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Gesucht und gefunden? | Bild: Clara Schneemann

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Weiblich, 19, sucht...

Gesucht und gefunden? | Bild: Clara Schneemann

24 Jan 2020

Die große Liebe, eine Übergangslösung oder doch nur etwas Einmaliges für die Nacht: Sowohl auf Datingplattformen wie Tinder & Co. als auch bei der Wohnungssuche trifft man auf verschiedene Typen. Auch ich habe meine Erfahrungen mit ihnen gemacht – Hier ein Überblick.

Clara Schneemann

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2019
KulturGesellschaftPolitik

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1. Der One-Night-Stand

Beschönigen wir nicht unnötig. Man sieht sich, findet sich für die geplante Dauer der Zeit zumindest etwas sympathisch und landet im Bett (oder wo auch immer). Das reicht dann aber auch und man geht ganz entspannt wieder getrennte Wege.
Meine Zeit in Stuttgart begann mit einem ganz klassischen One-Night-Stand – zumindest was die Wohnsituation betrifft. Die ersten Nächte schlief ich im Wohnzimmer einer Kollegin aus der Gymnasialzeit. Wir wussten beide, dass diese Beziehung nicht zukunftstauglich war, ihr Vermieter hätte keine neue Mitbewohnerin akzeptiert.

2. Die Übergangslösung

Gut genug, um beispielsweise eine Trennung zu überleben. Es steht schon im Voraus fest, dass er nicht derjenige sein wird, mit dem du alt werden möchtest, aber du solltest das Ganze auch nicht unterschätzen. Oft scheitert die Beziehung daran, dass einer von beiden zu viele Gefühle entwickelt und alles im Chaos endet.
In meinem Fall ließ die Übergangslösung in Gestalt eines Wohnheimes nicht lange auf sich warten. Zwar waren meine ersten Mitbewohner dort wirklich sympathisch, dennoch machte mir das Fehlen eines aktiven Miteinander in der Zweck-WG auch schmerzlich die Entfernung von Zuhause bewusst. Wie schon erahnt, endete das (Miet-)Verhältnis im Chaos: Nach den Semesterferien zogen fast alle bisherigen Mieter des Apartments aus und die Neuen brachten Lärm sowie einen besonderen Mangel an Sauberkeit mit.

Die verschiedenen Typen bei der Wohnungssuche | Bild: Clara Schneemann
Der One-Night-Stand | Bild: Clara Schneemann
Die Übergangslösung | Bild: Clara Schneemann
Der Macho | Bild: Clara Schneemann
Der Abenteurer | Bild: Clara Schneemann
Der Spießer | Bild: Clara Schneemann
Der Geist | Bild: Clara Schneemann
Die große Liebe | Bild: Clara Schneemann
Gesucht und gefunden. | Bild: Clara Schneemann

3. Der Macho

Der Name ist Programm: Große Sprüche und selten was dahinter. Er prahlt gerne mit seiner Ausstattung, die klassisch aus einem dicken Auto, Goldketten und mäßig vorhandenen Muskeln besteht. Ob er damit etwas zu kompensieren versucht? Man weiß es nicht.
Der Macho begegnete mir bei meiner darauffolgenden Wohnungssuche zum Glück nur zwei Mal. Er entpuppte sich in beiden Fällen als Betrüger, der mit der Ausstattung seiner angeblich zu vermietenden Wohnung protzte und versuchte, mit dubiosen Tricks an das Kautionsgeld zu kommen. Der schöne Schein verschwand allerdings ebenso schnell, wie seine Anzeigen auf den Wohnungsportalen.

4. Der Abenteurer

Sportlich, naturverbunden und nur selten im Ruhezustand: Der Abenteurer ist eigentlich ganz cool zumindest, wenn man auf Action steht. Falls man aber zur Gruppe der Couchpotatoes gehört und wenig Stress haben möchte, sollte man sich auf diese Sorte lieber nicht einlassen.
Relativ häufig erschienen zunächst cool anmutende Unterkünfte, meist im Altbaustil, die sich aber im Nachhinein als äußerst arbeitsintensiv herausstellten. So fehlte beispielsweise das Wasser (oder es gab durch einen Schaden zu viel davon) und in anderen die gesamte Tapete. Am abenteuerlichsten erschien mir jedoch das Angebot einer Jungs-WG, die zukünftigen Mitbewohnerinnen gerne ihre Duschkabine in der Küche anbot.

5 Tipps zur Wohnungssuche von Angelika Brautmeier, Geschäftsführerin des DMB-Mietervereins Stuttgart und Umgebung e.V.:

  • Je mehr desto besser: Informiere möglichst viele Menschen, dass du auf Wohnungssuche bist.
  • Ganz oldschool: Verteile Aushänge mit Abreißzetteln an oft genutzten städtischen Lokalitäten (Bäcker, Metzger und selbst Bushaltestellen).
  • Helfen hilft: Vielleicht ist ein älterer Mensch bereit, dir eine Unterkunft zu gewähren, wenn du im Haushalt einfache Dienste wie die Kehrwoche oder auch mal das Einkaufen übernimmst. Vorteil: Dein/e neue/r Mitbewohner/in ist nicht alleine und du hast durch die Hilfe vielleicht die Möglichkeit, deine Mietkosten etwas zu reduzieren.
  • Anruf genügt: Versuche es gegen Ende des Monats auch mal mit einem Anruf bei Wohnungsgenossenschaften – sie wissen zu dieser Zeit am besten über die Auszüge in den Immobilien Bescheid und können dir so vielleicht ein Angebot unterbreiten.
  • Lass dich auf Neues ein: Auch wenn du vielleicht lieber die Einsamkeit deiner eigenen vier Wände zu schätzen weißt – deine Erfolgschancen erhöhen sich, wenn du für Alternativen offen bist. (Anm. der Autorin: Viele Portale bieten auch die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Wohnarten wie beispielsweise Zweck-WGs oder nach Geschlecht orientierten Gemeinschaften auszuwählen.)

5. Der Spießer

Same procedure as every day: Der Spießer liebt seine Angewohnheiten. Egal, ob die Suppe nicht so schmeckt wie bei Mama oder die Standardkrawatte verschwunden ist nichts ist ihm verhasster als Veränderungen. Wenn man doch mal spontan ins Kino will, statt ihn zum wöchentlichen Kollegentreffen zu begleiten, sollte man im Voraus mit einer Absage rechnen. Ob das auf Dauer Spaß macht, ist die Frage.
Bürgschaftsinformation der Eltern, Gehaltsnachweis, Kopie des Personalausweises und SCHUFA-Auskunft noch vor der Besichtigung: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich als Erstsemesterstudentin war mit einem solchen Prozedere oft maßlos überfordert (und bin es auch heute noch). Wenn dann noch Ruhezeiten ab 9 Uhr hinzukamen, war die Anzeige in besagten Portalen meistens schneller geschlossen, als dass ich sie noch einmal hätte lesen wollen.

6. Der Geist

Eine der übelsten Sorten. Durch das Schreiben entsteht das Gefühl einer Seelenverwandtschaft; man ist offensichtlich nur wenige Meter vom Traualtar entfernt – bis er sich nicht mehr meldet. Auch nach zahllosen Nachrichten und Anrufen kommt keine Reaktion. Es ist die nagende Ungewissheit, die einen nicht loslässt –​ findet er mich nicht hübsch genug oder hat er einfach nur sein Handy verloren?
Leider versteckte sich der Geist hinter vielen Angeboten. Je schöner das Zimmer, umso wahrscheinlicher erschien es auch, keine Antwort zu erhalten. Nach zu vielen Geistern resignieren die Meisten und geben die Suche auf. Wäre ich nicht so verzweifelt gewesen, hätte ich mich vermutlich genauso entschieden.

7. Die große Liebe

Vielleicht glaubt man doch irgendwann, den Richtigen gefunden zu haben. Alles passt (auch wenn das fast schon beängstigend wirkt) und das Glück scheint jetzt auch irgendwie physisch greifbar zu sein. Nach den vorherigen Erfahrungen möchte man sich vielleicht doch noch etwas zurückhalten, aber bei der großen Liebe fällt das natürlich schwer.
Was mich in diesem Fall betrifft: Ich muss jetzt aufhören zu schreiben, mein Freund wartet mit den Kisten für den Umzug im Auto – hoffen wir, es war der Letzte.