Musiktexte-Kolumne 4 Minuten

Who’s Afraid of Little Old Me – Mein Garten gehört mir!

Eine Wiese voll bunter Wildblumen
Nicht jede Blume blüht für jeden. | Quelle: Theresa Hunker
05. Febr. 2026

Musik ist für uns alle ein Alltagsbegleiter – meist läuft sie einfach so mit, ohne viel Beachtung. Doch wenn man mal genauer hinhört, trifft sie oft genau ins Schwarze und legt den Finger auf einen wunden Punkt unseres Lebens. „Who’s afraid of little old me“ – und was uns das Lied übers Grenzen aufzeigen sagt.

Ich bin spazieren, irgendwo zwischen Waldwegen und den sommerlichen Feldern, die sich vor mir erstrecken, versuche ich mein Gedankenkarussel zum Stehen zu bringen. An einer Wiese voller Wildblumen halte ich an. „Das sind meine Lieblingsblumen“, sage ich. Meine Begleitung erwidert nur: „Das ist Unkraut. Ich würde es vergiften, wenn ich könnte.“ Vergiften? Wie unverschämt, dabei kommt mir eine Liedzeile von Taylor Swift in den Kopf „That I’ll sue you if you step on my lawn“ aus dem Lied „Who’s afraid of little old me“. Die Künstlerin besingt in ihrem Song, dass sie den Ruf hat, die Menschen zu verklagen, die auf ihren Rasen treten. Dann frage ich mich, warum warten wir bis jemand erst auf unseren Rasen trampelt bevor wir die metaphorische Keule auspacken. 

Die Angst vor Ablehnung

Uns dürfte wohl allen klar sein, dass Taylor Swift hier nicht von einem Garten im klassischen Sinne, sondern von ihrem Leben und inneren Frieden singt. Ich denke darüber nach, wie viele Menschen ich in meinen Garten gelassen habe, wie ich sie kommen und gehen ließ, wie sie wollten. Wie oft ich mich für sie verbogen und meine Kanten glattgeschliffen habe, um zu gefallen. Aber ich traute mich nicht Grenzen zu setzen, zu groß war die Angst diese Menschen zu verlieren. Diese Angst ist vielen Frauen bekannt, uns wird von klein auf eingetrichtert, dass niemand eine streitsüchtige Frau will und dass uns diese Rolle nicht steht. Uns wird beigebracht wie wir zu sein haben. Immer brav lächelnd Ja und Amen sagen. Frauen, die sich dem wiedersetzen werden schnell als Problemfall, kompliziert oder als Furie abgestempelt.

Das Spiel mit dem kaputten Ruf

Taylor Swift scheint diese Angst abgelegt zu haben. So singt sie weiter: „That I’m fearsome and I’m wretched and I’m wrong“.

„That I’ll sue you if you step on my lawn, that I’m fearsome and I’m wretched and I’m wrong.“ 

Taylor Swift

Sie spielt bewusst mit dem Klischee der „schwierigen Frau“, der verbitterten Einzelgängerin, die nur Streit sucht und nicht weiß, wann Schluss ist. Statt vor diesem Image zu flüchten, zieht sie sich selbst den Schuh an und nutzt ihn als Rüstung. Sie kennt ihren Ruf und setzt ihn strategisch ein, als Warnschild, als Filter für all die, die ihr ohnehin nichts Gutes wollen. Taylor bleibt lieber allein, als ihren inneren Frieden zu gefährden. Eckt lieber an, als dass sie sich selbst verliert.

Die eigenen Blumen pflanzen

Was würde also passieren, wenn wir uns die Angst vor Ablehnung abgewöhnen? Wenn wir lernen, unsere eigenen Grenzen klarzumachen und die Menschen, die einfach auf unseren Rasen trampeln, oder unsere Blumen vergiften wollen, mit einem Besen davon scheuchen. Vermutlich würden wir weniger Menschen gefallen, öfters auf Unmut stoßen, vielleicht sogar Freunde verlieren. Jedoch sollten wir nicht vergessen, es ist unser Leben, es ist unser Garten. Wir bestimmen, was wir sähen und wen wir hereinlassen. Was für den einen nutzloses Unkraut ist, sind die Lieblingsblumen des anderen. Wir sollten den Mut haben uns abzugrenzen, herauszustechen, denn nur so können wir die Menschen finden, die unseren Garten wertschätzen. Der beste Beweis dafür ist, trotz all der jährlichen Aufregung und Gerüchten um sie, füllt Taylor Swift immer noch Stadien. 

Who's Afraid of Little Old Me? - Taylor Swift