ist nicht für jeden Menschen leicht, doch momentan unvermeidlich. Während vor der Krise rund 40 Prozent von zu Hause aus arbeiteten, stieg dieser Anteil im zweiten Quartal 2020 um 20 Prozentpunkte (ifo-Institut).

Corona-Krise: Anteil der Belegschaft, der im Homeoffice arbeitete, aktuell arbeitet oder theoretisch arbeiten könnte in Deutschland im 2. Quartal 2020. Nach ifo Institut. (3. August, 2020). | Bild: Flourish

Für viele Erwerbstätige stellt Homeoffice eine Chance und eine Herausforderung dar. In diesem Kontext wird neben möglichen Vor- und Nachteilen die Produktivität im Homeoffice immer wieder thematisiert. Im Sommer hatte eine Umfrage der DAK Krankenkasse mitgeteilt, dass sich unter 7000 Arbeitnehmer*innen 56 Prozent als produktiver einschätzen.

Von Aline Santa (25 Jahre), Eventmanagerin für interne Veranstaltungen und Julian Becker (28), der Geschäftsführer einer Werbefilmproduktion ist, erfahren wir wie sie zu Themen rund ums Homeoffice stehen.

Bist du im Homeoffice produktiver? 

Im Allgemeinen kann Aline nicht sagen, dass sie produktiver ist. In ihrem Bereich hängt die Produktivität im Homeoffice von ihren aktuellen Aufgaben ab. Bei manchen Veranstaltungen ist sie lieber vor Ort und manche Aufgaben kann sie nicht zu Hause erledigen. Daher arbeitet sie noch zu 50 Prozent im Büro.

Julian sagt, dass er teilweise im Homeoffice produktiver sei - auch wenn das nicht so Spaß macht. Für Führungsaufgaben wie Personalgespräche und kreative Aufgaben ist er jedoch lieber im Büro. Wenn ein Konzept erstellt werden muss, brainstormen sie immer im Team. Via Zoom/Skype klappt dies nicht so richtig, sagt er.

 

Produktivität im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Produktivität im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Produktivität im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer

Welche Erfahrungen hast du mit dem Homeoffice gemacht?

Für Aline zeigt die Arbeit im Homeoffice einem Unternehmen, was gut läuft und was nicht. Sie beschreibt die aktuelle Situation als lehrreich und informativ.

“Am gravierendsten hat sich die Kommunikation und das Miteinander verändert.”  – Aline Santa

Durch die Arbeit im Homeoffice kann der Austausch nicht mehr so gut stattfinden. Da der Veranstaltungssektor von Vernetzung, Präsenz und direktem Feedback und Austausch lebt, fühlt sie sich im Homeoffice manchmal einsam. Obwohl sie jeden Tag mit ihren Kollegen*innen telefoniert, mangelt es an Nähe, sagt sie. Insgesamt ist sie mit Homeoffice zufrieden, kann es sich aber nicht dauerhaft vorstellen. 

Für Julian, der noch ein- bis zweimal die Woche im Büro arbeitet, ist Homeoffice ungewohnt. Solange das Homeoffice temporär ist und er die Freiheit hat, jederzeit in sein Büro zurückzukehren, fällt für ihn das Arbeiten von zu Hause positiver aus als erwartet. Manchmal ist das Homeoffice gut, manchmal nervig, sagt er. Für organisatorische oder planerische Aufgaben eignet sich das Homeoffice. Einige Aufgaben wie der Umgang mit großen Datenmengen und die Bearbeitung von Filmen sind dagegen von zu Hause aus schwer zu bewältigen. Im Allgemeinen hat er schnell eine Struktur entwickelt, innerhalb der er gut arbeiten und sich länger konzentrieren kann. Anfangs dachte er, dass es wichtig sei, einen festen Arbeitsplatz in der Wohnung zu haben, aber das ist nicht der Fall. Er stellte fest, dass er auf dem Sofa genauso gut arbeiten kann wie an einem Tisch. Trotz dessen komme man im Büro schneller voran, da Aufgaben auf kurzem Dienstweg gelöst werden können und es weniger Ablenkung gebe.

Erfahrung im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Erfahrung im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Erfahrung im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer

Welche Vor- und Nachteile hat das Homeoffice?

Laut einer im Jahr 2020 veröffentlichten Studie, ist die Zeitersparnis durch den wegfallenden Arbeitsweg der am häufigsten genannte Vorteil. Zu den Nachteilen gehört die Schwierigkeit, mit Kollegen*innen in Kontakt zu treten, sowie der Mangel an direktem Kontakt. Als weitere Schwierigkeit wird der Zugang von Arbeitsmaterialien oder Ablenkungen die es Zuhause gibt beschrieben (Quelle: DAK). Auch für unsere Befragten ist der Wegfall des Arbeitsweges ein Vorteil. In diesem Zusammenhang neigen sie dazu, früher mit der Arbeit zu beginnen. Aline ist der Ansicht, dass es virtuelle Kommunikation ermöglicht, mehr Menschen einzubinden und mehr internen Austausch zu haben. Dies hat den Vorteil, dass auch Teilzeitmütter an Besprechungen teilnehmen und flexibler eingebunden werden können. Andererseits erschwert die verstärkte Kommunikation in einigen Fällen den Arbeits- und Abstimmungsprozess. Während bislang ein- oder zwei Personen an Sitzungen oder Besprechungen für geplante Veranstaltung teilnahmen, werden nun alle Kunden, die an einem Workshop teilnehmen wollen, einbezogen. Eine weitere Schwierigkeit scheint die Konzentration und Disziplin zu sein. Auch Störungen durch den Paketdienst, sowie die Koordination und Organisation ihrer Arbeit als Eventmanagerin stellen für sie eine Herausforderung dar. Ortsbesichtigungen und Technik-Checks für Veranstaltungen konnten kurzfristig und vor Ort arrangiert werden. Gegenwärtig besuchen Kunden*innen die Räumlichkeiten selbständig mit einem Raumplan und einem Briefing. Da man im Homeoffice acht bis zehn Stunden nur auf den Bildschirm starrt, ist Monotonie für Aline ein weiterer Grund im Büro zu arbeiten. Dort habe sie zumindest einen kurzen Tapetenwechsel, indem sie in die Kaffeeküche oder zum Drucker geht.

Für Julian ist die ruhigere Arbeitsumgebung ein großer Vorteil. Jedoch empfindet er die Schwierigkeit Teamaufgaben zu erledigen und die Isolation vom Team nachteilig. Ihm fehlt die Geselligkeit des Teams um ihn herum.

Vorteile im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Nachteile im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Vorteile im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Nachteile im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Vorteile im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Nachteile im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer

Hast du eine klare Trennung von Berufs- und Privatleben?

Fast jeder zweite Befragte vermisst eine klare Trennung von Arbeits- und Privatleben. Vor allem jungen Mitarbeitern*innen fehlt durch das Homeoffice eine klare Trennung (Quelle: DAK).

"Wenn ich meinen Laptop schließe, habe ich nicht das Gefühl, dass ich offline bin."   – Aline Santa

Für Aline ist eine Trennung zwischen Beruf und Privat schwierig. Neulich habe sie um 21.30 Uhr eine E-Mail rausgeschickt. Das Problem ist, dass es Zuhause kein Hindernis gibt E-Mails nach der Arbeitszeit zu versenden, sagt sie. Dadurch leidet auch die Work-Life-Balance.

Auch für Julian ist die Trennung zwischen Beruf- und Privatleben größer, wenn er im Büro arbeitet. Dagegen ist die Work-Life-Balance im Homeoffice besser, da er sich den Arbeitsweg spart und private To-Dos in seinen Arbeitstag einschieben kann.

Trennung zwischen Berufs- und Privatleben im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Trennung zwischen Berufs- und Privatleben im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer
Trennung zwischen Berufs- und Privatleben im Homeoffice | Bild: Vincenta Peifer

Aufgrund der aktuellen Kontaktbeschränkungen kann davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der im Homeoffice arbeitenden Personen nicht abnehmen wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Arbeitssituation nach der Pandemie verhalten wird. Es wird jedoch vermutet, dass eine andere Art des Arbeitens bestehen bleiben wird. Eine Mischung aus Homeoffice und Büroarbeit wird häufiger vorkommen als bisher. Warum? Weil es offensichtlich funktioniert.