Sex&Identität

Pink Tax
Warum zahlen Frauen häufig mehr?

Frauen müssen häufig mehr für Ihre Produkte zahlen. | Bild: Nina Trefs

Pink Tax Warum zahlen Frauen häufig mehr?

Frauen müssen häufig mehr für Ihre Produkte zahlen. | Bild: Nina Trefs
 

20 Jan 2023

Teure rosafarbene Rasierer mit schlankerem Griff. Höhere Friseurkosten trotz gleicher Haarlänge. Das liegt an der sogenannten Pink Tax. Wie gegenwärtig diese ist und woher sie kommt.

Nina Trefs

Crossmedia- Redaktion/ Public Relations
seit Sommersemester 2022
FeminismusGesellschaftLifestyle

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Bei dem Begriff „Pink Tax“ handelt es sich nicht um eine Steuer, sondern um den Mehrpreis, den Frauen für „Damenprodukte“ zahlen sollen. Dieser auch „Gender Pricing“ genannte Mehrpreis kann sich auf viele Produkte beziehen: von Pflegeprodukten bis hin zu Kleidung und Friseurbesuchen.

Bei einer kalifornischen Studie aus dem Jahr 1994 wurden fast 800 Produkte verglichen und das zeigte erstmals, dass Frauen ca. 1300 US-Dollar mehr im Jahr für ähnliche Produkte zahlen. In Deutschland wird das Thema erst seit knapp zehn Jahren diskutiert. 2015 machte die Verbraucherzentrale Hamburg durch Studien auf das Problem aufmerksam. Ein Grund für die Pink Tax könne laut der Verbraucherzentrale sein, dass Frauen bereit sind mehr für einige Produkte zu bezahlen. Das betrifft zum Beispiel Pflegeprodukte, da Frauen bei dieser Produktart häufig großen Wert auf Qualität legen. 

Wie hoch ist der Preisaufschlag für Frauen?

Bei einer Stichprobe im Jahre 2019 hat die Verbraucherzentrale Hamburg die Preise an Männer und an Frauen adressierter Produkte verglichen. Darunter waren Einwegrasierer, Rasierschaum, Bodylotion und Parfüm von verschiedenen Herstellern.

Es wurden 28 Produkte miteinander verglichen. Darunter 14 für Frauen und 14 für Männer. Die Stichprobe zeigt, wie viel Frauen für alltägliche Dinge mehr bezahlen, als Männer für ein ähnliches Produkt.  

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg | Bild: Nina Trefs

Laut der Grafik liegt der Preisunterschied bei bis zu 108 Prozent. Es bleibt allerdings nicht bei diesen Produkten. Auch bei Dienstleistungen, wie Friseurbesuchen zahlen Frauen laut dem Tagesspiegel rund 60 Prozent mehr, trotz gleicher Haarlänge.

Doch warum werden die Produkte trotzdem gekauft?

Die Produkte werden trotzdem gekauft. Zum einen wird Kundinnen das Vergleichen von Preisen so gut es geht erschwert. Laut der Website Schnäppchenfuchs stehen in vielen Drogerie- und Supermärkte Männer- und Frauenprodukte nicht im selben Regal. Dadurch kommen viele Kundinnen nicht auf den Gedanken, dass ein anderes Produkt günstiger sein könnte. Außerdem hätten viele Produkte nicht die gleiche Füllmenge. Die Packung Männerrasierer scheint beispielsweise teurer, jedoch seien mehr Rasierer enthalten und damit heruntergerechnet um einiges günstiger als die Damenrasierer. Manche Unternehmen rechtfertigen laut der Website wmn. den Preisunterschied mit der unterschiedlichen Absatzmenge, doch wenn beispielsweise Frauenlotions in höheren Mengen bestellt und verkauft werden, solle der Preis sinken.

Im Marketing wird mit Ängsten gespielt. – Norman Habenicht, Head of Marketing bei Splendid Research

Norman Habenicht ist Head of Marketing bei dem Marktforschungsunternehmen Splendid Research.

In dem Fall wird laut Habenicht die Angst der Frauen vor Schönheitsverlust für Marketingzwecke ausgenutzt. Den Verbraucherinnen werde laut ihm erzählt, dass das Gesicht ohne diese bestimmte Creme schneller altern werde. Durch diese Angst seien Frauen dazu bereit, höhere Summen auszugeben. Laut Habenicht seien in der Gesellschaft Altersanzeichen bei Männern akzeptiert, während sie bei Frauen verschrien seien. Das könne ein Grund sein, warum Männer weniger bereit seien, beispielsweise für Pflegeprodukte oder Friseurbesuche zu bezahlen. In diesem Fall werde laut ihm die hohe Preisbereitschaft der Frau ausgenutzt.

Zahlen Männer auch mehr?

Doch es gibt auch Fälle, in denen Männer tiefer in die Tasche greifen müssen. Ein Besuch bei einem Drogeriemarkt zeigt, dass eine auf Männer spezialisierte Eigenmarke um einiges teurer ist, als die Eigenmarke für Frauen. Obwohl die auf Frauen abgezielte Hautpflege auch bei Männern funktioniert, wird durch cleveres Marketing und stereotypischen maskulinen Namen und Farben auf der Verpackung das Kaufverlangen des Mannes angesprochen. Höhere Preise erwarten Männer laut den Stuttgarter Nachrichten unter anderem auch bei Waxing- Produkten, bei Gebühren für Dating- Portalen oder Clubeintritten.

Es bleibt einem eigentlich nur der stille Protest des Nichtkonsumierens. – Norman Habenicht

Als Konsument*in könne man laut Habenicht statt dem rosa Rasierer einfach den blauen kaufen. So würde man dem Unternehmen zeigen, dass es so nicht sein sollte. Doch es gibt auch Erfolge von Aktivist*innen für gerechtere Preise bei Frauenprodukten. Seit dem 1. Januar 2020 werden Menstruationsprodukte, unter anderem Tampons, Binden und Menstruationstassen laut „cosmos direkt“ nicht mehr als „Luxusgut“ mit 19 Prozent versteuert, sondern nur noch mit der 7 Prozent Umsatzsteuer. Erst seit diesem Tag gelten sie als Produkte des täglichen Bedarfs. Durch Petitionen und hohe Aufmerksamkeit in den Medien wurde die sogenannte „Tamponsteuer“ gesenkt und die Preise gingen nach unten. 

Durch das Gesetz der Gleichstellung wurde die Pink Tax bereits in einigen Ländern eingeschränkt und verboten. In den USA gibt es beispielsweise die „New York City Gender Price Parity Law“, die Unternehmen verbietet, für ähnliche Produkte unterschiedliche Preise zu verlangen. 

Laut „cosmos direkt“ wird dennoch  das Bewusstsein für Gender Pricing und Pink Tax größer und der Druck auf Hersteller, geschlechtsunabhängige Preise anzubieten, steigt.