Mercedes-Benz Concept IAA | Bild: Kai Roos

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Mobilität neu (er)fahren

Mercedes-Benz Concept IAA | Bild: Kai Roos

17 May 2019

Die EU-Kommission fordert immer schärfere Grenzwerte und Regulierungen in der Automobilindustrie, vor allem in urbanen Gebieten. Darunter fällt der Großraum Stuttgart. Konzepte, Ideen und Alternativen gibt es viele, doch wie sieht sie aus – die Mobilität von morgen?

Kai Roos

Crossmedia-Redation / Public Relations
seit Wintersemester 2018
Automobilindustrie MotorsportElektromobilität Mobilität der Zukunft

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Wer an die Schwabenhauptstadt denkt, der denkt an den Fernsehturm, Daimler und Porsche. An Verkehr, Stau, Mobilität. Stuttgarts Kfz-Stellen verzeichnen im Moment 302.279 zugelassene Fahrzeuge im Raum Stuttgart. Ab dem Jahr 2050 dürfen in Deutschland nach aktuellem Stand nur noch Elektroautos neu zugelassen werden. Das sorgt früher oder später für das sichere Aus des Verbrennungsmotors.

„In der Stadt braucht man nicht zwingend ein eigenes Auto.“   – Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

Dass es vor allem in urbanen Gebieten bereits ohne eigenes Auto geht, zeigt die Aussage von Dieter Zetsche. Daimler verkauft mit seinem 2009 gegründeten Subunternehmen Car2go keine Fahrzeuge mehr an den Kunden, sondern Mobilität. Im Januar 2019 verzeichnete Car2go über eine Million registrierte Nutzer in Deutschland, Tendenz steigend. Daimler ist mit dieser Idee aber nicht alleine. In München wurde der gleiche Gedanke, durch BMW mit seinem Unternehmen DriveNow, verfolgt. Anfang 2019 fusionierten die beiden Unternehmen zu ShareNow und zählen rund 20.000 Mietwagen. Ziel dahinter ist ein noch schnelleres Wachstum beider Unternehmen. Durch eine eigene entwickelte App und ein paar Klicks kann schnell ein Fahrzeug gebucht werden, abgerechnet wird im Minutentakt. Und genau darum geht es: Einfach, schnell und unkompliziert. Für eine gesellschaftliche Akzeptanz und steigende Nutzerzahlen dürfen solche Systeme nicht schon bei der Buchung verkompliziert werden. Dass das Angebot aber so gut wie ausschließlich in urbanen Gebieten funktioniert, wird oft vergessen. Der ländliche Raum ist auf das eigene Auto angewiesen, ein konkreter Lösungsweg fehlt hier nach wie vor. Neben dem selber Fahren bietet sich aber auch der öffentliche Nahverkehr an. In welche Richtung könnten Bus und Bahn in Zukunft gehen?

Barcelona, Sao Paulo und San Francisco haben eines gemeinsam – eine fahrerlose U-Bahn. Auch in Deutschland wurde das Konzept RUBIN, was für die Realisierung einer automatisierten U-Bahn in Nürnberg steht, bereits 2008 verwirklicht. Die U-Bahnlinien U2 und U3 fahren die Pendler fahrerlos zu den unterschiedlichen Destinationen in Nürnberg. Möglich macht das die Kooperation von Siemens Mobility und der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG). Auch der Güter- und Fernverkehr könnte durch die Automatisierung revolutioniert werden. Doch warum ziehen andere Städte nicht nach? Ein Problem stellen die hohen Umbau- und Investitionskosten dar: Die beiden U-Bahnlinien kosteten 610 Millionen Euro. Diese Summen schrecken neben Stadtplanern auch Förderprogramme der jeweiligen Bundesländer ab. 

„Mobilität könnte sich in Zukunft grundlegend verändern. Diese Veränderungen werden von den Kunden nicht nur akzeptiert, sondern auch zunehmend eingefordert.“ – Thomas Weiss, Chefredakteur AutoScout24 Magazin

Sicherheit ist für viele nach wie vor das wichtigste Kriterium. Der Mensch ist der größte Risikofaktor. Sicherheitsfeatures wie ein automatischer Spurhalteassistent oder Abstandsregelsysteme können hier risikominimierenden Einfluss haben. Die Automatisierung ist vorwiegend aus der Robotik und Autoindustrie bekannt. Ähnlich wie bei Bus und Bahn soll der Fahrende nun zum Passagier werden. Möglich macht es das autonome Fahren. Was vor einigen Jahren wie Science-Fiction klang, ist bereits heute stückweise Realität. Autonomes Fahren gliedert sich in fünf Stufen. Heutige Systeme befinden sich straßenzugelassen zwischen der zweiten und dritten Stufe. Der Verkehrsfluss hätte durch autonomes Fahren durchaus Potenzial. Auch die Sicherheit könnte sich laut Thomas Weiss, Chefredakteur des Magazins AutoScout24, entscheidend verbessern.

von Kai Roos Fünf Stufen des autonomen Fahrens | Bild: ADAC
„Menschliches Versagen als Gefahrenquelle wird schon in der näheren Zukunft als Unfallursache zurückgehen können.“ – Thomas Weiss, Chefredakteur AutoScout24 Magazin

Fahrzeuge und Verkehrssysteme wären untereinander vernetzt. Dass die Automatisierung von Fahrzeugen jedoch noch immer in den Kinderschuhen steckt, zeigt beispielsweise der 2016 Verunglückte Joshua Brown. Er prallte im Bundesstaat Florida mit seinem teilautonom fahrenden Fahrzeug des Automobilherstellers Tesla in einen Sattelschlepper und erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen. Auch rechtlich müssen Gesetze erst angepasst und neu verabschiedet werden, da die Haftungsfrage im Falle eines Unfalls durch autonome Systeme noch nicht eindeutig definiert worden ist. Diese Problematik sieht auch Marc Runft. Er ist Entwicklungsingenieur im Bereich Fahrerassistenzsysteme bei der IAV GmbH in Heimsheim.

Grundsätzlich gibt es bis dato nicht die eine Lösung, die unsere Mobilität und unsere Gesellschaft revolutionieren wird. Vielmehr geht es um die Kombination verschiedener Systeme, Ideen und Konzepte, um alle Möglichkeiten der neuen Mobilität voll ausschöpfen zu können.

Das „Concept IAA“ (Intelligent Aerodynamik Automobile) von Mercedes-Benz erlebte auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt Weltpremiere und ist ein Beispiel dafür, wie Mobilität in Zukunft aussehen könnte. | Bild: Kai Roos