Media Night 4 Minuten

Ein digitales Spiegelbild gegen unnötige Retouren

Ein Mädchen sitzt neben gestapelten Kartons und macht online Shopping.
Shopping Fans versinken in Retourenbergen. Das Ergebnis: Paketechaos. | Quelle: Lara Reinhardt & Vanessa Bortmes
26. Jan. 2026

Onlineshoppen mit personalisierter Anprobe: Das Studierendenprojekt „Mevera“ zeigt anhand eines 3D-Avatars, wie bewusstes Einkaufen Spaß macht und Retouren vermeidet. Das Projekt wird am 29.01.2026 bei der Media Night vorgestellt.

Für viele ist Online-Shopping heute ein verantwortungsloses Klickspiel: rein in die Online-Plattform und wahllos Artikel in mehreren Größen in den Warenkorb legen. Der Preis ist egal, die Konsequenzen auch. Schließlich kann man alles jederzeit wieder zurückschicken. Aus diesem Gedankengang entstehen unnötige Retouren, die zu Umweltschäden führen. Sechs Studentinnen aus den Studiengängen Mobile Medien, Integriertes Produktdesign und Social Media Marketing und Management machten es sich zur Aufgabe, eine Lösung für dieses Thema zu finden. Im Vordergrund stand der Wunsch Nachhaltigkeit und Shopping-Spaß zu verbinden.

"Ich ärgere mich über Leute, die aus Bequemlichkeit Klamotten in verschiedenen Größen bestellen, obwohl sie schon vorher wissen, dass sie zurückgeschickt werden."

Projektleiterin Laila Jerusalem

Aus dieser Idee entstand „Mevera“, ein Prototyp einer Website, die als Online-Marktplatz Kleidung zum Verkauf anbietet. Das Besondere an Mevera ist der 3D-Avatar, der eine personalisierte Online-Anprobe ermöglicht.

Mehr als nur ein Name

Nimmt man den Namen in seine beiden Bestandteile auseinander erkennt man eine klare Markenbotschaft: Die beiden lateinischen Wörter „Me“ und „Vera“ bedeuten übersetzt „wahres Ich“. Damit soll auf die „wahre Passform“ von Kleidung abgezielt werden, die man mithilfe des 3D-Avatars während des Online-Shopping erreicht. 

Das Logo eines kleinen Faultieres, steht in der Assoziation mit „Slow-Fashion“, das als Gegensatz zu Fast Fashion gesehen wird und demnach für bewussten und nachhaltigen Umgang mit Kleidung steht.

Der Weg zum passenden Warenkorb

Beim Online-Einkauf fehlt häufig eine passgenaue und visuell dargestellte Anprobe, die bei einem Kaufprozess wirklich berücksichtigt werden kann. Mevera schafft hierfür einen digitalen Anproberaum, in dem die Passform von Kleidungsstücken durch anschauliche Darstellungen des eigenen Körpers erlebt werden. Der Avatar kann auf zwei unterschiedliche Arten genutzt werden: Zum einen lässt sich ein individueller Avatar erstellen, der auf den eingegebenen Körpermaßen basiert. Zum anderen stehen vorgefertigte Avatare zur Auswahl, die verschiedene Körpertypen repräsentieren. Nutzer*innen, die Outfit-Kombinationen im Voraus zusammenstellen möchten, können über die virtuelle Anprobe unterschiedliche Stilrichtungen am Avatar ausprobieren. Dank dieser Funktionen entsteht ein überschaubarer Warenkorb mit Klamotten, die wirklich passen.

Prototyp der online Webseite "Mevera" im Anprobe Prozess.
Ein Avatar, der dir zeigt, was wirklich passt.
Quelle: Lara Reinhardt & Vanessa Bortmes

Wenn Flexibilität zum Problem wird 

Retouren bezeichnen im Versandhandel das Zurücksenden von Artikeln aufgrund verschiedener Kundenentscheidungen. Sie bieten den Kund*innen dadurch mehr Flexibilität im Kaufprozess. Gleichzeitig entstehen auch häufig unnötige Retouren, die unserer Umwelt schaden. Der Transport per LKW, Flugzeug oder Lieferwagen verursacht dabei erhebliche CO₂-Emissionen. Außerdem werden zurückgeschickte Artikel oft aus Hygienegründen, wegen Trendwechseln oder anderen Faktoren nicht weiterverkauft und stattdessen entsorgt.

Zwischen Vision und Herausforderungen

Bereits im Vorfeld strebte das Team an, über die Entwicklung des Prototyps hinaus eine Marke aufzubauen. Aus diesem Grund wurde bereits zu Beginn eine Brand Mission mit klaren Zielen und Werten ausgearbeitet sowie Umfragen durchgeführt, um gezielt an bestehenden Problemen anzusetzen. Parallel zur konzeptionellen Entwicklung der Webseite entstand durch die Social Media Marketing und Management Studentinnen ein Instagram Profil.

Trotz aller Fortschritte steht das Team weiterhin vor verschiedenen Herausforderungen bei der Realisation des Prototyps. Bisher wird lediglich ein statisches Bild eines Avatars mit der gewünschten Kleidung angezeigt, eine dreh- oder veränderbare Ansicht zur Beurteilung der hinteren Ansicht ist bisher nicht möglich. Dafür wäre künftig die Unterstützung eines 3D-Spezialisten notwendig. Zudem fehlt bislang ein Praxispartner, etwa ein Modeanbieter, um die Kleidungsstücke tatsächlich zum Verkauf anzubieten. Dennoch sehen die Studentinnen großes Potenzial in ihrem Projekt, da Nachhaltigkeit und bewusstes Einkaufen für Unternehmen und deren Geschäftsmodelle zunehmend an Bedeutung gewinnen.