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Açaí-Bowls und Avocado-Brot - exotische Lebensmittel, die auch hierzulande angekommen sind. | Bild: Victoria Walter

Gesundheit&Sport Super Food
Übernatürliche Kräfte oder Abzocke?

Açaí-Bowls und Avocado-Brot - exotische Lebensmittel, die auch hierzulande angekommen sind. | Bild: Victoria Walter

22 Dec 2020

Ob Quinoa, Avocado oder Açaí-Beere - sogenannte Super Foods werden in den Medien seit Jahren breitgetreten. Doch was steckt hinter dem Trend und halten die Nahrungsmittel was der Name verspricht? Ernährungsexperte Stefan Ambacher klärt auf.

Victoria Walter

2. Semester Crossmedia Redaktion/Public Relations
seit Sommersemester 2020

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Es ist kein Geheimnis, dass manche Lebensmittel besser für uns sein sollen als andere. Man kennt es aus der Kindheit, als die Oma beim Essen zu einem meinte: „Brokkoli ist das beste was es gibt! Gesünder geht’s nicht!“ Bringt man jetzt exotische „super“ Nahrung auf den Tisch, die es hier eigentlich nicht gibt, fragt man sich, wie gut diese überhaupt sein kann, wenn sie nicht einmal auf Omas Speiseplan steht. 

Sammlung von Super-Food in einer Obstschale So viele Nährstoffe auf einem Haufen - doch die Super Foods haben auch Schattenseiten | Bild: Victoria Walter

Was machen Antioxidantien?

Viele Super Foods werden wegen ihres hohen Gehalts an Antioxidantien gepriesen. Beim Stoffwechselprozess produziert unser Körper freie Radikale, die in geringer Anzahl das Immunsystem unterstützen. Durch Stress, Alkohol oder falsche Ernährung kann es passieren, dass die freien Radikale den Antioxidantien überwiegen. Dieser Zustand heißt oxidativer Stress. Bleibt dieser bestehen kann es zu einer schnellen Hautalterung kommen. Der Körper kann zwar selbst Antioxidantien herstellen, doch nicht immer genug. Hier helfen die Super Foods. Oder?

Ernährungsexperte Stefan Ambacher findet es gut, dass Menschen sich durch Trends mehr mit ihrer Gesundheit beschäftigen. Doch er sieht das Ganze auch kritisch. Deshalb klärt er über fünf Mythen der bekanntesten Super Foods auf.

Bild von Mann in Zoom-Call Im Gespräch mit Ernährungsberater Stefan Ambacher | Bild: Victoria Walter

Avocados sind angebliche Schlankmacher. 2019 wurden rund 91 Tausend Tonnen der Riesenbeere nach Deutschland importiert. 2014 waren es noch knapp 40 Tausend. Avocados sind reich an ungesättigten Fettsäuren. Da die Fettverdauung lange braucht, hält das Sättigungsgefühl an. In Maßen können Avocados also durchaus beim Abnehmen helfen. Regionale Walnüsse besitzen jedoch dreimal so viel Fett. Auch die Ökobilanz spricht für sich: 100 Gramm Avocado haben eine CO²-Emission von 0.05 Kilogramm. Bei 91 Tausend Tonnen sind das 45.500 Kilogramm Emissionen.

Doch was sind ungesättigte Fettsäuren?

Fettsäuren bestehen aus Ketten von bis zu 26 Kohlenstoffatomen, die miteinander verknüpft sind. Gibt es eine oder mehrere Doppelbindungen, spricht man von ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Unser Körper kann diese Stoffe nicht produzieren, braucht sie aber zum Überleben.

Chia-Samen sollen ewig satt halten. Wegen der vielen Ballaststoffe quellen sie im Magen um ein Zehnfaches auf. "Allerdings wirken sie durch die empfohlene Tagesmenge von 15 Gramm nur ergänzend – nicht als vollwertige Mahlzeit", weiß der Ernährungsberater. Das regionale Pendant zu Chia-Samen sind die Lein-Samen. Auch sie besitzen eine hohe Menge an Ballaststoffen.

Es heißt, Goji-Beeren verlangsamen den Alterungsprozess. „Es stimmt zwar, dass Antioxidantien die Zellen unterstützen,“ so Ambacher, „allerdings lässt sich der Mehrwert der Goji-Beere nicht wissenschaftlich belegen.“ Wer also keine Lust auf Goji-Beeren hat, sollte sich die heimische Hagebutte einmal näher anschauen. Die Früchte ähneln sich nämlich nicht nur optisch.

Walnüsse sind das regionale Pendant zu der südamerikanischen Fettbombe | Bild: Victoria Walter
Ob Hirse oder Quinoa - beides ist glutenfrei und sehr eiweißhaltig | Bild: Victoria Walter
Hagebutte ist bei uns als Tee, Pulver oder getrocknet erhältlich - so wie die Goji-Beeren | Bild: Victoria Walter
Bio-Açaí schockgefroren - oder doch lieber frische regionale Beeren? | Bild: Victoria Walter
Der größte Unterschied zwischen Lein- und Chiasamen: ihre Farbe und Größe | Bild: Victoria Walter

Açaí-Beeren (gesprochen: assa-i) als All-Round-Talent? "Obst ist gut, frisches Obst ist aber immer besser“, weiß Stefan Ambacher. Da die Frucht ihren hohen Nährstoffgehalt nur bis zu 24 Stunden nach der Ernte hat, wird sie schnell weiterverarbeitet. Die frische Beere wird man bei uns nie sehen. „Durch den Verarbeitungsprozess gehen immer Nährstoffe verloren", erklärt der Ernährungsexperte, „daher ist naturbelassenes Obst stets die beste Wahl." Schwarze Johannisbeeren gibt es bei uns frisch und sie haben vergleichbar viele Nährstoffe wie das Püree der Açaí-Beere, jedoch weniger Kalorien.

Quinoa soll wegen seines hohen Eiweißgehalts vor allem beim Muskelaufbau helfen. Da das Pseudogetreide kein Gluten besitzt, ist es für Menschen mit einer Unverträglichkeit ein guter Ersatz. "Da das aber nur ein Prozent der Weltbevölkerung ist, soll der Rest gerne zu anderem Getreide greifen", appelliert der Ernährungsberater. Hier eignen sich regionale Hirse genauso gut. Sie haben mit elf Gramm beinahe so viel Eiweiß wie Quinoa und sind auch glutenfrei.

Die Nährwerte im Vergleich | Bild: Victoria Walter

Die wohl größte Schattenseite der Super Foods ist die hohe Umweltbelastung aufgrund der langen Transportwege. Wir haben gesehen, dass regionale Produkte oft genauso gut sind. Wieso dann viel Geld für nicht einmal frische Lebensmittel ausgeben?

Diese Frage muss wohl jeder Mensch für sich beantworten.