Symbolbild. | Bild: Pixabay

Leben mit Handicap
Eine Geschichte, die Du hören musst

Symbolbild. | Bild: Pixabay

01 Jan 1970

Ich schreibe diese Reportage über Niclas*, einen der Menschen, der mich mit am meisten in meinen 23 Jahren Lebenszeit geprägt und inspiriert hat. Als ich Niclas kennenlernte, war er 20 – nur ein Jahr jünger als ich – das Ganze ist bereits zwei Jahre her. Niclas ist jedoch etwas anders, als andere Jugendliche in seinem Alter.

Alles, was ich über Niclas weiß, weiß ich nicht von ihm. Er kann nämlich nicht sprechen. Wenn es gut läuft, kann er Laute von sich geben, Laute, die eher denen eines Orkas ähneln und nicht ganz definierbar sind.

Niclas ist zudem blind, sitzt im Rollstuhl, ist querschnittsgelähmt, hat verkrümmte Gelenke und Glieder und ist hochgradig pflegebedürftig. Was in seinem Kopf vorgeht, weiß man nicht genau. Die Medizin ist noch nicht so weit, dies konkret herauszufinden, so detailgetreu in Menschen und ihre Gehirne hineinzuschauen. Er gilt aber als geistig behindert, kann absolut nichts alleine tun, seine Reaktionen bleiben oft aus oder kommen verspätet. Und all das Tag ein, Tag aus.

Niclas ist Bewohner des Behindertenheimes Haus Königsegg in Oberursel, einer kleinen Stadt neben Frankfurt am Main. Bei meinem Ferienjob im Sommer 2017 dort lernte ich ihn kennen. Meine erste Begegnung mit ihm blieb in meinem Kopf haften: Ich betrat sein Zimmer, wie auch das der anderen, um alle zu begrüßen und mich als neue Mitarbeiterin vorzustellen.

Das Haus Königsegg Oberursel - ein idyllisches Gebäude, in welchem zurzeit 12 Bewohner mit geistiger Beeinträchtigung langfristig wohnen. Das Haus Königsegg Oberursel - ein idyllisches Gebäude, in welchem aktuell 12 Bewohner mit geistiger Beeinträchtigung langfristig wohnen. | Bild: Architektei Mey

Rollstuhlleben

Niclas saß in seinem Rolli, den Kopf vor Schwere nach vorne geneigt, sodass sein Buckel zu sehen war – entstanden aus den Jahren des Kopf-hängen-lassens – er sah ein bisschen aus, als würde er schlafen. Er war festgeschnallt, um nicht aus dem Sitz zu rutschen. In der Schnalle um seinen Hals klemmte ein Handtuch, das die Pfleger dort befestigt hatten, um den Speichel abzufangen, der aus seinem offen stehenden Mund rann. Er hatte die Augen geschlossen, man hörte ihn nur laut und regelmäßig atmen. Über seinem Rolli-Tablett hatte er die Hände vor sich gewölbt, die Pose erinnerte mich ein bisschen an ein Eichhörnchen, das eine Nuss vor sich hinschleppt.

Als er hörte, dass ich reinkam, schnellte sein Kopf in die Höhe - seine Aufmerksamkeit war 1A. Niclas wusste nicht, wohin er blicken sollte, er sah mich ja nicht. Sein Blick ruhte im Leeren – trotzdem konzentrierte er sich voll und ganz auf sein Gehör.

Ich trat näher und begrüßte den Zweitjüngsten des Erwachsenenwohnheims mit einem schüchternen „Hallo, Niclas!“ Grundsätzlich bin ich alles andere als schüchtern, aber ich muss zugeben, dass ich anfangs bei behinderten Menschen nicht so recht wusste, wie ich mich verhalten sollte: Mitleid zeigen? So tun, als sei nichts? Was darf ich sagen? Was nicht? Was versteht die Person und was nicht? Wie verhalte ich mich, ohne mir all diese Gedanken anmerken zu lassen? Und warum um alles in der Welt bin ich so?!

Kommunikation ohne Kommunikation?

Niclas bewegte sich nicht. Er lauschte nur. In seinem fragenden Gesicht mit seinen wässrigen, suchenden Augen erkannte ich Akne – ein Überbleibsel seiner noch nicht allzu weit in der Vergangenheit liegenden Pubertät.

Ich unterhielt mich eine Weile mit ihm – das heißt, ich redete, stellte mich vor, riss den einen oder anderen unangenehmen Witz, wie immer, und wartete nach jedem Satz auf seine Reaktion. Ich konnte nicht anders, als ihn anzustarren, wollte mehr über ihn wissen. Wie funktionierte er? Was denkt er gerade? Wie kann ich sein Vertrauen gewinnen? Er ließ sich nichts anmerken. Doch plötzlich war es, als hätte er all das, was ich gerade erzählt hatte verstanden: Seine Augen weiteten sich, seine Augäpfel rollten in meine Richtung und blickten mich direkt an, als würde er mich tatsächlich sehen können. Er verzog sein Gesicht zu einem breiten Lächeln, so breit, dass man seine Zähne erkennen konnte, große Zahnflächen, und lachte. Ich kannte dieses Geräusch nicht, konnte es zuerst nicht richtig zuordnen, aber was in diesem Moment passierte, kann ich kaum in Worte fassen. Was Niclas da von sich gab, dieses ganz eigene Lachen, war so echt. Ich hatte noch nie ein so ehrliches, echtes Lachen von jemandem gehört. Er strahlte Freude, Glück und so viel Liebe aus in diesem Moment, als stünde eine reine Emotion vor mir und kein Mensch. Ich fühlte das Glück so intensiv, dass mir die Tränen in die Augen stiegen und ich wusste: Dieser Mensch hier vor mir trägt mehr in sich, als die meisten Menschen, die ich kenne – mich eingeschlossen. Ich hielt es nicht mehr bei ihm aus, ich musste raus, das Ganze erst einmal verarbeiten: Dieser Mensch hatte es nicht verdient, in einem Rollstuhl zu sitzen, sich nicht richtig ausdrücken zu können, vielleicht sogar in einem Körper oder zumindest mal für immer in diesem elendigen Stuhl gefangen zu sein.

Nachdem ich das Zimmer verlassen hatte, traf ich auf dem Flur Josh*, Niclas‘ Pfleger, der ihn seit Jahren sehr gut kennt und ihn in den verschiedensten Lebensphasen begleitet hatte. Ich fragte ihn nach Niclas‘ Behinderung, ob er das von einem Elternteil bekommen habe oder wie das eigentlich passiert sei. Joshs Antwort erschütterte mich: „Niclas ist eigentlich gesund geboren.“

„Niclas ist eigentlich gesund geboren“

Ich schüttelte ungläubig den Kopf: „Wie?“ Und dann hörte ich seine Geschichte. Niclas war als drittes Kind in eine hessische Familie hineingeboren worden. Er war ca. eineinhalb Jahre alt, als seine Eltern beschlossen, in eine neue, große Villa in Oberursels Reichenviertel umzuziehen. Dieses pompöse Gebäude war endlich groß genug für die Familie, die plante, auch noch größer zu werden. Jedoch brauchte man auch Geld, um diese Familie zu ernähren. Die Eltern kamen auf die entzückende Idee, mit Versicherungsbetrug die Staatskassen auszutricksen und zündeten eines Abends die Villa an. Im ganzen Eifer des Gefechts vergaßen sie den kleinen Niclas im obersten Stock und flohen mit nur zweien ihrer Kinder, sodass dieser, schlafend und ahnungslos, den sich immer weiter ausbreitenden Flammen ausgesetzt war. Die ausrückende Feuerwehr wusste nichts von einem Menschen im Haus, sah nur das Bett, welches in Flammen stand, und löschte mit Löschschaum drauf los. Vermutlich der Mix aus Rauch, Gift, Feuer, Hitze und schädlichem Gas sind der Grund für Niclas‘ Schwerbehinderung, die ihn nie mehr loslassen sollte.

Auch jetzt, während ich die Geschichte aufschreibe, habe ich Gänsehaut. Die Verantwortungslosigkeit der Eltern wurde mit einer lebenslangen Haftstrafe für beide bestraft. Mittlerweile ist diese schon abgesessen, auf Grund einer Einstweiligen Verfügung dürfen sie sich Niclas jedoch trotzdem nicht nähern. Mit dem Wissen, dass sie das Leben eines potenziellen Bundeskanzlers oder Rennfahrers oder Astronauten oder Feuerwehrmannes oder ähnliches zerstört haben, müssen sie für immer leben.

Ich spürte eine tiefe Ungerechtigkeit, ein unglaublich unbefriedigendes Gefühl.

Mittagessen

Beim Mittagessen treffe ich Niclas wieder – er sitzt mit allen anderen Bewohnern am Tisch. Da er nur über einen Schlauch ernährt werden kann, also gar nicht über den Mund Nahrung aufnimmt, sitzt er nur da und hört den anderen beim Essen zu. Er selbst hat vorher sein Mittagessen von den Pflegern bekommen – eine erneute Flasche „Nutricia“, sogenannte Sondennahrung, diesmal mit Schokogeschmack. Die anderen Bewohner des Stockwerks sind sehr offen, Niclas gehört zu ihrer kleinen Familie dazu. Manche der Bewohner haben, wie er, auch keine Angehörigen mehr, sondern wohnen seit Jahren im Heim. Die Anderen wohnen wegen der Pflegebedürftigkeit dort, werden jedoch regelmäßig von Familienmitgliedern oder Freunden besucht und dürfen diese auch selbst besuchen.

Anteil Menschen mit Schwerbehinderung in der deutschen Bevölkerung von 1995 bis 2017 | Bild: Statista

Die Bewohner verlassen jeden Vormittag das Wohnheim, um in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten, Geld zu verdienen und sich auf ihre Weise ins Berufsleben einzubringen. Niclas ist dies nicht möglich, da er nach seinem abgeschlossenen Schulbesuch, bis er 18 wurde, keinen „Beruf“ ausüben kann. Er bleibt also mit den wenigen Bewohnern, denen es ebenso geht, im Heim und schaut fern oder nimmt an Aktivitäten teil, die die Pfleger veranstalten, zum Beispiel Spaziergänge, Zoobesuche oder Fahrten in die Stadt.

Dadurch, dass Niclas immer gepflegt werden muss (ein Aufwand von ca. 45 Minuten bis zu einer Stunde), in den Rollstuhl gesetzt werden muss (ca. 20 Minuten), ihm beim Einsteigen und Anschnallen in das behindertengerechte Auto geholfen werden muss (ca. 15 Minuten), das Abschnallen ebenfalls Zeit benötigt (ca. 5-10 Minuten) und das gleiche auf der Rückfahrt wieder passiert, braucht man als Pfleger genug Zeit, sich nebenbei dann auch noch um die anderen Bewohner zu kümmern und verbindet mit einem Ausflug einen großen Arbeitsaufwand.

Trotzdem, so erzählt mir Josh, gibt es kaum einen Heimbewohner, der von Ausflügen, der Sonne oder neuen Menschen derartig begeistert ist, wie Niclas. Der Aufwand würde sich zu 100 Prozent lohnen. Auch bei den anderen Pflegern sei Niclas sehr beliebt, manche seiner ehemaligen Pfleger kämen ihn auch nach Jahren noch besuchen, da er sie so berührt habe oder so in ihren Köpfen hängenblieb.

Ebenso höre Niclas gern Musik. Josh zeigt mir Niclas‘ Lieblingspiano, ein kleines Plastikklavier, welches beim Drücken einer Taste eine Melodie abspielt. Da Niclas nicht selbstständig auf die Tasten drücken kann, mache ich das und sehe, wie er immer wieder anfängt, zu grinsen. Das macht mich echt glücklich. Und doch ertappe ich mich beim Gedanken, dass sich das ein bisschen wie Dauerbespaßung anfühlt – etwas, wozu ein Pfleger sicher keine Zeit hat, der sich noch um zahlreiche andere Bewohner kümmern muss. Wird sich also in dem Maße um Niclas gekümmert, wie er es verdient? Wahrscheinlich nicht. Und dafür kann nicht mal jemand etwas. Außer seine Eltern.

Alex

Später lernte ich noch Alex* kennen, den jüngsten Bewohner des Hauses Königsegg, der erst 18 Jahre alt war, Italiener und unglaublich süß. Er hatte eine ähnliche Geschichte wie Niclas: Er wäre eigentlich gesund geboren worden, wenn nicht sein Vater seine Mutter während der Schwangerschaft geschlagen und in den Bauch getreten hätte.

Heute sind es ca. 3,4 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland und 7,8 Mio. Schwerbehinderte. Von Letzteren sind 2% Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Wie viele von diesen ganzen Menschen erleben ähnliche ungerechte Schicksale, wenn in diesem kleinen Wohnheim bereits zwei Leute ohne ihr Zutun ein neues Leben aufgedrückt bekommen? Vielleicht möchte ich die Antwort darauf gar nicht wissen.

Eins steht fest: Diese Jungs, besonders Niclas, haben mein Leben, meine Sicht auf Dinge, nachhaltig verändert. Ich möchte auch auf diese Weise inspirieren, ich möchte, dass Menschen sich in meiner Gegenwart genau so geliebt und wohl fühlen können, wie ich mich in Niclas‘ Gegenwart fühlte. „Du kannst echt sein, wenn ich es auch bin.“ Ich möchte, dass Alex‘ und Niclas‘ Geschichten jemanden erreichen, um etwas mehr Menschlichkeit in diese Welt zu bringen. Damit man wieder darüber nachdenkt, etwas mehr auf seine Mitmenschen zu achten und ihre Geschichten anzuhören – denn man muss Geschichten die Gelegenheit geben, erzählt zu werden. Auch, wenn es die Person selbst vielleicht nicht kann.

 

*Namen sind im Folgenden von der Redaktion geändert.

       

 

Eine selbstgemachte Decke verziert den Flur des Frauenhauses. | Bild: Irina Finke

Häusliche Gewalt
Milchglasfenster

Eine selbstgemachte Decke verziert den Flur des Frauenhauses. | Bild: Irina Finke

01 Jan 1970

Bunte Farben, lachende Kinder und trudelnde Erwachsene. Ein Ort, der wie viele andere zu sein scheint und doch fundamental anders ist. In dem schönen Altbaugebäude leben Frauen und Kinder, die vor häuslicher Gewalt Schutz suchen.

Wenn Suna mit ihren Freunden in einem Restaurant sitzt, redet sie nur dann über ihre Arbeit, wenn jemand sie danach fragt. „Ich sitze beim Essen und erzähle. Und auf einmal gucke ich nach oben und alle meine Freunde sitzen um mich herum und essen nicht mehr“, erzählt sie lachend. Sie sitzt in ihrem Büro, einem einladenden und offenem Raum, und berichtet aus einem Alltag, mit dem nicht sehr viele Leute vertraut sind. Nahe geht ihr die Arbeit nur noch in manchen Fällen, erklärt sie, während sie die selbstgemalten Bilder an der Wand betrachtet. Überall sind bunte Farben, die großen Fenster lassen viel Tageslicht herein und das leise Geräusch spielender Kinder hallt durch die Flure. Die letzte Option, Zufluchtsort, Zuhause: ein Frauenhaus.

Ein Haus wie jedes andere

Suna und ihre Kolleginnen arbeiten mit Frauen und ihren Kindern, die Zuflucht vor häuslicher Gewalt und Misshandlung suchen. Die meisten bleiben zwischen einem und sechs Monaten, selten bleiben sie bis zu ein Jahr. Im Laufe der Zeit ist die Zahl der Frauen, die aufgenommen wurden, gesunken. Dies läge vor allem daran, erklärt Suna, dass die Frauen länger bleiben als früher. Je länger die Frauen in der sicheren Unterkunft bleiben, desto unwahrscheinlicher sei es, dass sie wieder in eine Gewaltlage kommen.

Elf Plätze für Frauen und sieben Plätze für Kinder gibt es, verteilt über drei Etagen. Optisch erinnert das Frauenhaus an eine Jugendherberge: PVC-Boden, Gemeinschaftsräume, nummerierte Zimmer. An vielen Wänden hängen Poster, Broschüren oder Kunst. Auch einen kleinen Garten gibt es. „Der Außenbereich ist bei den Frauenhäusern meistens sehr wichtig, weil es immer Bewohnerinnen gibt, die nicht aus dem Frauenhaus raus können. Das geht dann aus Sicherheitsgründen nicht, oder sie wollen sich nicht länger draußen aufhalten, weil sie Ängste haben“, erklärt Suna. Hier können die Mütter, die wollen, einfach mal rauskommen und mit ihren Kindern Zeit verbringen. Die Kleinen sollen die Gelegenheit bekommen, einfach Kind zu sein. Sie sollen angstfrei sein und sich den Frust und die Angst von der Seele spielen können, meint Suna. Sie spricht in einem sanften Ton von den Frauen und Kindern, die sie im Frauenhaus kennengelernt hat. Sie scherzen miteinander, wenn sie sich auf dem Flur über den Weg laufen. Suna begegnet ihnen auf Augenhöhe, lacht viel, fragt sie nach ihrem Tag und erkundigt sich nach dem, was sie noch vorhaben.

Laut Suna bilden die Frauen untereinander ein starkes Netzwerk. Vor allem sei es wichtig, dass die Frauen merken, dass sie in ihrer Situation nicht alleine sind. Sie schließen Freundschaften, tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig. Es gibt Hausdienste und ein gemeinsames Frühstück, zu dem alle kommen können. Diese Gemeinschaft hilft den Frauen, wieder Normalität zu erfahren, sagen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses.

„Frauen haben keine Lobby.“

Doch damit die Frauen und ihre Kinder von den Mitarbeiterinnen im Frauenhaus Schutz, Beratung und Unterstützung bekommen können, müssen sie eines finden, dass noch Plätze frei hat.

Auf einer Informationswebsite im Internet können Frauen, die Schutz vor häuslicher Gewalt suchen, auf einer Karte sehen, wie voll die Frauenhäuser im jeweiligen Bundesland sind. Ein Ampelsystem zeigt an, ob die Frauenhäuser aktuell freie Plätze haben, fast voll belegt oder komplett ausgelastet sind. 182 Frauen musste das Frauenhaus, in dem Suna arbeitet, 2018 ablehnen. Denn deutschlandweit suchen circa 10.000 Frauen und genauso viele Kinder Zuflucht vor Gewalt in der Familie. „Es gibt auch Zeiten, wo hier in NRW alles rot ist. Es gibt auch Zeiten, wo wir von anderen Bundesländern Anrufe bekommen, weil die Frauenhäuser alle voll sind. Wir haben einfach viel zu wenige Plätze“, berichtet Suna kopfschüttelnd.

Wieso es immer zu wenig freie Plätze und zu wenig finanzielle Mittel gibt, ist für Suna klar.  „Ganz einfach: politischer Wille.“ Gelder gebe es genug, die Frauenhäuser würden nur nichts davon abbekommen. Laut einer Statistik des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2017 über Partnerschaftsgewalt versucht jeden Tag ein Ehemann, seine Frau umzubringen. Jeden dritten Tag gelingt es. „Wäre das eine Krankheit, dann würden Millionen fließen, aber Frauen haben keine Lobby“, kritisiert Suna.

Auch die Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen stelle ein Hindernis dar. Das Land stellt ca. 65 Prozent der Gelder, die in Suna’s Fraunehaus für Personalstellen eingesetzt werden. Der Tagessatz, der für eine Person die Kosten für einen Tag im Frauenhaus deckt, wird mit der Stadt vereinbart. Wenn die Frauen diesen Tagessatz nicht selber decken können, müssen sie zu verschiedenen Ämtern, um Leistungen zu beantragen. Sie können zum Beispiel Gelder bei dem Jobcenter ihrer Stadt anfragen, welches eine gemeinsame Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit und eines kommunalen Trägers ist und somit auch auf Bundesebene agiert. Manche Frauen fallen hier leider durch das Raster, meint Suna. Studentinnen zum Beispiel haben keinen Anspruch auf Leistungen vom Arbeitsamt, durch die ihr Aufenthalt im Frauenhaus finanziert werden könnte.

Einmal im Monat kommt die Landesarbeitsgemeinschaft der autonomen Frauenhäuser zusammen und redet über die politischen Aspekte ihrer Arbeit. Die Finanzierung ist dort immer Thema Nummer eins. Was von Bund und Land nicht gedeckt werden kann, wird über Spenden finanziert. Sowohl gewerbliche als auch private und Sachspenden empfängt das Frauenhaus. Auf dem Weg in den Keller erklärt Suna, dass sie mit dem Sortieren der Sachspenden nicht mehr hinterherkommen. Der dunkle Kellerraum, in dem die gespendeten Kleider lagern, ist so überfüllt, dass man kaum noch hindurch laufen kann. „Viele wollen helfen“, sagt Suna, während sie erzählt, dass bald wieder jemand vorbeikommen will, um die Spenden zu sortieren.

Patriarchalismus

Neben Hilfestellung bei der Finanzierung des Aufenthalts werden die Frauen bei der Gestaltung eines gewaltfreien Lebens unterstützt. Bei Beratungsangeboten soll den Frauen dabei geholfen werden, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. „Der Aufbau einer Existenzgrundlage der Frauen steht immer im Vordergrund“, erklärt Suna.

Oft seien Machtgefälle zwischen den Ehemännern und ihren Ehefrauen die Ursache für häusliche Gewalt. Diese seien bedingt durch gesellschaftliche- und politisch-patriarchische Strukturen - egal ob in der deutschen oder einer ausländischen Kultur, meint Suna. „Es ist ganz klar: Das gibt es überall.“ Doch nur mit dem Blick auf Frauenhäuser pauschal etwas über die Opfer häuslicher Gewalt zu sagen, gehe nicht. Suna erzählt von vielen Frauen, die kein Netzwerk haben, durch das sie Unterstützung und Schutz bekommen können.  Sie haben auch oft nicht die finanziellen Mittel, ohne die Hilfe anderer aus ihrer Gewaltsituation zu entkommen. Die Frauen jedoch, die ein Netzwerk und Geld zur Verfügung haben, tauchen selten im Frauenhaus auf.

Immer und überall sicher sein

Die Art, wie viele Medien mit dem Thema ‚Gewalt gegen Frauen‘ umgehen, missbilligt Suna: „Es ist immer die Schuld der Frau.“ Was helfen würde, wäre mehr Präventionsarbeit. Suna und ihre Kolleginnen gehen in Schulen, um mit Kindern schon früh über Gewalt, die Vermeidung und Verarbeitung von Misshandlung zu sprechen. „Eigentlich müsste in den Schulen von der Grundschule an im Unterricht das Thema behandelt werden“, findet sie. Auch habe sie schon von Polizisten gehört, die oft mit Situationen häuslicher Gewalt überfordert sind. Frustrierend sei es zum Beispiel für alle Beteiligten, wenn die offensichtlich misshandelte Frau kein Deutsch spricht und der Misshandler als Dolmetscher agiert. Während Suna redet, wandert ihr Blick aus dem Fenster. Doch heraussehen kann man nicht. Alle Fenster des Frauenhauses, durch die jemand hineingucken könnte, sind aus Milchglas. Egal, wo man hinguckt: man merkt immer, dass dies eine Festung der Sicherheit ist.

Doch in seltenen Fällen kann leider nicht einmal das Frauenhaus genug Schutz bieten. Suna erzählt, dass in den 40 Jahren, in denen das Frauenhaus in Betrieb ist, zwei Frauen umgekommen sind. Eine davon wurde sechs Wochen lang betreut und dachte, dass es für sie sicher wäre, wenn sie mit ihrer erwachsenen Tochter zu ihrem ehemaligen Zuhause geht, um ein paar Sachen abzuholen. Ihr Misshandler jedoch ließ sich nicht davon abhalten, dass seine Tochter vor Ort war und erstach die Mutter. „Ich glaube, dass der Mann in diesem Moment wirklich nicht wusste, was er macht, weil da so viel Hass, so viel Wut war“, überlegt Suna. „Eigentlich ist er ja die Person, die von diesem Menschen abhängig ist. Die sehen die Frau wirklich als Eigentum.“ Das würden die Misshandler in dem Moment bemerken, in dem sie von ihrem Opfer verlassen werden, meint sie.

„Wenn du noch Fragen hast und nicht weiterkommst, oder du irgendwas brauchst“, sagt Suna, „dann kannst du mich immer anschreiben oder anrufen.“ Sie öffnet die Haustür und die Geräusche des Frauenhauses gehen im Lärm der Straße unter. Niemand würde ahnen, dass das große, unscheinbare Gebäude ein Frauenhaus ist. So leben die Bewohnerinnen ihr neues, hoffentlich gewaltfreies Leben: direkt vor den Augen der Öffentlichkeit und doch ungesehen.

       

 

Die Deutsche Bahn leidet derzeit an einem Lokführermangel. | Bild: Cordula Friz

Nachtschicht
Im Lokführer(t)raum

Die Deutsche Bahn leidet derzeit an einem Lokführermangel. | Bild: Cordula Friz

01 Jan 1970

Jeder möchte heutzutage schnell und einfach von A nach B kommen, doch immer wieder fallen Bahnen wegen Personalmangel aus. Benni fährt schon seit Jahren für die Deutsche Bahn und kennt die positiven sowie negativen Seiten des Berufes.

22:53 Uhr am Bahnsteig Winterbach. Aus den Gärten hinter dem S-Bahnhof ist lautes Gelächter zu hören. „Heute wird bestimmt viel los sein, morgen ist ja Feiertag“, meint Benni. Plötzlich rennt ein junger Mann über die Gleise. „Sowas ist brutal gefährlich“, ärgert sich Benni. Sein Blick schweift auf die Uhr. Kurz darauf: Einfahrt S2 Richtung Filderstadt.

Während seine Frau und sein Kind bereits schlafen, tritt Benni seine Nachtschicht als Lokführer an. Der 37-Jährige arbeitet seit über 20 Jahren bei der Deutschen Bahn. Er läuft entlang des Gleises bis nach vorne zum Lokführerraum und steigt zu seinem Kollegen hinzu. Die beiden scheinen sich gut zu kennen. „Next Station: Main Station“, ertönt es aus den Lautsprechern der Bahn. „Früher mussten wir das immer selbst sagen, heute erkennt das GPS der Bahn, wo wir uns befinden, und die Durchsagen kommen von allein“, erklärt Benni während er in den Hauptbahnhof Stuttgart einfährt. Für seinen Kollegen endet die Schicht hier und seine beginnt. Er nimmt auf dem Lokführersitz Platz, während sein Blick auf die rechte Anzeige des Führerstands fällt: Die Bahn hat momentan fünf Minuten Verspätung.

Ab Hauptbahnhof bis zur Universität folgt eine Tunnelfahrt. Viele Studenten fahren tagtäglich diese Strecke zur Hochschule, doch von hier vorne sieht alles ganz anders aus. Die Fahrt im Lokführerraum bei Nacht erinnert an eine dunkle Rutsche in einem Vergnügungsbad. Viele bunte Lichter schmücken die Strecke, und das Ende des Tunnels ist nicht zu sehen. „Durch den langen Bremsweg des Zuges sind Ampeln immer vorsignalisiert“, erklärt Benni. „Wenn eine rote Ampel kommt, könnte ich nicht sofort halten, deshalb werden meine Stopps immer mit vorherigen Signalen farblich angekündigt.“

Sicherheitssystem der Deutschen Bahn

23:38 Uhr, Stuttgart Universität. Bevor Benni nach dem Halt weiterfährt, steht er von seinem Fahrersessel auf und wirft mit seinen dunklen Augen einen routinierten Kontrollblick aus dem Fenster. Alle Türen sind geschlossen, die Fahrt kann weiter gehen. Benni sieht trotz später Uhrzeit gut gelaunt und wachsam aus. Mit der einen Hand befindet er sich stets am Gashebel. Während er die Bahn steuert, drückt Benni immer wieder auf ein Pedal. Dabei ertönt ein Klacken. „Das ist die Sifa“, erklärt er lächelnd, als würde er eine Person vorstellen. „Die Sicherheitsfahrschaltung muss ich alle paar Sekunden erneut drücken, falls ich zum Beispiel in Ohnmacht fallen würde.“ Benni wartet einen Augenblick, daraufhin leuchtet das Sifa-Zeichen sofort auf seinem Führerstand auf. Einen Moment später kommt ein Piepsen hinzu. „Nach dem akustischen Signal wird der Zug sofort gestoppt“, meint Benni. Jetzt muss er wieder Gas geben. „Viele sagen, dass das automatische Drücken eine Berufskrankheit ist. Die Lokführer drücken auch, wenn sie im Restaurant sitzen alle paar Sekunden“, lacht er.

In Deutschland ist die sogenannte Zeit-Zeit-Sifa gebräuchlich. Dabei hält der Lokführer ein Pedal oder einen Taster gedrückt. Der Druck muss mindestens alle 30 Sekunden kurz unterbrochen werden, damit die Sicherheitsfahrschaltung die Bestätigung erhält, dass der Lokführer noch reaktionsfähig ist.

Benni an seinem Führerstand Benni an seinem Führerstand. | Bild: Cordula Friz

23:58 Uhr, Endstation Filderstadt. Keine Zeit für Benni um sich zu entspannen: „Wir haben hier nicht so viel Zeit“, meint er. Um 00:04 Uhr muss er die S2 zurück nach Schorndorf fahren. Er zieht seinen Schlüssel ab, schaltet den Führerraum aus und steigt mit einem großen Schritt hinab auf den Bahnsteig. Schnell geht er zur anderen Vorderseite des Zuges. Benni steckt seinen Schlüssel ein und startet die Bahn Richtung Filderstadt. Im Abteil hinter dem Lokführerraum herrscht scheinbar eine gute Stimmung, denn das Gelächter der Jugendlichen ist nicht zu überhören. „Normalerweise ist unter der Woche nicht so viel los, aber morgen ist Feiertag und Pfingstferien sind ja diese Woche auch noch“, sagt Benni.

Mitreißender Beruf

Seit Jahren fallen in Deutschland immer wieder Züge aus, da Lokführer fehlen. Um die Hürden für Interessenten zu senken, müssen Bewerber kein schriftliches Anschreiben mehr einreichen. „Die Arbeitszeiten, also die wechselnden Schichten schrecken bestimmt viele ab: Mal früh, mal spät, mal nachts. Auch Wochenendschichten und das Arbeiten an Feiertagen gehört zum Beruf“, sagt Benni. Eigentlich habe er eine 39-Stunden Woche, aber das ist ziemlich unterschiedlich. Manchmal gehen seine Schichten zwölf Stunden, andere wiederum nur sechseinhalb. „Außerdem kann der Beruf sehr nervenaufreibend sein“, lacht Benni. Sein Lachen klingt gekünstelt.

Ein Lokführer trägt ein hohes Risiko, in seiner Berufslaufbahn in einen Bahnsuizid verwickelt zu werden. Nach Angaben der Deutschen Bahn überfährt ein Triebfahrzeugführer in seinem Berufsleben durchschnittlich zwei bis drei Menschen. „Ich habe den Durchschnitt schon überschritten. Ich hatte jetzt schon vier.“ Die Geschwindigkeit seiner Stimme verlangsamt sich. „Aber es gibt auch Kollegen, die fahren schon seit 30 Jahren und haben noch keinen Unfall oder Suizid erlebt.“ Benni atmet kurz auf. „Ja, da ist man halt zur falschen Zeit am falschen Ort“, ergänzt er. Über das Thema redet er offen und abgehärtet. Die Deutsche Bahn umschreibt den Tod eines Menschen auf Schienen mit den Worten "Personenschaden“ oder „Personenunfall“. Die Begriffe klingen nüchtern. Ein Lokführer weiß, wie viel Leid sich hinter diesen Worten versteckt: Benni war schon mehrmals für längere Zeit krankgeschrieben und in psychologischer Betreuung. Die Bahn hält an. Benni läuft wieder ans Fenster und macht seinen Kontrollblick zu den Türen der S-Bahn. Dann gibt er wieder Gas.

„Du kannst das betriebliche Vorgehen, dass man beispielsweise den Notruf absetzen muss, üben, aber auf die Situation an sich ist man nie vorbereitet“, ist sich Benni sicher. Viele seiner Kollegen fahren nach einem Bahnsuizid oder Unfall nie wieder. „Ich hatte Ende Januar wieder einen Vorfall, da habe ich mir das erste Mal überlegt, ob ich meinen Job noch weitermachen will.“ Benni wartet einen Moment und atmet auf, bevor er wieder spricht. „Eigentlich mache ich es ja trotz allem gerne. Und natürlich muss ich meine Familie ernähren und Geld verdienen“, sagt er in einem ernsten Ton. Ein Moment lang herrscht Stille, nur das Klick-Geräusch des Sicherheits-Pedals und der Fahrtwind sind zu hören. „Man hat schon auch Schuldgefühle, das nimmt einen schon mit“, erzählt Benni weiter. „In meiner Familie gab es auch einen Suizidfall.“ Er lacht kurz auf, aber sein Lächeln verschwindet sofort wieder von seinen Lippen. „Wenn man selbst das Leid einmal als Angehöriger mitgekriegt hat, macht man sich bei den Fällen auch seine Gedanken.“ Bennis Ziel ist es, so früh wie möglich in Rente zu gehen. „Ich möchte dann die Zeit genießen, aber das würde ich generell in jedem Job so machen“, meint er fröhlich.

„Die Zeit ist das Wichtigste, was man hat.“ – Benni

Werdegang eines Lokführers

Um 00:24 Uhr erreicht Benni erneut die Universitäts-Haltestelle. Eine Truppe Jugendlicher steigt ein. Einer von ihnen hält eine Weinflasche in der Hand. Das Gelächter der Freundesclique aus dem Abteil hinter dem Lokführerraum schallt bis nach vorne. Fast so, als wären sie direkt mit im Raum. Trotzdem mag er Nachtschichten ganz gern: „Nachts ist eigentlich alles ein bisschen ruhiger“, erzählt er mit seiner lockeren Stimme. Tagsüber in der Hauptverkehrszeit ist es stressiger.“ Dennoch sei der Beruf des Lokführers nicht sein Traumjob gewesen. Er habe nach der Schule nicht genau gewusst, was er beruflich machen soll. „Ein Freund von mir hat ein Jahr früher die Realschule beendet und bei der Bahn eine EnergieelektronikLehre gemacht, denn früher musste man erst einen technischen Beruf lernen, bis man den Lokführer machen darf.“ Daher hat Benni bei der Bahn zuerst einen technischen Beruf erlernt und erst nach seiner Ausbildung zum Industriemechaniker ein Jahr die Weiterbildung zum Lokführer absolviert. „Ich bin glücklich mit meinem Leben, aber das hat nichts mit meinem Beruf zu tun“, erzählt er zufrieden. „Klar, man sollte schon zufrieden sein in seinem Beruf, aber man muss sein Glück nicht im Beruf suchen“, meint Benni.

Um Lokführer zu werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für eine klassische dreijährige Ausbildung zum „Eisenbahner im Betriebsdienst – Fachrichtung Lokführer und Transport“ benötigt man mindestens den Hauptschulabschluss. Aber auch einen Quereinstieg bietet die Deutsche Bahn an, um unter anderem den Mangel an Fachkräften zu beheben. Die Ausbildung dauert zehn Monate und eine vorherige abgeschlossene Berufsausbildung, möglichst technischer Richtung, sollte vorhanden sein.

Durch die offenen Fenster saust der Wind an Benni vorbei. Plötzlich zieht ein Schauspiel aus Blitz und Donner am Himmel auf. „Das hat schon was, das würde ich im Büro nicht sehen.“ Benni lächelt. Der Fahrtwind wird immer leiser, als Benni die Bahn zum nächsten Halt abbremst. Der 37-Jährige sitzt nicht immer in der Bahn, sondern kümmert sich auch um die Störbereitschaft in Plochingen. „Ich war die letzten vier Wochen im Büro und bin jetzt auch mal wieder froh, zu fahren“, sagt Benni. „Ich war noch nie so der Büro-Typ und bin dann mal ganz froh, eine Katze am Bahnsteig zu sehen.“ Sein Blick wandert zu einer Katze auf der rechten Seite des S-Bahnhofs. „Was ich mag und mir im Büro fehlt, ist, dass ich draußen sein kann und immer unterwegs bin.“

„Mein Job ist sehr, sehr selten langweilig.“ – Benni
Bahnhof Schorndorf Bevor Benni die S-Bahn abstellen kann, sucht er die Abteile nach eingeschlafenen Passagieren ab. | Bild: Cordula Friz

Endstation

„Fahrgäste bitte alle aussteigen“, ertönt es aus den Lautsprechern der S-Bahn. Um 01:10 Uhr kommt die Bahn pünktlich in Schorndorf an. Die Fahrten im Lokführerraum vergingen wie im Flug. Hier hat Benni Pause, bevor er die nächste Bahn um 02:10 Uhr übernimmt und seinen Kollegen ablöst. „Unsere Bahn wird für heute abgestellt“, sagt Benni. Wieder zieht er die Schlüssel und schaltet den Führerraum aus. Am Bahnhof ist nicht sehr viel los, nur ein paar Jugendliche befinden sich mit Bierflaschen am Bahnhof. Benni passiert es immer wieder, dass er während seiner Schichten angepöbelt wird: „Oft sind das die, die im Zug liegen bleiben“, lacht er. „Die können auch mal handgreiflich werden. Im schlimmsten Fall rufe ich dann die Polizei, aber das ist relativ selten“, meint er. Benni öffnet die erste Passagier-Türe der S-Bahn. Er tritt in ein stilles Abteil, in dem man sogar eine Nadel fallen hören würde. Mit zügigen Schritten läuft Benni die Gänge der Bahn entlang, um sicherzustellen, dass sich keine Fahrgäste mehr im Zug befinden. Erst danach kann er die Bahn vom Bahnsteig wegfahren und abstellen. Im ersten Abteil befindet sich eine junge Frau im Teenager-Alter, welche mit ihrem Kopf am Fenster schläft. Benni stellt sich neben sie und setzt mit einem lauten Ton an: „Endstation, bitte aussteigen.“ Verschlafen fährt das Mädchen hoch und steigt aus. Im zweiten S-Bahn-Abteil schaltet Benni das Licht der Bahn aus. Jetzt ist es in der Bahn nicht nur vollkommen ruhig, sondern auch stockdunkel. Lediglich das Licht des Bahnhofs fällt durch die Fenster in die Flure der Bahn. So können die Leute am Bahnsteig erkennen, dass diese Bahn abgestellt wird. Die Schritte von Benni sind zielstrebig und schnell. Im nächsten Abteil findet Benni noch einen schlafenden Passagier. „Hey, Endstation! Aussteigen“, sagt Benni mit lauter Stimme. Ein großer, schmaler Mann fährt mit lauter Stimme hoch: „Du hast mich zu Tode erschreckt“, erwidert er, bevor er die Bahn verlässt. „2 Leute sind noch okay, oftmals sind es mehr“, erklärt Benni mit lockerer Stimme. Dann steigt er aus der dunklen Bahn und begibt sich zum Führerraum der anderen Fahrtrichtung, um die Bahn auf ein anderes Gleis abzustellen. Erst jetzt hat Benni Pause.

Pausenraum Schorndorf An jeder Endstation befindet sich ein Pausenraum für die Lokführer. | Bild: Cordula Friz

In Schorndorf gibt es einen kleinen Pausenraum für die Lokführer. Dort befinden sich Toiletten sowie einen Automaten, in dem man sich Kaffee, Tee oder Suppen herauslassen kann. Daneben steht ein Tisch, zwei Stühle und eine kleine Sofa-Ecke. Der Raum erinnert an einen Aufenthaltsraum in einer Schule. Das Ticken der Wanduhr füllt die kleine Stube. „Nächste Woche bin ich im Büro und dann habe ich Urlaub, ich freue mich schon“, sagt Benni mit einem großen Strahlen im Gesicht. Dabei lässt er sich einen Kaffee aus dem Automaten, um sich bis zum Schichtende um 07:30 Uhr wach zu halten. In dieser Nacht wird Benni Schorndorf nochmal besuchen. Die nächste Bahn fährt er nach Filderstadt und wieder zurück. Dann wird er sie erneut in Schorndorf abstellen und eingeschlafene Passagiere aus deren Traum wecken. Nach einer Pause fährt er dann ein weiteres Mal zum Hauptbahnhof. Dort wird Benni abgelöst und bis er daheim ist, wird seine Familie schon wach sein.

       

 

Die Bundesliga am Boden? Von wegen! | Bild: Tobias Bachmann

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Die Bundesliga am Boden? Von wegen! | Bild: Tobias Bachmann

01 Jan 1970

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) befindet sich in einem Geldrausch, von dem unzählige deutsche Unternehmen derzeit nur träumen können. Zum 14. Mal in Folge verzeichnet die Bundesliga einen Umsatzrekord. Doch steht dieses Wachstum, welches immer mehr Angebot mit sich bringt, überhaupt in einem gesunden Verhältnis zur Nachfrage?

Für manche ist der Fußball König, für andere reiner Kommerz. Die DFL experimentiert seit zwei Jahren, zum Unmut traditionell eingestellter Fans, mit neuen Anstoßzeiten. Spieltage werden zerfleddert, Topclubs reisen in der Saisonpause nach Asien und Amerika. Das Ziel: Mehr Spielzeiten anbieten, neue Märkte erschließen, mehr Geld machen. Obwohl der Fußball keine Zitrusfrucht ist, wird er so lange ausgepresst, bis auch das letzte Tröpfchen Saft gewinnbringend an Mann und Frau gebracht wurde. Im Februar 2019 erschien der alljährliche DFL Wirtschaftsreport. Blickt man auf die darin enthaltenen Zahlen bezüglich der Umsatzentwicklung von 2003 bis 2018, so wird die enorme Steigerung des Profits der Bundesliga und 2. Bundesliga deutlich.

So viel Umsatz macht die 1. und 2. Bundesliga pro Jahr. | Quelle: DFL Wirtschaftsreport 2019

Ablösesummen schießen in die Decke

Eine große Rolle für diesen Aufwärtstrend spielen extrem hohe Ablösesummen. Seit einigen Jahren sind vor allem internationale Vereine dazu bereit, für einen neuen Akteur tief in die Tasche zu greifen. Dem Fußballportal transfermarkt.de ist zu entnehmen, dass für jeden der derzeit zehn teuersten Spieler der Welt, dreistellige Millionenbeträge bezahlt wurden. Von diesen ist der am 1. Juli 2019 vom FC Chlesea zu Real Madrid gewechselte belgische Nationalspieler Eden Hazard mit 100 Millionen Euro am günstigsten. Die Spitze hält nach wie vor Neymar, der bei seinem Transfer vor zwei Jahren von FC Barcelona zu Paris Saint-Germain 222 Millionen Euro kostete. Der Trend zu solch hohen Ablösesummen „macht sich auch in der Bundesliga bemerkbar“, wie es im bereits erwähnten Report der DFL heißt. Zudem sei der Anteil der Transfersummen am Gesamtvolumen der Bundesliga deutlich größer geworden.  

Neben den monetären Mitteln der Clubs ist auch die Anzahl an Medien gewachsen, die sich an der Berichterstattung der Bundesliga beteiligen möchten. Streamingdienste wie DAZN und Eurosport Player mischen den Markt kräftig auf und bringen den Bundesliga-Platzhirsch Sky sowie die öffentlich-rechtlichen Klassiker Sportschau und Sportstudio zunehmend in Bredouille. Kein Wunder, denn die mediale Verwertung machte 2017/18 ein Drittel der gesamten Einnahmen der Bundesliga aus. Das geht aus dem Einnahme-Mix der Bundesliga hervor.  

Die verschiedenen Einnahme-Positionen der Bundesliga. | Quelle: DFL Wirtschaftsreport 2019
„Vor allem die Vermarktung der nationalen Medienrechte der Bundesliga erbrachte Mehreinnahmen von 287 Millionen Euro (plus 30 Prozent) gegenüber dem Vorjahr.“  – DFL

Sky: 20.000 Zuschauer weniger als 2017/18  

Ein flämisches Sprichwort besagt: „Man muss den Mund aufmachen, wenn Brei angeboten wird.“ Aber folgen die Bürger der Bundesrepublik Deutschland dieser Weisheit? Schließlich wird die Bundesliga hierzulande in einem sehr hohen Maße angeboten. Selbst dann, wenn keine Livespiele stattfinden. Doch wie sieht es mit den Livezuschauern vor dem Fernseher aus? Datenermittlungen des Medienmagazins MEEDIA zeigen, dass an Samstagnachmittagen in der Spielzeit 2018/19 mit durchschnittlich 1,45 Mio. Zuschauern, 20.000 Menschen weniger die Bundesliga live im TV verfolgten, als im Vorjahr. Dort waren es noch 1,47 Mio. Fans. Dies könnte unter anderem mit dem Abstieg der beiden Publikumslieblinge Hamburger SV und 1. FC Köln in 2018 zusammenhängen. Die beiden Kultvereine lagen in ihrer Abstiegssaison im Sky-Quotenranking, ebenfalls von MEEDIA berechnet, auf dem vierten und fünften Platz.

Die Sportschau erreicht seit Jahren durchschnittlich fünf Millionen Zuschauer. | Quelle: AGF; GfK

Sportschau nach wie vor beliebt

Die Sportschau der ARD erreichte mit ihren Spielzusammenfassungen von 2009 bis 2016 durchgehend eine konstant hohe Anzahl an Fernsehzuschauern. Laut quotenmeter.de lag die Zuschauerzahl der Kultsendung in der Saison 2017/18 durchschnittlich bei 5,01 und in 2018/19 bei 4,72 Millionen. Daraus lässt sich schließen, dass die öffentlich-rechtlich produzierte Bundesligasendung trotz der extrem hohen, privaten Konkurrenz immer noch sehr beliebt ist.  

Die neue Bundesligasaison startet am 16. August mit dem Spiel des Rekordmeisters FC Bayern München gegen Hertha BSC Berlin und wird live auf ZDF und Eurosport zu sehen sein. Auch im vergangenen Jahr wurde das Eröffnungsspiel der besten deutschen Fußball-Liga im Free-TV gezeigt. Damals spielte der FC Bayern gegen die TSG 1899 Hoffenheim. 6,99 Millionen Fußballbegeisterte schalteten dieses Spiel ein.  

       

 

Mehrere tausend Patienten werden jährlich in der onkologischen Abteilung des Dornbirner Krankenhauses behandelt. | Bild: https://www.pexels.com/photo/blue-and-silver-stetoscope-40568/

Ein Tag in der Onkologie:
„Gefühlt stirbt hier jeden Tag jemand“

Mehrere tausend Patienten werden jährlich in der onkologischen Abteilung des Dornbirner Krankenhauses behandelt. | Bild: https://www.pexels.com/photo/blue-and-silver-stetoscope-40568/

01 Jan 1970

Der Tod gehört im Krankenhaus zum Alltag. Vor allem aber in der Onkologie ist er ein ständiger Begleiter. Auch im Vorarlberger Krankenhaus Dornbirn in Österreich. Mit 69 Betten ist die Abteilung für Innere Medizin die größte des Krankenhauses, hierzu zählt auch die onkologische Tagesklinik. Mit rund 20 Ärzten, 70 Pflegekräften und Abteilungshelfern wird Tag für Tag versucht, dem Krebs den Kampf anzusagen. Für die Mitarbeiter ist das nicht leicht: Täglich erleben sie die Ängste der Patienten und das Leid der Angehörigen.

Um kurz vor acht Uhr morgens strömt der Geruch von Kaffee aus dem Schwesternzimmer in die Gänge des sechsten Stocks. Während sich Dr. Jürgen Ertl* gemeinsam mit anderen Ärzten und Pflegekräften auf den bevorstehenden Tag vorbereitet, tropft leise Kaffee aus der Kaffeemaschine. Die Fenster sind zum Lüften geöffnet, frische Morgenluft durchdringt den Raum. Alle sitzen gemeinsam an einem Tisch und tauschen sich über die Geschehnisse der Nacht aus. Das grelle Klingeln eines Diensttelefons stört die Runde. Ein Assistenzarzt klinkt sich aus dem Gespräch aus und nimmt ein Telefonat entgegen. Die Visite steht als erster Punkt auf der Tagesordnung der onkologischen Station.

Der 58-Jährige ist Oberarzt der Krebsstation. Die Onkologie befasst sich mit der Entstehung, Entwicklung und Behandlung von Tumorerkrankungen und ist Teildisziplin der inneren Medizin. Vor dem ersten Zimmer studiert Dr.Ertl die Krankenakte der Patientin hinter Tür B624. Diese umfasst Informationen zu Vorerkrankungen, Medikamenten, Allergien und Stand des Untersuchungsverlaufs. Der Tod ist in seinem Arbeitsalltag ein ständiger Begleiter: „Gefühlt stirbt hier jeden Tag jemand“, sagt er. Seit rund 30 Jahren arbeitet der Arzt in der Inneren Medizin, seit 20 Jahren hier im Krankenhaus Dornbirn. „Der Beruf als Onkologe kann wahnsinnig spannend sein“, sagt der Oberarzt. „Aber auch nach all den Berufsjahren wird der Umgang mit dem Tod nicht erträglicher“. Der Anblick der Betroffenen sei für ihn bis heute kein einfacher: „Gerade die gesamte Familie in dieser Situation sehen zu müssen, ist hart.“

Als sich die Türe öffnet, ist ein latenter Geruch von Desinfektionsmittel wahrzunehmen. Im Raum liegt eine 93-jährige alte Dame mit Schizophrenie und Wahnvorstellungen. In der Nacht habe sie oft Angstzustände. Laut Psychiater ist das alles jedoch im Rahmen des Alters. Während sich der Doktor mit der Patientin unterhält, ist im Hintergrund ein rhythmisches Tropfen der Infusion zu hören. Die Frau hängt am Sauerstoff, selbstständig kann sie nur sehr schwer atmen. Dr. Ertl verabreicht ihr ein Benzodiazepin, ein Beruhigungsmittel, um ihre Angstzustände etwas zu mildern. „Ich glaube, sie hat Angst zu sterben“, sagt er.

In den meisten Fällen begegnen Menschen dem Tod erst dann, wenn dieser im Bekannten- oder Familienkreis eintritt, oder sie selbst erkranken. Menschen wie Dr. Ertl begegnen dem Tod täglich. Sie müssen sich mit den Ängsten der Patienten und dem Leid der Angehörigen auseinandersetzen, Empathie zeigen, gleichzeitig jedoch auch professionelle Distanz wahren. Keine leichte Aufgabe. „Vor allem beim Tod von jungen onkologischen Patienten mit langer Betreuungszeit oder von einem Elternteil mit Kindern ist das wirklich schwer“, sagt der 58-Jährige. Vor allem aber in seiner Anfangszeit habe der Arzt Angst gehabt, falsche Entscheidungen für den Patienten zu treffen. „Das schwirrt einem eigentlich immer irgendwie im Hinterkopf herum“, sagt er. Auch das werde nicht zwingend einfacher mit den Jahren, denn je mehr berufliche Erfahrung, desto mehr sei das Bewusstsein dafür da, welche potentielle Fehler eintreten können. „Das ist einem als junger Assistenzarzt vielleicht nicht ganz so klar“, meint der Onkologe.  

Nicht jeder Krebs ist tödlich

Laut dem Bundesgesundheitsministerium erkranken jährlich etwa 476.000 Menschen neu an Krebs. So war im Jahre 2014 jeder vierte Todesfall durch Krebs bedingt. Für die meisten Todesfälle unter Männern war in diesem Jahr der Lungenkrebs verantwortlich. Zum Vergleich: An Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstarben in diesem Zeitraum circa 338.000 Menschen. Insgesamt sei die häufigste Krebserkrankung bei Männern jedoch der Prostatakrebs, bei Frauen der Brustkrebs. Nach Angaben des statistischen Bundesamts verstarben im Jahr 2016 rund 230.700 Patienten an einem bösartigen Tumor.

Es gibt jedoch zwischen den vielen Todesfällen auch immer wieder unerwartete und untypische Krankenverläufe. „Ich hatte einmal einen Patienten, bei dem wir aus therapeutischer Sicht am Ende des Möglichen angelangt waren. Doch plötzlich verbesserter sich sein schlechter Allgemeinzustand. Er klarte auf und konnte stabil nach Hause geschickt werden. Heute kommt er in regelmäßigen Abständen zur Nachsorge“, sagt der Oberarzt. „Das glich fast schon einem Wunder.“ Im Hintergrund tönt seit Beginn der Visite ein permanentes Piepsen der Patientenrufanlage auf dem Flur der Station. Dieses gilt als Signal und Aufforderung für das Pflegepersonal, einem Patientenanliegen nachzukommen.

Krebs sei jedoch auch nicht gleich Krebs. Bei der gleichen Diagnose gebe es unterschiedliche Verläufe des Krankenbildes. Jeder reagiere individuell. Nicht jede Krebsart verurteile den Menschen zum Tode: „Ein Hodgkin-Lymphom zum Beispiel, die Erkrankung des Immunsystems mit Lymphknotenvergrößerung, hat bei früher Diagnosestellung eine Heilungschance von rund 95 Prozent“, erklärt Dr. Ertl.

Die Medizin – ein facettenreiches Fach

Der Oberarzt ist aber nicht ausschließlich in der onkologischen Tagesklinik tätig. Am frühen Nachmittag zum Beispiel verlegt er einen Patienten zur Herzkatheteruntersuchung in eine Spezialabteilung. Der 40-Jährige war mit Atemnot und Herzrhythmusstörungen sowie mit einem Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik eingewiesen worden. „Im Nachtdienst muss jeder Arzt alles können, egal auf welches Fach er spezialisiert ist“, wirft Dr. Ertl ein.

Besonders aber in der Onkologie sei es wichtig, sich viel Zeit zu nehmen. „Die Umgebung und Betreuung von Ärzten und Schwestern sind beim gesamten Behandlungsprozess enorm wichtig. Fühlt sich der Patient aus irgendwelchen Gründen nicht wohl, so ist es noch schwerer für ihn, sich zu erholen“, erklärt der Arzt.  Beim Blick aus dem Fenster fällt auf, dass im Minutentakt das Gebäude betreten und verlassen wird. Im Krankenhaus Dornbirn wurden 2017 ungefähr 54.000 Patienten behandelt, darunter fast 9.000 ambulante Patienten in der Abteilung des Oberarztes.

„Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen ich mich frage, ob und wie lange ich das Ganze hier noch machen will“, sagt Dr. Ertl. Nachdenklich blickt er auf die Akten, die auf seinem Schreibtisch liegen. Die Medizin habe aber neben all den Schattenseiten durchaus auch schöne Dinge an sich: „Die ständige Herausforderung, neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Medizin am Patienten umzusetzen, ist das, was unseren Beruf so interessant und faszinierend macht. Das abwechslungsreiche Tätigkeitsfeld mit viel Kontakt zum Menschen führt auch zu einem gewissen Maß an innerer Zufriedenheit, ein Zustand, der sich praktisch durch mein ganzes Berufsleben gezogen hat“, erzählt der 58-Jährige.  

Dem Oberarzt hilft es, seine freie Zeit mit Leuten zu verbringen, die nicht im medizinischen Beruf tätig sind, um den Gedanken an den Klinikalltag zu entkommen. Gespräche und Unternehmungen mit engen Freunden tun ihm sehr gut. „Dann kann ich wirklich abschalten“, sagt er. Für ihn sei es wichtig, die kranken Patienten nicht außerhalb seiner Tätigkeit gedanklich mit sich herumzutragen. „Im Dienst versuche ich voll da zu sein. Sobald ich das Krankenhaus verlasse, möchte ich das alles aber hinter mir lassen. Manchmal einfacher gesagt als getan“, erklärt der 58-Jährige. Er zieht seine Karte, die seine tägliche Arbeitszeit erfasst, über das Lesegerät vor dem Ausgang, steckt sie in seinen Geldbeutel und verlässt das Gebäude. Für heute ist sein Arbeitstag beendet.

*Der Name wurde aus Datenschutzgründen von der Redaktion geändert.

 

       

 

Erneuerbare Energien sind für viele offensichtlicher Umweltschutz. Aber was ist mit Fleisch? | Bild: Jason Blackeye, Jez Timms (Unsplash)

Umweltbewusstsein
Ja zu Umweltschutz – Nein zu Fleisch?

Erneuerbare Energien sind für viele offensichtlicher Umweltschutz. Aber was ist mit Fleisch? | Bild: Jason Blackeye, Jez Timms (Unsplash)

01 Jan 1970

Deutschland wird umweltbewusster. Und auch die Bereitschaft, den eigenen Fleischkonsum der Umwelt zuliebe zu überdenken, steigt langsam. Doch das Steak landet weiterhin auf dem Teller.

Kohlekraftwerke schließen und die Deutschen wählen in der diesjährigen Europawahl grüner: Die Klimakrise ist im Alltag präsent. Ein Rückgang des Fleischkonsums wäre daher eine logische Schlussfolgerung, denn die Produktion tierischer Produkte schadet der Umwelt. Doch ist diese Veränderung Realität?

Das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz ist langsam gestiegen. Das zeigt eine repräsentative Studie des Bundesumweltministeriums 2018, die gemeinsam mit dem Umweltbundesamt herausgegeben wurde. Die Befragten messen der Thematik ähnlich viel Bedeutung bei wie den Top-Themen Bildung und soziale Gerechtigkeit. Das hat Gründe: Über 90 Prozent der Befragten schätzen den Umweltzustand als schlecht ein. Als bedeutend erachtet, wird beispielsweise die Umweltbelastung durch den Straßenverkehr.

Die Grafik zeigt: Immer mehr Deutsche finden, dass dem Umweltschutz mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Den hohen Wert in der Studie 2012 könnte der Atomunfall 2011 in Fukushima erklären.

Doch die Bevölkerung ist unzufrieden mit der Politik: Laut den Befragten leisten diejenigen, die eine Veränderung bewirken können, nicht genug, um dies auch tatsächlich zu tun. Die Menschen sehen sich vermehrt verpflichtet, eigene Beiträge zu leisten und aktiv zu werden. Immerhin 33 Prozent stimmen in der Studie 2008 voll und ganz zu, dass durch umweltbewusstes Alltagsverhalten wesentlich zum Klimaschutz beigetragen werden kann. Doch die Befragung zeigt auch, dass es für viele Menschen bisher nicht vorstellbar ist, Fleisch und andere tierische Produkte aus dem Speiseplan zu streichen.

Fünf Millionen Tonnen Fleisch

Das spiegelt sich in den Zahlen wider: 60 Kilogramm Fleisch verzehrte jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr 2017. Dabei hat das, was auf dem Teller landet, einen erheblichen Einfluss auf unsere Umwelt. Die Produktion tierischer Produkte trägt laut der UN-Organisation FAO mit 14,5 Prozent der weltweit verursachten Treibhausgase maßgeblich zur Erderwärmung bei. Ein Kilogramm Rindfleisch benötigt bei der Herstellung rund 15 000 Liter Wasser, zeigt die Organisation Water Foodprint Network. Die Umweltbewusstseinsstudie führt an: „Durch eine fleischlose Ernährung können die Klimabelastungen, die insgesamt vom Lebensmittelkonsum ausgehen, um gut ein Drittel reduziert werden."

Fast fünf Millionen Tonnen Fleisch werden In Deutschland jährlich insgesamt konsumiert, zeigt die Albert Schweitzer Stiftung. Von 2000 bis 2007 ist der Pro-Kopf-Verbrauch zwar gesunken, doch 2013 lag er wieder auf einem hohen Niveau, über dem aus dem Jahr 2000. Warum jedoch sinkt die Menge nur geringfügig, obwohl das Umweltbewusstsein ansteigt? Steht für die Bevölkerung Fleischkonsum nicht im Zusammenhang mit Umweltbelastung?

Das Bewusstsein für diesen Zusammenhang ist erst in den letzten Jahren gestiegen. Auch in der Umweltbewusstseinsstudie ist ersichtlich: Seit 2012 wird der Fleischkonsum als entscheidender Faktor erwähnt und ab 2014 explizit danach gefragt. In den Jahren davor behandelt die Studie das umweltbewusste Alltagsverhalten in Hinsicht auf Strom oder Kraftstoffe. Möglich ist also, dass der Fleischkonsum in Bezug auf Umweltschutz zu dieser Zeit noch kein präsentes Thema war. Oder aber, dass die Studie es noch nicht aufgenommen hatte.

Bereitschaft zu weniger Fleisch

Trotzdem geht der Konsum von Fleisch langsam zurück. Nach Ansicht des Fleischerverbandes ist das auf gesellschaftliche Entwicklungen zu einer weniger fleischlastigen oder fleischfreien Ernährung zurückzuführen. Genauso spielen dabei Lebensmittelskandale sowie ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein eine Rolle, zeigt die Gesellschaft für Konsumforschung. Rund ein Drittel der Haushalte ordnet sich mittlerweile als Flexitarier ein, konsumiert also nur hin und wieder Fleisch. Auch wenn einige sich einen Umstieg auf eine fleischlose Ernährung noch nicht vorstellen können: Viele sind aufgeschlossen, ihre Essgewohnheiten auf eine Weise zu ändern, die besonders für Umwelt und Klima förderlich ist.

Diese Bereitschaft ist über die Jahre gestiegen, zeigt die Umweltbewusstseinsstudie: Wo 2014 ein Fünftel der Befragten angab, dass sie Fleisch sehr selten (einmal in der Woche oder seltener) verzehren, so legen 2016 schon 67 Prozent mindestens jeden zweiten Tag einen fleischfreien Tag ein. Der Anteil derer, die gänzlich auf tierische Produkte aus dem Speiseplan streichen, hat sich zudem auf vier Prozent verdoppelt. Im Jahr 2018 gaben schon mehr als ein Viertel der Befragten an, dass sie zeitweise oder dauerhaft auf Fleisch oder weitere tierische Produkte verzichtet haben. Die Mehrheit würde dies auch wieder tun.

Insgesamt zeigt sich über die Jahre, dass überwiegend Frauen keine tierischen Produkte konsumieren: 2018 waren es beispielsweise ein Drittel der Frauen, bei den Männern lag der Anteil bei nur 23 Prozent. Generell sind jüngere Altersgruppen sowie Personen mit höherer Bildung offen für vegetarische oder vegane Ernährungsstile. Außerdem sinkt die Häufigkeit des Fleischkonsums mit zunehmendem Alter und steigt mit wachsenden Einkommen.

Konsumverhalten im Alltag

Zum Vergleich wird die Entwicklung des Konsumverhaltens in anderen Bereichen herangezogen. Ist auch hier das Verhalten im Alltag in Hinblick auf Nachhalitigkeit und Umweltschutz gleich geblieben?

Es ist deutlich ersichtlich, dass die Anzahl der Privat- und Gewerbekunden von Ökostrom gestiegen ist. So waren es schon 2011 rund 3,2 Millionen Ökostrombezieher. Auch in der Umweltbewusstseinsstudie wird die Anzahl in Prozent aufgeführt. Waren im Jahr 2000 nur zwei Prozent Ökostrombezieher unter den Befragten, so waren es 2012 schon 20 Prozent.

Ebenso steigt der Absatz an Bio-Lebensmitteln seit 2000 stetig an. Diese Entwicklung zeigt auch die Studie. Dort steht 2012 in diesem Zusammenhang, dass „das Umweltbewusstsein im Ernährungsbereich hoch ist“ – doch der Fleischkonsum wurde nicht untersucht.

Unbekannte Umweltschäden?

Die Bereitschaft, klimaverträglicher zu handeln, ist also vorhanden. Das Wissen der hohen Umweltbelastung durch Fleisch hingegen scheint nur langsam ins Bewusstsein der Gesellschaft zu sickern. Schon 2006 führt die Umweltbewusstseinsstudie an, dass sich nur zwei Prozent der Befragten sehr gut über die Umweltverträglichkeit von Produkten informiert fühlt.

Und auch diejenigen, die darüber Bescheid wissen, handeln oft nicht dementsprechend. Die Zentrale für politische Bildung erklärt, dass oftmals die antrainierte Konsumkultur nicht aufgegeben oder verändert werden will. Die Mehrheit schließt sich daher der als normal suggerierten Verhaltensweise der Bevölkerung an. Häufig verhalten sich jedoch gerade diejenigen klimaverträglich, die keine Ambitionen zum Klimaschutz haben: Weil sie keine finanziellen Mittel haben, um beispielsweise zu fliegen oder Auto zu fahren. Ein Umweltbewusstsein muss folglich nicht ein umweltfreundliches Verhalten nach sich ziehen.

Der Fleischkonsum der Deutschen ist also nicht klimaverträglich. Die Bereitschaft zum Wandel nimmt zwar zu, sie spiegelt sich aber noch nicht in den Zahlen wieder. Und auch ein Bewusstsein für die Folgen sowie eine Verhaltensänderung setzt sich nur mühsam in Gang. Die Umweltbewusstseinsstudie resümiert: „Die landwirtschaftliche Produktion kann nur dann nachhaltig neu ausgerichtet werden kann, wenn die Bevölkerung ihr Ernährungs- und Konsumverhalten ändert." Denn wie seit jeher gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot.

       
edit. live auf HORADS 88,6 und das jede Woche Donnerstag von 14 bis 15 Uhr. Schalte auch du ein! | Bild: Christopher Müller

edit. meets HORADS #7
In der Vergangenheit wühlen

edit. live auf HORADS 88,6 und das jede Woche Donnerstag von 14 bis 15 Uhr. Schalte auch du ein! | Bild: Christopher Müller

01 Jan 1970

In sechs Schritten um die Welt. Gar nicht mal unmöglich, denn im Schnitt brauchen wir nur eine Handvoll Schritte, um jeden x-beliebigen Menschen auf dieser Welt zu erreichen. Wir alle sind miteinander vernetzt, ob digital über WhatsApp oder klassisch analog über den Sportverein. Doch wie kommen wir darüber hinaus zusammen? Das und vieles mehr besprechen wir donnerstags von 14 bis 15 Uhr auf HORADS 88,6.

Woher ihre Uroma stammt, weiß Lea noch – darüber hinaus wird’s schwammig. Aber das ist nicht schlimm, Ahnenforschung boomt: Allein die Plattform MyHeritage hat 92 Millionen Nutzer weltweit. Auf Basis verschiedener Daten oder der eigenen DNA und mithilfe der Plattform ist es möglich, Rückschlüsse auf den eigenen Stammbaum zu ziehen. Doch was lässt uns in der Vergangenheit unserer Ahnen wühlen? Darum geht es in der siebten und letzten edit. meets HORADS Sendung für dieses Semester. Die Moderatorinnen Lea und Mira sprechen mit den edit. Redakteuren Irina und Denis, die mit zwei anderen Kommilitonen ein Video über Ahnenforschung produziert haben.

       
| | Art makes people laugh | Bild: Natascha Kratsch

Urban art
A glimpse in the grey

| | Art makes people laugh | Bild: Natascha Kratsch

01 Jan 1970

There are various ways to express creativity, especially in big cities. Artists bring life, light and joy into cities’ hearts, by realizing their visions. How are their installations contributing to the liveability of cities?

Grey streets, grey buildings, grey reflections on the windowpanes – high-rise blocks side by side interrupted by train stations. Walking through a city can be quite monotonous; one is even reminded of a dystopian movie scene. But then you turn around a corner and suddenly you catch a glimpse of bright colour in the grey. When getting closer you discover a wild and colourful artwork on the grey walls.

| | Wall of fame in Stuttgart | Bild: Florine Pfleger

Graffiti – colourful expressions of creativity, yet troublesome to some people, and mostly illegal. These ‘daubs’, as officials often refer to graffiti, are part of the art movement of urban art, which describes street art in urban regions. Since street artists all over the world would not let laws stop their creative flow, there has been a trend in cities towards embracing urban art as city art in recent years.

| | Graffiti in Stuttgart | Bild: Florine Pfleger

The artists can now spray their ideas on one of the 1884 legal graffiti walls around the world. Europe has become a pioneer when it comes to offering spaces to live out freedom of art, with 458 of these walls in Germany alone.

The Hall of Fame in Stuttgart – Bad Cannstatt, for example, is a spot of ever-changing artistic graffiti, a place to meet, talk and make art, no matter who you are.

| | Bild: Florine Pfleger | Audio: gekoone

One of the artists building this creative place is gekoone. He’s been in the scene for nearly ten years now and absolutely supports the development towards more and more legal places to spray and let out one’s creativity.

| | Bild: Florine Pfleger | Audio: gekoone

Not only the artists themselves enjoy their time at the Wall of Fame, but also the visitors. The Wall of Fame offers something to see for every taste and every liking, and nearly every week, regular visitors can spot new things.

Nevertheless street artists like gekoone claim that there is still a long way to go. These ‘Walls of Fame’ are mainly spread over North-Rhine Westphalia, Hessen and Baden-Wuerttemberg, when they should be found in every city all over the world.

| | Bild: Florine Pfleger | Audio: gekoone

Not only graffiti, however, but also street music, theatre, dance performances or installations bring life, light and creativity into cities’ hearts. Accompanying the trend towards embracing urban art, artists can now apply for implementing their projects right in the city centres. One example for such an installation, which went viral and is now implemented again and again all over the world, is Candy Chang’s Before I die. Following the death of a loved one, Candy Chang created it on the walls of an abandoned house in New Orleans, offering everyone the opportunity to stop and consider the things, which connect us. This project is one of Jenny Hefczyc’s favourite urban art installations. The artist, known as Jenny Jinya to her fans, has a passion for urban art, even though she’s not active in the scene yet.

| | Bild: beforeidieproject.com | Garry Glowacki, Bridge Prison Ministry, PAMA, and Brampton Downtown Development Corporation | Audio: Jenny Hefczyc

Urban artists clearly claim that their work brings life into grey cities and that it brings people together while giving them a moment to stop and breathe within the city’s hustle. For them, the answer on how to create liveable cities is easy – it’s art!

| | Bild: Natascha Kratsch | Audio: Jenny Hefczyc

Austria’s capital Vienna is the best example for such a liveable city, it was even named most liveable city in 2019 in Mercer’s widely known “Quality of Living Report”. This means it’s the tenth year running for the Austrian capital to top this ranking. Whilst providing a high level of security to its habitants and visitors, Vienna offers a huge variety of cultural and artsy experiences, too.

| | Bild: Natascha Kratsch | Audio: Jenny Hefczyc

To experience art in Vienna, however, it is not always necessary to visit one of the city’s many art galleries – the streets of Vienna are filled with artists and their creations on walls, bridges, trams and trains.

| | Melbourne street art lane | Bild: Natascha Kratsch
| | Street art in Vienna | Bild: Markus Pfalzgraf
| | Melbourne street art lane | Bild: Natascha Kratsch
| | Street art in Vienna | Bild: Markus Pfalzgraf

This spreading evolution is seen a huge contribution to cities liveability not only by artists, but also by young city planners like Philipp Nagel from Stuttgart. “At the moment, with a rather old committee to decide how free spaces in the city are used, places for art are rarely considered. But with the committee slowly becoming younger, we can imagine the freedom of art becoming a topic in the future”.

       

 

Frank Weber - Über den Umgang der Ärzte mit Patienten. | Bild: Eva McGowan

Das Verhalten der Ärzte
Nicht nur eine Nummer

Frank Weber - Über den Umgang der Ärzte mit Patienten. | Bild: Eva McGowan

01 Jan 1970

Wie ein Arzt persönlich mit Patienten umgeht ist wichtig für den Behandlungserfolg. Deswegen steht eine gute Arzt-Patienten-Beziehung bei Medizinern heutzutage bereits im Grundstudium auf dem Lehrplan. Frank Weber hat durch seine Nervenerkrankung viele Ärzte kennengelernt und einen langen Heilungsprozess hinter sich. Aber erst mit dem richtigen Arzt wurde alles besser.

Wie lernen Ärzte menschlich mit Patienten umzugehen?
       

 

edit. live auf HORADS 88,6 und das jede Woche Donnerstag von 14 bis 15 Uhr. Schalte auch du ein! | Bild: Christopher Müller

edit. meets HORADS #6
Wenn Bälle und Besen fliegen

edit. live auf HORADS 88,6 und das jede Woche Donnerstag von 14 bis 15 Uhr. Schalte auch du ein! | Bild: Christopher Müller

01 Jan 1970

In sechs Schritten um die Welt. Gar nicht mal unmöglich, denn im Schnitt brauchen wir nur eine Handvoll Schritte, um jeden x-beliebigen Menschen auf dieser Welt zu erreichen. Wir alle sind miteinander vernetzt, ob digital über WhatsApp oder klassisch analog über den Sportverein. Doch wie kommen wir darüber hinaus zusammen? Das und vieles mehr besprechen wir donnerstags von 14 bis 15 Uhr auf HORADS 88,6.

Seit dem 7. Juni ist wieder Fußball-Weltmeisterschaft. Das dürfte Vielen in Deutschland entgangen sein, denn dieses Jahr kicken die Frauen – und Frauenfußball bekommt in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wenig Aufmerksamkeit. In der sechsten Sendung von edit. meets HORADS sprechen die Moderatoren Chris und Luisa darüber, weshalb Frauenfußball in anderen Ländern boomt, während bei uns die Stadien leer bleiben. Zu Gast im Studio ist Joel, der sich rund um das Thema Sport auskennt und Ideen hat, was sich ändern sollte. Außerdem geht es um die Randsportart Quidditch: Jana Mack hat darüber einen Artikel geschrieben und in einem Interview von ihrer Recherche und der Quidditch-Community erzählt. Ihr wollt mehr darüber erfahren, wie Sport verbindet? Dann hört rein!

       

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